AOK Berlin
Architekt: RKW, Düsseldorf/Berlin
Projektsteuerung: Assmann Beraten+Planen GmbH
Büroplanung: Congena, München
Ihr Leitbild ist an Kunden, Partnern und Mitarbeitern orientiert. Als Institution ist sie ein Stück gelebter Sozialgeschichte mit 125-jähriger Tradition. Als modernes Unternehmen setzt sie auf Kompetenz, Flexibilität, Leistungsbereitschaft und Teamgeist. Die AOK Berlin stellte die Sanierung ihrer Firmenzentrale in Berlin unter die Prämisse verbesserter Kommunikation und identitätsbildender Architektur. Die Historie der AOK Berlin ist wesentlich mehr als "nur" eine unternehmensgeschichte. Die Einführung einer gesetzlichen Krankenversicherung im Kaiserreich leitete ein neues Kapitel in der Sozial- und Gesundheitspolitik in Deutschland ein, das sich bis heute bewährt hat. Die AOK Berlin, hervorgegangen aus der Allgemeinen Fabrikarbeiter-, Kranken-, Sterbe- und Unterstützungskasse für Berlin, entwickelte sich zur Gesundheitskasse – einem modernen Dienstleister, dessen Geschichte eng mit der sozialen und gesellschaftlichen Entwicklung der Stadt verbunden ist, und der heute über 750.000 Versicherte betreut.
Zeit für Innovationen Bereits 2005 starteten die Vorarbeiten für die Generalsanierung des markanten Gebäudekomplexes in der Wilhelmstraße in Kreuzberg. Entsprechend dem ursprünglichen Entwurf des Architekten Hans Scharoun aus den 1960er Jahren wurde die Hauptverwaltung behutsam saniert, das äußere Erscheinungsbild mit gestaffeltem Baukörper, Fensterbändern und deren Farbspiel wurde im Wesentlichen beibehalten.
Dafür standen gewollte, große Veränderungen im innenarchitektonischen Bereich nie mehrere Ziele verfolgten. Zum einen sollten bauliche Eingriffe eine Flexibilisierung der Etagen-Grundrisse ermöglichen sowie die Modernisierung der Gebäudetechnik wesentliche Verbesserungen in der Energieeffizienz und im Sinne der Nachhaltigkeit des Hauses herbeiführen.
Zum anderen lag ein wesentliches Augenmerk auf der Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten. Konkret auf der Optimierung der Flächenauslastung, auf der Zentralisierung der Arbeitsplatzinfrastruktur, auf sich rasch und unkompliziert anpassenden Belegungsmöglichkeiten sowie auf Transparenz für Kommunikation und Raum für Teamwork.
Damit lassen sich die zentralen Parameter des Großprojektes auch definieren: nämlich eine Arbeitsumgebung zu schaffen,
- die Teamgeist, Kreativität und Kommunikation fördert,
- die den Austausch von Information und Wissen erleichtert, unter anderem um Potenziale des Einzelnen zielgerichtet zu nutzen und zu entwickeln,
- die Verwaltungskosten reduziert, die papierarme Teamarbeit unterstützt, die die Umsetzung von organisatorischen Veränderungen erleichtert und beschleunigt
- und die letztlich dadurch die Motivation der Mitarbeiter und ihre Identifikation mit dem Unternehmen stärkt.
Innovatives Bürokonzept Um diesen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, war die Erarbeitung eines innovativen Bürokonzeptes von strategischer Bedeutung, das den knapp 1.000 Mitarbeitern auf rund 9.000 m² ein neues, zukunftsweisendes Arbeitsumfeld zur Verfügung stellen sollte. Die Einbeziehung aller Beteiligten sowie die intensive und direkte Zusammenarbeit von Geschäftsführung, Architekt und Consultants garantierten von Beginn an hohe Ergebnisqualität und bereinstimmung mit den Zielvorgaben. So wurde, basierend auf einer Mitarbeiterbefragung, das Raum- und Funktionsprogramm vom Bauherrenberater Congena gemeinsam mit der Geschäftsleitung erarbeitet. Regelmäßige Jour-fixe-Besprechungen stellten den Informationsaustausch und die erforderliche Unterstützung bei Entscheidungsfindungen hinsichtlich bautechnischer Themen sicher.
Zur Grundvoraussetzung für das innovative Bürokonzept wurde der Rückbau der ursprünglichen Zellenstruktur mit dem Ziel, unterschiedlich große Teambereiche mit territorial und sozial überschaubarem Club-Charakter zu schaffen. Mehr Transparenz und Offenheit sollten durch den Einsatz von Glas gewährleistet werden. Sogenannte "Werkbänke" für Teamarbeit anstatt persönlicher Arbeitstische sollten als Leitmotiv eingeführt werden.
Auf diese Weise entstand eine offene, abwechslungsreiche Bürolandschaft, die neben Empfang, Besucherbereichen, Projekt- und Besprechungsräumen mit rund 50 Zellen- und Teambüros, knapp 900 Desk-Sharing-Arbeitsplätzen, 8 Open-space-Bereichen (mit Raum für mehr als 20 Arbeitsplätze), Meeting-Points und großzügigen Think Tanks für lebendige Interaktion sorgt und Austausch garantiert. Mit allen Optionen für Konzentration und Besprechung, Empfang und Warten, Teamwork der Kundenkontakt.
Die Arbeitsplätze und -zonen berücksichtigen mitarbeitergerechte, individuelle Anforderungen. Sie entsprechen den Grundsätzen ergonomischer Gestaltung mit höhenverstellbaren Arbeitstischen, Bürodrehstühlen sowie ausreichend Stauraum und Rollcontainern. Einem einheitlichen Standard folgt die IT, sodass jeder Arbeitsplatz von jedem Mitarbeiter genutzt werden kann. Bei der Innenausstattung wurde im Hinblick auf Nachhaltigkeit entsprechend den Kriterien Lebensdauer, Wiederverwertbarkeit, Stoffbelastung und Herkunft entschieden.
Büro für alle Sinne Neben diesen strukturbildenden Aspekten fanden auch alle raumklimatischen Elemente Eingang in die Neukonzeption. So wurde hinsichtlich Energie- und Klimatechnik ein innovatives Heizungs- und Kühlungssystem mittels Wärmepumpe umgesetzt, das eine natürliche Belüftung ermöglicht und den außen liegenden Sonnenschutz in die Temperaturregelung integriert.
Aufgrund der großteils offenen Zonierung wurde der Raumakustik hohe Aufmerksamkeit gewidmet und wurden bedarfsgesteuert Metallakustikdecken eingebaut. Daneben dienen Teppichböden von InterfaceFlor in ausgewählten Bereichen dem Geräuschschutz.
Ein neuer, zentraler Lichthof schafft zusätzliches Eintreten von Tageslicht, das auch die Basisbeleuchtung darstellt. Ergänzend können die Standard-Büroarbeitsplätze in verschiedenen "Lichtstimmungen" beleuchtet werden, während repräsentative Bereiche eine eigene Lichtatmosphäre erhielten. Ebenso wie speziell das Foyer mit Akzent setzenden Lichtwänden und wechselndem Farbspiel eine freundlich-sympathische Eingangssituation schafft.