Office.Playlist #15
Diese Ausgabe der Office.Playlist wird Ihnen präsentiert von:
Wolfgang Kos
Kulturhistoriker, bis 2003 Radiogestalter ( Musicbox, Popmuseum, Diagonal), seit 2003 Direktor des Wien Museums.
Eine Musiklandschaft fürs Office: Da denke ich vor allem an internes Wohlgefühl, ähnlich wie Farben, Stimmungen und Accessoires als Ambiente-Faktoren im Büroalltag. Also etwas Unaufdringliches mit angenehmem Flow, als Beitrag zum emotionalen Environment. Soll nicht irritieren, aber soll Charakter haben und nicht bloß akustischer Bildschirmschoner sein. Manches ist fast ornamental, zum Beispiel Baaba Mals westafrikanische Musik der rhythmischen Endlosschleifen. Es sind auch Stücke dabei, die kantige Individualität ebenso vermitteln wie vertraute Soundheimat. Zum Beispiel die existenzielle und irgendwie verstörende Stimme eines Chris Whitley, eingebettet in ein Feeling des laid back. Oder Gil Scott-Heron, ein Pionier von Poetry & Rap & Politics, dessen Sprachgestaltung bei aller drängenden Intensität innere Ruhe spüren lässt.
Popmusik heute – das ist fast nie pure Gegenwart und etwas ganz Neues, sondern sie bezieht sich in der Regel auf Vertrautes, das oft vor vielen Jahrzehnten erfunden wurde, ob Soul, R&B, Funk, Britpop oder Rap. Manchmal fließt Altes und Neues harmonisch ineinander, manchmal steht es schroff collagiert im Kontrast – wie im Schlussstück, einem uralten, wunderbar schmeichelnden Klassiker mit suggestivem Refrain, der unvermutet in heutige Hektik übergeht, aber mit großem Respekt vor dem vertrauten Song.
Ich denke aber nicht nur an die Innenwelt im Office, sondern auch ans ständige Hereinströmen von Impulsen von überall Her. Es müssen ja nicht immer Kalenderbilder mit Wasserfällen sein.
Artwork: Kleiderhaus Verena in der Wiener Laxenburgerstraße, 1998 (bis 13. März zu sehen in der Ausstellung "Window Shopping" im Wien Museum Karlsplatz).
Copyright: Wien Museum / Trude Lukacsek




