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betahaus, Prinzessinnenstrasse 19-20
2. Juni 2010

betahaus, Prinzessinnenstrasse 19-20

Büro am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal erzählt Madeleine v. Mohl, Mitbegründerin von betahaus, Berlin, wie nicht nur ihre Vorstellung von Büro, sondern wie Büro im betahaus funktioniert. Im Gespräch mit Brigitte Schedl-Richter.

Betahaus ist ein Teamprojekt – im besten Sinne des Wortes. Gegründet von einem Gründungsteam vor knapp zwei Jahren, seither umsorgt, organisiert und weiterentwickelt von eben diesem. Das Team sind Max v.d. Ahé, Tonia Welter, Gregor Scheppan, Christoph Fahle, Stephan Bielefeldt und Madeleine v. Mohl. Letztere ist unsere Gesprächspartnerin, im betahaus für User-Anfragen, Presse und Sponsoring zuständig und mit reichem Erfahrungsschatz in kommunikativer und strategischer Arbeit ausgestattet. Gesammelt hat sie ihn während und nach ihrem Studium der Geschichte und Germanistik durch die Mitarbeit an öffentlichen, politischen und Web 2.0 Projekten.

Diesem "Team" entspringt auch das "Co": Das betahaus bietet nämlich "Coworking" inmitten von Berlin. Was konkret bedeutet: Arbeitsraum für Kreative, temporär, flexibel, "co-operativ". Oder anders formuliert – wandelbare working spaces, die sich neuen und individuellen Arbeitsformen unterordnen.


Frau v.Mohl, wie entstand das betahaus?


v.Mohl: Eigentlich ist es aus reinem Selbstzweck entstanden. Meine Kollegen und ich haben immer schon in einer Vielzahl von Projekten gearbeitet, die regelmäßig unterschiedliche Arbeitsbedingungen verlangten. Einmal waren es größere, einmal kleinere Teams, einmal intensiv und konzentriert und dann wieder nur sporadisch in der Zusammenarbeit. Da braucht man einfach die richtigen Räume dazu, und irgendwann ist die Frage aufgetaucht "Warum gibt es eigentlich nicht die passenden Büroobjekte dafür?". Dazu kam, dass wir mit diesem Wunsch nicht alleine waren und viele Leute kannten, denen es ähnlich ging. Das war letztlich die Initialzündung. Wir wollten uns Büroräume nach eigenen Vorstellungen schaffen, in denen wir uns wohlfühlen, und gleichzeitig Leute einladen, die ähnlich denken, die Kontakt und eine offene Atmosphäre suchen, keine Berührungsängste haben, auch wenn sie in der selben Branche arbeiten, und denen eine "physische" Plattform zum Netzwerken wichtig ist.


Das Konzept ist offensichtlich aufgegangen?!


v. Mohl: Und wie – schneller als gedacht! Die Nachfrage hat uns wirklich überrascht. Wir haben 2009 in einem alten Gewerbehof in Kreuzberg mit 200m2 begonnen. Heute ist das betahaus 1.200m2 groß, wir überlegen schon ein weiteres Geschoß.

Diese Größe bietet mittlerweile viele Vorteile, und die Infrastruktur von betahaus ist damit vielfältig geworden. Das Ambiente und die Funktionalität der Räumlichkeiten bewegen sich zwischen Wiener Kaffeehaus, Bibliothek, WLAN-Café, Home Office und Campus. Mit einem Wort, Sie finden hier Bereiche für ruhiges, konzentriertes Arbeiten ebenso wie viel Raum für Kommunikation. Die Möbel ermöglichen flexibles Arbeiten – wer will, nutzt das Sofa als Arbeitslounge, den Ohrensessel für ein vertrauliches Gespräch oder e-mailt noch schnell an der Espressobar, bis die Pasta serviert wird. Und wie man weiß - ein solches Arbeiten entspricht eigentlich voll unserer Zeit. Denn immer häufiger passiert Wertschöpfung auch außerhalb des klassischen Büros, am Bahnhof, im Café, zu Hause oder eben in Coworking-Spaces wie dem betahaus in Berlin.


Das heißt, man kommt und geht, wie man will, und nutzt eine vollwertige Infrastruktur...?


v.Mohl: Richtig. Und letztere muss natürlich professionell und vollständig organisiert sein, denn "basisdemokratische" Modelle funktionieren hier nicht. Wer immer sich im betahaus einmieten will, kann verschiedene Optionen wählen, entsprechend seiner Arbeitsweise: Zur Ausstattung gehören Schreibtisch, Drucker, VoIP-Telefon, WLAN, Zugang zu gut ausgestatteten Meetingräumen, Telefonzimmer, ein eigenes Postfach usw. Die Dauer ist via Tickets für Tage, Wochen, Monate, Vollzeit oder Teilzeit organisiert; mit oder ohne eigenem Schlüssel, je nachdem, ob man einen Bürozugang rund um die Uhr benötigt oder nicht – und das alles mit freier Platzwahl auf 1000m² und zwei Etagen. Derzeit ist bei uns das 12-Tages-Ticket ein absoluter Renner. Was bedeutet, viele arbeiten einen Teil ihrer Zeit von zu Hause aus und kommen dann aber für gewisse Sozialkontakte, zum Teamarbeiten und Netzwerken ins betahaus, so dass ein abwechslungsreicher Mix entsteht.


Aus welchen Branchen kommen Ihre Kunden?


v.Mohl: Es sind auffällig viele Kreative wie Grafiker, Programmierer, Fotografen, Architekten, Designer, Journalisten, Übersetzer, Startups, Werkstätten aber auch Rechtsanwälte, Buchhalter, NGOs und andere. Im Prinzip arbeitet jeder für sich, doch es entstehen natürlich auch Synergien. So kommt es nicht selten vor, dass man sich Unterstützung von anderen Coworkern für ein Projekt holt. Derzeit sind rund 120 Freiberufler im betahaus Berlin Kreuzberg. Ein Drittel davon hat hier einen fixen Schreibtisch oder ein Gemeinschaftsbüro, die anderen nützen flexible Desks und kommen in regelmäßigen Abständen immer wieder. Übrigens: Wer tatsächlich wieder kommt – das sind schon alle ähnliche Typologien. Denn wer lieber alleine und separiert arbeitet, dem wird es hier nicht gefallen, auch wenn wir durchaus auf eine gewisse "Privatsphäre", einen gemäßigten Geräuschpegel und Ähnliches achten.


Wo haben eigentlich Sie Ihr Büro?


v.Mohl: Nun ja, natürlich auch im betahaus. Wir haben hier eine Art Schaltzentrale, kein allzu goßer Workplace, würde ich sagen. Ein paar Tische und Kästen. Im Wesentlichen ist mein Büro aber mein Laptop, und ich arbeite dort, wo es gerade notwendig ist. Allerdings: Wenn ich an einem Schreibtisch arbeite, ist mir die Aussicht sehr wichtig. Es muss schon immer ein bewusst gewählter Blickwinkel sein. Außerdem stelle ich gerne um. Das heißt, ich muss meinen Arbeitsplatz einfach immer umrücken können!

Und wie sieht es mit dem betahaus-Ausblick aus?

v.Mohl: Nun da gibt es schon sehr konkrete, weiterführende Pläne. Abgesehen von der erfreulichen Entwicklung in Berlin haben wir drei weitere Standorte im Auge: Zürich, Hamburg und Lissabon. In Zürich haben wir einfach zwei total engagierte Partner gefunden (oder besser: sie haben uns gefunden), die unser Konzept unbedingt umsetzen möchten und den Markt auch entsprechend kennen, um die Chancen dafür einzuschätzen. Hamburg würde einfach aufgrund der dortigen Szene perfekt passen. Und Lissabon war eigentlich immer so ein leicht dahin gesagter Traum, den wir vor Augen hatten. Von wegen im Süden am Meer sitzen und über tollen kreativen Projekten brüten... Mittlerweile haben wir Partner in Lissabon gefunden, mit denen es schon recht realistisch aussieht. Wir gehen ja nicht einfach irgendwo hin und sagen "Hier probieren wir es mal". Da gibt es im Vorfeld schon immer konkrete Checks, Marktbeobachtungen und wirtschaftliche Einschätzungen. Denn auch Kreativität braucht eine verlässliche Basis.

Vielen Dank für das Gespräch.






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