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Burkhard List, List-Straße 1
11. Juli 2011

Burkhard List, List-Straße 1

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Einer der größten Ausstatter gigantischer Luxusyachten, die Firma List, stammt ausgerechnet aus dem binnenländischen Niederösterreich. Den Geschäftsführer von List General Contractor, Burkhard List, bat Moritz Bentele zum Interview.

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Einer der größten Ausstatter gigantischer Luxusyachten, die Firma List, stammt ausgerechnet aus dem binnenländischen Niederösterreich. Den Geschäftsführer von List General Contractor, Burkhard List, bat Moritz Bentele zum Interview.


Burkhard Lists Großvater Franz List gründete im Jahr 1950 eine kleine Tischlerei in Aspang in Niederösterreich. Inzwischen zählt das Unternehmen zu den Marktführern in Sachen Yachtausstattung. Begonnen hat angeblich alles mit einer Sachertorte: Auf einer Messe für Kreuzfahrtschiffe lernte List die Betreiber der Yacht-Werft Oceanco kennen. Bald darauf schickte er dem Managing-Direktor die Torte "als süßen Vorgeschmack auf eine Zusammenarbeit mit einem österreichischen Unternehmen": Ein halbes Jahr später kam der erste Auftrag ins Haus. Acht bis zehn Boote stattet List pro Jahr aus. Bis zu vier Jahre kann es dauern, bis ein solches Schiff fertig gestellt wird. Neben privaten Yachten produziert List auch das Interieur für Kreuzfahrtschiffe, so wurde auch die MS Deutschland, besser als "Traumschiff" bekannt, von List ausgestattet. Von Niederösterreich aus ist das mehr als 500 Mitarbeiter starke Familienunternehmen mittlerweile auch weltweit als exklusiver Ausstatter von Hotel- und Bauprojekten, sowie Privat und Business-Jets bekannt geworden.

Herr List, Sie statten unter anderem große Luxusyachten aus. Wie sehen Arbeitsplätze, Büros auf solchen Schiffen aus?


Eigentlich nicht anders als auf dem Land. Wahrscheinlich etwas kleiner, da das Platzangebot eingeschränkter ist, aber von der Funktion nicht anders. Was ihre Gestaltung betrifft, sind diese Räume immer in das Gesamtgestaltungskonzept integriert.

Worauf muss dabei am meisten geachtet werden?


So wie in jedem anderen Büro auch liegt das Hauptaugenmerk auf den persönlichen Bedürfnissen des Nutzers. Ergonomie und Bedienfreundlichkeit stehen auch hier im Vordergrund, natürlich gepaart mit den höchsten Qualitätsansprüchen.

Wie arbeitet es sich auf dem Wasser?


In unserer hoch technisierten Welt kaum anders als auf dem Land – jegliche Art der Verbindung steht via Satellit zur Verfügung. Bei starkem Seegang wird es dann halt schwieriger, sich auf die Arbeit zu konzentrieren…

Hätten Sie gern Ihr Büro auf einer Yacht?


Für mich persönlich ist es eine sehr romantische Vorstellung, ein bewegliches, "schwimmendes" Büro zu haben. Hätte ich eine Yacht, dann hätte ich auch dort ein Büro!

Warum besitzen Sie keine Yacht?


Ich besitze keine Yacht, da ich sonst wahrscheinlich zu abgelenkt wäre. Außerdem ist es nicht mein Job, eine zu besitzen, sondern – als Dienstleister für Yachtbesitzer – die Yacht nach deren Geschmack auszustatten.

Worauf muss man bei der Ausstattung von Yachten am meisten achten?


Die Anforderungen der Sicherheitsorganisationen sind sehr hoch, und dementsprechend schwierig ist oft der Spagat zwischen der Erfüllung dieser Anforderungen und den Vorstellungen des Eigentümers bzw. Architekten. Natürlich muss man besonders beachten, dass es sich um ein schwimmendes Objekt handelt, das heißt: alle Teile sind nicht nur statischen, sondern eben auch dynamischen Belastungen ausgesetzt. Unsere Kunden erwarten sich höchste Qualität und Professionalität in allen unseren Prozessen und Produkten. Diesen Ansprüchen immer und überall gerecht zu werden, ist wohl die größte Herausforderung.

Gibt es für Sie so etwas wie einen "Hauptarbeitsplatz" – und wenn ja, wo befindet er sich?


Mein Hauptarbeitsplatz befindet sich an unserem Standort in Bad Erlach in Niederösterreich. Dort verbringe ich die meiste Zeit, und auch mein persönliches Büro ist dort.

Arbeiten Sie gerne kontinuierlich immer an ein und demselben Ort oder wechseln sie lieber die "Szenerie"?


Jede Arbeitsszene, ob es sich nun um eine Besprechung oder die Arbeit am Computer handelt, bedarf auch des entsprechenden Umfeldes. Somit passe ich die Szenerie gerne der jeweiligen Situation an. An unserem Standort findet sich für jede Situation das passende Umfeld.

Das Büro als Ort: welche Bedeutung messen Sie ihm bei? Welche Funktion geben Sie ihm hauptsächlich?


Hauptsächlich ist es ein Rückzugsort zum Nachdenken. Weiters erledige ich dort meine Computerarbeit. Da ich an diesem Ort den größten Teil meines Tages verbringe, hat mein Büro eine sehr große Bedeutung. Es ist wichtig, dass man sich in seiner Umgebung wohlfühlt. Das umfasst jedoch nicht nur Ausstattungsaspekte, sondern auch die geografische Lage des Gebäudes und die Sympathie der Kollegen.

Was mögen Sie an Ihrem Büro, was nicht?


Ich mag die Qualität der Ausstattung (aus eigenem Haus) und vor allem meinen Stuhl, den Aluminium Chair von Eames und Vitra. Weiters gefällt mir die Lage. Ich hab Morgensonne, und tagsüber ist es schattig. Leider ist es aufgrund der Größe nicht für Besprechungen geeignet.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Büro etwas über Sie aussagt?


Ich bin absolut davon überzeugt, dass mein Büro etwas über mich aussagt. Ich denke, es spiegelt meine Persönlichkeit sehr gut wider – schnörkellos und nicht alles auf den ersten Blick preisgeben. Getreu dem Motto "Zuerst verändern wir unsere Räume, und dann verändern sie uns" denke ich, dass wir unsere Umgebung nach unserer Persönlichkeit ausrichten sollen.

Gibt es Orte oder Plätze, an denen Sie besonders gerne arbeiten?


Ich bin sehr gerne am "Tatort", das heißt auf Baustellen, in der Werkstatt, einfach dort wo unsere Arbeit auch sichtbar und begreifbar wird. Da sich mein Arbeitstag eher an Schreibtischen oder Besprechungstischen abspielt, ist ein Arbeitstag am Tatort eine sehr schöne Abwechslung.

Gibt es Orte, an denen Sie besonders gerne arbeiten würden?


Ich liebe die Freiheit und die Natur. Ein Büro im x-ten Stock eines Hochhauses inmitten einer Großstadt wäre für mich wohl der schlimmste Arbeitsplatz. Ein mobiles Büro hätte für mich einen ganz besonderen Reiz – egal ob es schwimmt, fliegt oder fährt –, man könnte sich immer gerade den Platz in der Natur suchen, der einem gefällt. Leider ist das aufgrund meiner Tätigkeit nicht möglich – wir arbeiten im Team und somit braucht es immer den gleichen Ort, an dem wir arbeiten.

Ist das Büro für Sie ein Ort der Inspiration, der Kreativität?


Ja, und auch ein Ort der Inspiration.

Gibt es Rituale, die Sie für wichtig halten in Ihrem Büro-Alltag?


Für mich ist die morgendliche Begrüßungsrunde sehr wichtig.

Welche Veränderungen würden Sie als die einschneidendsten während Ihres gesamten "Büro-Lebens" nennen?


Moderne Kommunikationsmöglichkeiten haben den Büroalltag sehr verändert. Oft wäre es jedoch besser aufzustehen und persönlich ein Gespräch zu führen, als Informationen per mail auszutauschen.

Der wichtigste Gegenstand im Büro?


Der Schreibtisch – er macht einen Raum erst zum Büro!

Welches ist der persönlichste Gegenstand in ihrem Büro?


Das Foto meiner Freundin.

Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?


Der Kopf.

Ihre liebste Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Arbeiten?


Das sind strukturierte Gespräche mit einem klaren Output.

Ihr größter Wunsch an ein Büro?


Ausblick in die Natur.

Wie viele Stunden verbringen Sie im Büro?


Im Schnitt 10 bis 12, zirka die Hälfte davon in meinem eigenen.

Was inspiriert Sie?


Alles Mögliche. Oft sind es kleine Details, die ich beginne zu hinterfragen…

Was stört bei der Arbeit am meisten?


Wenn keine Ergebnisse zu Stande kommen.

Was wäre Ihr Traumbüro?


Ein Baumhaus in einem riesigen Baum.

Danke für das Gespräch.







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