Akustik im Büro:
Feintuning gefragt
Klingelnde Telefone, Arbeitskollegen im "talk", Drucker mit geräuschvollem Papiereinzug und dann vielleicht noch Radiomusik – wer kann sich da noch konzentrieren?
Der Übergang von der (gerade noch) tolerierbaren Geräuschkulisse zum störenden Lärmfaktor ist fließend. Und vor allem subjektiv. Besonders in der sich mehr und mehr etablierenden Büroform des Open Office gewinnt die sorgfältige akustische Gestaltung des Raumes immer mehr an Bedeutung.
Lärm und Nebengeräusche im Büro sind ein nicht zu vernachlässigender Stressfaktor: Wohlbefinden, Konzentration, Kreativität und Leistungsfähigkeit werden dadurch deutlich vermindert.
Eine zusätzliche Herausforderung stellen moderne Bauweisen mit harten Materialien und glatten Oberflächen dar. Nimmt man sich dieses Themas jedoch an, so kann man mit einer gut durchdachten und umgesetzten Akustikgestaltung der Innenräume einen entscheidenden Beitrag zu einem angenehmen Arbeitsumfeld leisten.
Stress durch Lärm – jeder Dritte leidet
"Eigentlich wäre der Job ja nicht schlecht gewesen", erzählt Sophia beim Abendessen mit Freunden, "aber dieser ständige Lärm – einfach unerträglich." Sophia ist kein Einzelfall. Umfragen ergeben, dass jeder dritte Berufstätige im Job krank machendem Lärm ausgesetzt ist. Und das gilt nicht nur für Arbeiter in industriellen oder gewerblichen Betrieben, sondern ebenso für Büroangestellte.
Die Konsequenz: Lärm im Büro kann die Leistung um bis zu 20% vermindern, Fehler häufen sich, die Motivation sinkt. Studien ergaben, dass Beschäftigte in lauten Büros um 40% seltener versuchten, technische oder fachliche Probleme zu lösen. Dauerlärm führt zu Dauerstress. Und dieser schmälert nicht nur die Konzentration, sondern belastet u.a. auch das Herz-Kreislauf-System, kann das Immunsystem schwächen, ein Burn-out Syndrom und Depressionen fördern.
Moderne Bürolandschaften
Besonders beachtenswert ist das Thema Akustik auch im modernen Bürokontext. Denn das Open Office wird immer beliebter. Angesichts des zunehmenden Trends, Büros wie Stadtlandschaften anzulegen, werden die Anforderungen allerdings noch komplexer. Statt ganze Geschoße als einheitliche Zonen zu gliedern, kommen nun Vielfalt und Abwechslung in jedes Stockwerk. Multifunktionalität und unterschiedlichste Arbeitsabläufe passieren parallel und nebeneinander. Die Kommunikation wechselt zwischen laut und leise, konzentriert und verdichtet, im Team oder in der "Denkerzelle". Ob Einzelarbeitsplatz, Seminarraum, Coffice oder Besprechung – moderne Büros geben sich urban und multi-kulturell wie ihre großen Vorbilder.
Geräusche hören - Geräusche sehen
Oberstes Ziel ist es daher, ein angenehmes akustisches Raumklima herzustellen, in dem sowohl konzentrierte Einzelarbeit als auch Teamwork mit häufigen Telefonaten möglich sind. Hier kommen Sprachverständlichkeit und Nachhall ins Spiel. Die Sprachverständlichkeit wird beeinflusst durch den Hintergrundgeräuschpegel, das Verhältnis von Sprachsignal zu Hintergrundrauschen, das Raumvolumen und die Raumform. Die entscheidende Größe für die optimale "Hörsamkeit" ist dabei die Nachhallzeit. Generell gilt: je kürzer die Nachhallzeit, desto besser die Sprachverständlichkeit im Raum. Geschlossene Räume sollten eine Nachhallzeit zwischen 0,3 sec. und 1 sec. haben. Offene Räume hingegen brauchen eine höhere Nachhallzeit, um die Sprachverständlichkeit zu minimieren, bzw. den Geräuschpegel diffus wirken zu lassen.
Auch die visuelle Komponente spielt eine Rolle. Schritte, Stimmen oder andere Geräusche hinter geschlossenen Wänden und Türen verursachen instinktiv Unruhe. Wer ist das? Was reden die? Was ist los? Transparenz schafft hier Abhilfe, denn sichtbare, gewohnte Schallquellen erzeugen weniger Unbehagen als unsichtbare.
Dämmen oder absorbieren?
Während eine Dämmung verhindert, dass der Schall die Wände durchdringt, bewirkt eine Absorption, dass der Schall von den Wänden weniger stark reflektiert wird. Eine Trennwand kann also gut schalldämmend sein, gleichzeitig aber einen schlechten Absorptionswert haben. Umgekehrt gilt das Gleiche. Und während es bei kleineren Büros auf eine möglichst ausgewogene Schalldämmung zwischen den Räumen ankommt, spielt bei großräumigen Zonen das Maß der Schallabsorption im Umgebungsfeld und damit die Sprachverständlichkeit und "Nachhallzeit" eine wesentliche Rolle.
+ Pro Schalldämmung
Für bestimmte Zonen mit Anspruch auf Vertraulichkeit (Personalbüro, Managementebene, vertrauliche Kundengespräche, konzentrierte Einzelarbeit) ist mit einem hohen Anforderungsniveau an Schalldämmung zu rechnen. Hier sollte eine Silbenverständlichkeit über den Büroraum hinaus ins Nachbarbüro und den Gang ausgeschlossen sein. Zu beachten ist, dass einzelne Impulsgeräusche (wie z.B. Telefon, Sprechen u.a.) in allen Büroräumen als wesentlich störender wahrgenommen werden als ein kontinuierliches Geräusch. Daher sollte in betroffenen Bereichen durch geeignete Maßnahmen der Grundschallpegel eher hoch gehalten werden, wodurch Einzelgeräusche überlagert werden und so weniger störend wirken. Der passende Name für diesen Effekt ist Geräuschmaskierung, die technische Lösung dafür: `Soundmasking´.
+ Pro Schallabsorption
Ein "schallharter" Raum behindert die Sprachverständlichkeit im Raum und belastet die Konzentrationsfähigkeit. Allerdings werden Räume mit einer zu hohen Bedämpfung ebenfalls als unangenehm empfunden, nämlich als hohl und leer.
Die Wirkung des Einsatzes von Schall absorbierenden Flächen nimmt übrigens mit dem Quadrat der Entfernung ab, d.h. akustisch wirksame Materialien erzielen im Nahbereich der Schallquelle einen besonders hohen Effekt!
Als Faustregel gilt: Im Raum sollten immer zwei "weiche" Oberflächen ausgebildet werden, also z.B. Boden und Decke oder Boden und Wand.
Nachdem der Schall immer den Weg des geringsten Widerstandes durch die Wand sucht, können auch hochwertige Ausführungen einzelner Bauteile den Gesamtwiderstand nur unwesentlich erhöhen, solange etwa Anschlussfugen, Stoßfugen, Türblätter sowie deren Falze und Verglasungen wesentlich schlechtere Werte aufweisen.
Feintuning empfohlen
Wie so oft heißt es nun, mit den richtigen Spezialisten den optimalen Mittelweg zu finden. Decke, Boden, Fugen, Türen letztlich bis zur Fassade müssen eine wohl aufeinander abgestimmte Einheit bilden, die nicht nur die gesetzlichen Mindestmaße, sondern im Idealfall auch die subjektiven Empfindlichkeiten ihrer Nutzer berücksichtigen.
Eine gute Raumakustik ist die Summe aller akustisch wirksamen Flächen bzw. deren Anordnung im Raum. Mit flexiblen Trennwandsystemen, Stellwänden und anderen Raumgliederungselementen kann Schall gedämmt oder absorbiert werden. Spezielle Oberflächen unterstützen diesen Effekt. Bene bietet eine attraktive Palette an Produkten, die den hohen akustischen Anforderungen in Büros gerecht werden.
Soft Cells von Kvadrat
Die Unternehmen Kvadrat und Art Andersen entwickelten eine innovative Gebäudekomponente, die auf Licht, Raum und Akustik gleichermaßen einwirkt. Eine Doppelschicht gespannter Textilien steuert die Absorption von Geräuschen und die Übertragung von Licht und Farbe. Die Leerräume zwischen und hinter den Textilschichten sowie die interne Geometrie der Rahmen sorgen für eine optimale Akustik innerhalb des wichtigsten Frequenzbereichs von 200 – 4000 Hz. Das System von Kvadrat Soft Cells erzeugt mittels dieser verbesserten Klangwirkung eine angenehme Arbeitsatmosphäre.
Akustik-Paneele von Ruckstuhl
Ebenfalls hoch spezialisiert sind Konstruktion und Materialien der Akustik-Paneel-Kollektion von Ruckstuhl, die Schall im gesamten Frequenzbereich optimal schluckt. Die Oberfläche aus reinem Schurwollfilz in gedeckten Farben sorgt überdies für ein warmes, harmonisches Ambiente.
Soundwaves von Offecct
Jedes Paneel der Serie Soundwaves von Offecct ist für eine bestimmte akustische Funktion gestaltet. Die Wandpaneele können flexibel kombiniert und so an die Raumverhältnisse angepasst werden. Die Kombination von Funktionalität, kreativer Formgebung und ansprechender Ästhetik macht das Akustikpaneel zu einem visuell wie akustisch attraktiven Gestaltungselement.
Brigitte Schedl-Richter
Produkte:
ACOUSTICPEARLS. 50/50
ACOUSTICPEARLS. Duo 1
ACOUSTICPEARLS. Duo 2
ACOUSTICPEARLS. Mono
ACOUSTICPEARLS. Stripe
ACOUSTICPEARLS. Triple
KVADRAT. Soft cells






