Bene Büromöbel
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11. Okt. 2012

Das war der
Bene Expert Talk „Smart Working“

Wie wird der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen? Welche Chancen und Möglichkeiten gehen mit den tiefgreifenden Veränderungen der Arbeitswelt einher? Und wie können Unternehmen diesen neuen Herausforderungen begegnen und sie aktiv nutzen? Bene lud am Abend des 4. Oktober im Rahmen der Vienna Design Week zum „Expert Talk“. Internationale Spezialisten aus den Bereichen Architektur, Design, Wissenschaft, Consulting und Wirtschaft diskutierten das Konzept des Smart Working und stellten sich anschließend im persönlichen Gespräch individuellen Fragen. Am Podium: Tom Lloyd (Designer), Juriaan van Meel (Office Designer und Researcher), Gita V Langston (Expertin für Leadership Develpment und Change Managment), Giuseppe Boscherini (Architekt und Designer) und Wolfgang Neubert (Vorstand Sales&Marketing Bene AG). Moderiert wurde von Franz Kühmayer.

"Smart Working" meint als Konzept das Zusammenspiel von Raum, Design und Produktivität und baut auf mehreren Thesen auf, die Wolfgang Neubert zu Beginn der Diskussion erläuterte: Neue Formen des Wissens machen das Büro zu einer "Wissensmanufaktur", einem Raum der Kooperation und des Dialogs, in dem nicht mehr Routineprozesse dominieren, sondern Analyse, Präsentation und kreatives Vernetzen von Wissen gefragt sind. Zudem wird die Arbeitswelt der Zukunft stärker von Mobilität und Technologie geprägt. Alle diese Faktoren beeinflussen Bürodesign und -planung: der Arbeitsplatz der Zukunft müsse sich in einen "Wir-Ort" verwandeln, der auf die unterschiedlichen Anforderungen der Mitarbeiter eingehen kann. Konkret heißt das, dass innerhalb der Infrastruktur des Büros vielfältige Zonen und Bereiche geboten werden, die sowohl konzentriertes, isoliertes Arbeiten in so genannten "Me-Places", als auch offenen Austausch und Kommunikation in "We-Places" ermöglichen. Von diesen Änderungen verspricht man sich vor allem eines: zufriedenere, und daher auch produktivere Angestellte, für die der Arbeitsplatz auch Lebensraum und Inspirationsquelle ist.


Smart Working – Klischee oder Konzept mit Substanz?


Dass diese Ansätze durchaus Zukunft haben, bestätigt Researcher Juriaan van Meel: Die neuen Arbeitnehmer seien generell flexibler, mobiler und weniger formell. Für sie sei das Büro zwar als Kommunikations- und Kooperationsort wichtig, aber im typischen "Cubicle" zu arbeiten können sie sich nicht mehr vorstellen. Allerdings gäbe es, wie Expertin für Leadership Development Gita V Langston betonte, durchaus Unterschiede in den Anforderungen an den Arbeitsplatz. Die Einstellung zu und das Bedürfnis nach einem fixen Schreibtisch und kollegialer Einbindung änderten sich in Abhängigkeit von verschiedenen Parametern wie Alter, Familienplanung oder Dauer der Firmenzugehörigkeit. Vor allem jüngere oder neue Mitarbeiter schätzen das Büro, um sich ein Netzwerk aufzubauen, zu lernen und soziale Kontakte zu pflegen.

Einig waren sich die Teilnehmer der Diskussion darin, dass die Smart Working-Konzepte nicht nur für Unternehmen aus der Kreativbranche interessant seien, sondern auch in "traditionelleren" Bereichen funktionieren würden. Wichtig sei lediglich, sich bewusst für die Transformation zu entscheiden. Idealerweise funktioniert so eine Umstellung nach einer Konsultation mit und Einbinden von den Mitarbeitern, Wolfgang Neubert unterstrich allerdings auch die Rolle der Unternehmensleitung, die als Entscheidungsträger wichtige Wandlungen initiieren und steuern könne.


Das "Mallorca Syndrom" oder: neue Herausforderungen für alle


Eine Veränderung der Infrastruktur des Büros stellt sowohl Mitarbeiter als auch Management vor neue Herausforderungen. Das von Moderator Franz Kühmayer angesprochene "Mallorca Syndrom" – so früh wie möglich an den Strand gehen, um seinen Platz zu reservieren –, finde sich, so Gita V Langston, oft in Unternehmen, die auf "Shared Space" Konzepte umgestiegen seien: Typischerweise würden Angestellte auch bei freier Sitzwahl gerne zu ihrem angestammten Platz zurückkehren und hätten oft Schwierigkeiten mit der neuen Etikette, die den Ausbruch aus der Routine verspricht. Generell gelte aber, so Tom Lloyd, dass auch kleine Schritte in die richtige Richtung zu einer Umsetzung des Smart Working führen würden. Signifikante Änderungen in der Welt der Arbeit seien keine Zukunftsmusik, sondern bereits jetzt möglich. "You can be the future tomorrow", meinte der Designer, und stieß damit bei Publikum und Kollegen auf Zustimmung.

Ebenfalls zukunftsorientiert denkt Giuseppe Boscherini, der sich eine noch stärkere Liberalisierung der Arbeitsformen wünscht. Ideal wäre nämlich, so der Architekt, ein absolut dezentralisierter Arbeitsraum, der sowohl den traditionellen Schreibtisch und das Home Office umfasst, aber auch das "Dazwischen", also die austauschbaren, hybriden "third places" (bei Starbucks, im Zug & Co.), an denen Arbeit möglich ist.

Tom Lloyd beobachtet in London und anderen Großstädten bereits einen Trend zu so genannten "Hubs" – Büroräumlichkeiten, die von unterschiedlichen Unternehmen geteilt werden, und Mitarbeitern die tagtägliche Anreise zum Headoffice ersparen.

Noch offen: die Frage, wie in solchen dezentralisierten Räumen das Gefühl von Zugehörigkeit zum Unternehmen entstehen kann, das für Viele elementarer Teil sowohl des beruflichen, als auch des sozialen Lebens ist.


Produktivität und Poesie


Dass effizientere Raumnutzung finanzielle Vorteile bringt, ist leicht nachzuvollziehen. Schwieriger wird es da schon, wenn man versucht, die erhöhte Produktivität, die sich bei zufriedenen Mitarbeitern eigentlich einstellen sollte, zu messen. Macht schönes, intelligentes Design auch wirklich effektiver?

Dazu Juriaan van Meel: Das Ausmaß der Produktivitätssteigerung sei zwar empirisch schwer zu beweisen, trotzdem schmälere dieser Faktor auf keinen Fall die Wichtigkeit des Konzepts. Die Zufriedenheit der Angestellten steige auf jeden Fall, sobald sich ihre Umgebung verbessere.

Zum Abschluss kam auch noch die Wiener Poetry Society zu Wort: Gibt es, so die Frage, im Büro der Zukunft auch so etwas wie Poesie? Die Antworten fielen unterschiedlich aus: während die einen meinten, dass Poesie wohl eher nicht im Büro gesucht werden sollte, war für die anderen die Arbeit an sich ein poetischer Schaffensprozess, der durch den Raum, in dem er passiert, inspiriert wird.


Angelika Molk











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