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11. Mai 2009

Clever & Smart

Kommunikation immer und überall verlangt nach besonderen Tools. Sie finden Handys mit reiner Telefonfunktion einfach 'boring' und Ihren Blackberry langsam überholt? Keine Angst, die Kommunikationstechnologie steht keine Nanosekunde still und ist bereit für den Sprung in die nächste "Meta-Ebene".

Ein bisschen angeberisch sah es schon aus, aber irgendwie war es auch cool. Gestern saß ich mit Markus im Kaffeehaus. Wir wollten gemeinsam einen Text überarbeiten und hielten das Café für einen inspirierenden Ort. Soweit so gut. Doch offensichtlich hatte mein Kollege seinen Laptop nicht dabei, auf dem wir arbeiten wollten. Dafür zog er sein Smartphone hervor. "Na toll, da brauchen wir ewig mit dem Tippen", stöhnte ich. Da lächelte er nur, stellte ein zweites kleines Gerät auf den Tisch und knipste es an – und da war sie, die auf den Kaffeehaustisch projizierte Lasertastatur.


Handy und mehr


Wir brauchen gar nicht darüber diskutieren - das Handy hat eine wahre Kommunikationsrevolution ausgelöst. In den 1980er und 90er Jahren in einzelnen europäischen Ländern erstmals mit flächendeckenden Netzen verfügbar, ist das Handy mit seinen Attributen "mobil & erreichbar immer & überall" zum Synonym eines Lebensstils geworden, bei dem sich Privates und Berufliches ungehemmt durchmischt – und digitale Kommunikation integrativer Bestandteil des persönlichen Lebenskonzeptes ist.

Aber natürlich: Telefonieren alleine ist mittlerweile zu wenig, und SMS, MMS, Foto, WAP sind Selbstverständlichkeiten. Heute sind Smartphones top. Sie koppeln die Funktionen von Handy und PDA (Personal Digital Assistant) und agieren als kleine Computer, die ihren Benutzern auch das Installieren von Programmen ermöglichen.


Mit Stoff, Silikon und Laser


Leider haben kleine Geräte auch Nachteile – zum Beispiel sind Eingabestifte und Mini-Tastaturen nicht jedermanns Sache. So mancher wird nach zwei Minuten Tippseln richtig mürbe. Kein Wunder also, dass sich findige Geister Alternativen überlegt haben, die jedoch (bislang) nicht wirklich den Markt erobert haben.

Zum ersten: die Tastatur zum Zusammenrollen – entweder aus Stoff oder Silikon. Letztere auch wasserdicht und mit LED-Beleuchtung. Mit Notebook, PDA oder Smartphone kommunizieren diese "Keyboards to go" per PS/2, USB oder Bluetooth.

Zum zweiten: der Mini-Beamer in Handygröße – projiziert per Laser eine Tastatur auf eine beliebige, Ebene und undurchsichtige Fläche. Fingerbewegungen werden mit einem Sensor gemessen. Bei strahlendem Sonnenschein könnten sich bei der Laser-Projektion jedoch Probleme ergeben. Ansonsten hat diese Eingabehilfe zweifellos einen gewissen Stylefaktor.


Schreibfaul, aber kein Telefon-Fan?


Wer nicht gerne schreibt, dennoch eigene Mails in die Welt verbreiten möchte, der legt sich am besten ein Voice-Mail-Sendegerät zu: Per USB an den PC stecken, auf "Rec" drücken, Text sprechen und mittels Tastendruck auf "Send" die mündliche Nachricht als Attachment an eine E-Mail anhängen. Möglicherweise fragt sich der Empfänger zwar, ob man sich nicht zwischen E-Mail und Telefon entscheiden konnte. Aber okay – wer lieber spricht, jedoch sicher gehen möchte, dass der "Angerufene" nicht direkt antwortet, dem wird auch dieses Gerät nicht zu teuer sein.


Ein Tisch ist nicht nur ein Tisch


Auf einen Tisch kann man für gewöhnlich einen Bildschirm stellen, eine Tastatur platzieren, eine Maus legen. Oder man vergisst das alles und verwendet eine andere Arbeitsfläche. 'Microsoft Surface' heißt der Computer mit Multi-Touch-Oberfläche, der ohne zusätzliche Eingabegeräte auskommt. Im Prinzip handelt es sich um eine Art Couch-Tisch, dessen Oberfläche aus einem Plexiglas-Display besteht, auf dem man wie bei einem "herkömmlichen" Touchscreen mit den Fingern sämtliche Eingaben macht. Unter der Oberfläche befinden sich fünf Kameras, die Infrarot-Reflexionen von menschlichen Fingerspitzen aufnehmen. Im Unterschied zu einem Standard-Touchscreen kann man jedoch beliebig viele Finger gleichzeitig für unterschiedliche Eingaben benutzen – bis zu 52 an der Zahl… Wenn man selbst nicht so viele hat, muss man eben noch ein paar Leute einladen, will man die technischen Grenzen ausloten.

Neben der Möglichkeit des gleichzeitigen Bearbeitens durch mehrere Personen und der sensiblen Oberfläche bietet 'Surface' auch die Synchronisation mit anderen Geräten, etwa mit Handys oder Digitalkameras. Sind diese drahtlos vernetzbar, genügt es, sie auf den Bildschirm zu legen. Und schon können Bilder mittels Drag & Drop aus dem Gerät "herausgezogen" und "hineingeschoben" werden.


Alles mitbekommen?


Art und Weise von Präsentationen haben sich gewandelt. Wer Overhead und Flipchart nicht schon verschrottet hat, sollte es seines Images zuliebe schleunigst tun. Powerpoint und Beamer sind gerade noch tolerabel. Wer sowohl inhaltlich, als auch methodisch seinen Mitbewerbern voraus sein möchte, präsentiert am besten mit einem digitalen Whiteboard. Auf diesem lassen sich Präsentationen nicht nur anzeigen, sondern können mit einem Spezialstift laufend ergänzt und verändert werden. Zahlen werden sogleich eingeringelt oder ausgebessert, Bemerkungen ergänzt. Klar – das konnten Sie auch auf der Overheadfolie. Mittels Whiteboard wird die live veränderte Präsentation allerdings ad hoc gespeichert, um sie anschließend allen Teilnehmer zu senden.


Persönliche weltumspannende Meetings ohne Flugreisen?


Leider: Beamen funktioniert noch nicht, aber es gibt andere Lösungen, in Zeiten des Klimawandels ohne Flugreisen global miteinander zu kommunizieren – und zwar so, dass man kaum den Unterschied zwischen einem realen und virtuellen Treffen merkt.

Seit 2007 ist die Rich-Media-Lösung ´Telepresence´ von Cisco auf dem Markt. Eine hochauflösende Videodarstellung der Gesprächspartner in Lebensgröße und ein natürlicher Raumklang sorgen für ein realistisches Begegnungserlebnis.

Mit ´Telepresence Experience´ taucht z.B. bei Großveranstaltungen ein Hologramm eines weit entfernten Gesprächspartners in Lebensgröße auf der Bühne auf, kann sich dort innerhalb von einer Fläche von zwei Metern frei bewegen und mit anderen Personen (gut synchronisiert) kommunizieren. Für eine 3D-Holografie wären allerdings Petabyte (10 hoch 15) an Daten notwendig. Ein einzelner holografischer Frame würde bereits beim Rendern Stunden brauchen, was unweigerlich zu Verzögerungen in der Übertragung führte. Dies würde eine Kommunikation in Echtzeit unmöglich machen. Wie also geht das? Der Trick: In Wirklichkeit handelt es sich bei ´Telepresence Experience´ um eine 2D-Projektion, die von unten in einen (bei guter Lichttechnik) nicht sichtbaren Glasquader geworfen wird. Durch den Quader wird die Tiefendimension erzeugt. Es handelt sich also um eine virtuelle Holografie. Die aufgenommene Person kann sich am weit entfernten Aufnahmeort innerhalb gewisser Grenzen frei bewegen. Mittels Telepresence-Bildschirmen sieht sie Gesprächpartner und Publikum am Auftrittsort. Ganz easy also!


Virtual and Augmented Reality


In diesem Zusammenhang dürfen wir natürlich auf Virtual Reality nicht vergessen. Einst in aller Munde, ist VR im allgemeinen Sprachgebrauch wieder in den Hintergrund getreten. Was nichts daran ändert, dass Brillen, Datenhelme u.Ä. tolle Möglichkeiten bieten, die über spielerische Anwendungen hinausgehen. Eine Reihe von interessanten Projekten wird am Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik in St. Augustin, Deutschland, verfolgt.

So zum Beispiel 'Arthur' – ein Planungssystem für Architekten und Städtebauer, das den langwierigen traditionellen Modellbau ersetzt. Mit 'Arthur' können virtuelle computergenerierte Gebäude dreidimensional auf den Planungstisch projiziert werden – und zwar mit Hilfe von semitransparenten Spezialbrillen. Die virtuellen Gebäude können mittels realer Platzhalterobjekte, einem Stift oder den Fingern bearbeitet werden und sind so auch kurzfristig anpassungsfähiger als traditionelle Modelle. So kann man bei Design-Meetings Änderungen gleich vornehmen und besprechen, anstatt die Ansicht erst beim nächsten Treffen vor sich zu haben. Zeitaufwand wird reduziert und die Kommunikation erleichtert.
Auch andere Anwendungen von Augmented Reality (erweiterter Realität) mittels Datenbrille wurden bereits entwickelt oder sind in progress. Erweiterte Realität bedeutet hier, dass die reale Umgebung sichtbar bleibt, jedoch zusätzliche Inhalte eingeblendet werden. Text, Grafiken oder 3D-Modelle können herbeigeholt werden, oder man lädt sich gleich einen Experten aus irgendeiner Ecke dieser Welt ein.

Klar, dass Augmented Reality Systeme perfekt auch in Science Center und Museen passen – Demonstrationen und Wissensvermittlung mittels High-Tech sozusagen.

Aber genügt das Sehen und Hören? Lassen Sie uns noch ein wenig fantasieren! David Howard, Professor am Department of Electronics der University of York, hat weitere Pläne für Virtual Reality. Das Projekt "Towards Real Virtuality", das er gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern verfolgt, hat zum Ziel, alle fünf Sinne gleichzeitig mit hohem Realitätsgrad zu stimulieren. Die Anforderungen sind komplex und manchmal überraschend. Beim Geruch beispielsweise liegt die Herausforderung nicht im Erzeugen desselben, sondern darin, ihn bei Bedarf wieder loszuwerden, bevor ein anderer vermittelt wird.

Seien wir also neugierig, wie sich dieser "Virtual Cocoon", der das umfassende VR-Erlebnis ermöglichen soll, realisieren lässt. Ein Zeitrahmen von zehn Jahren scheint den Experten umsetzbar. Wir halten Sie gerne auf dem Laufenden...


Ronnie Sambor & Brigitte Schedl-Richter







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