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Edek Bartz: Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka-Platz 2
9. Dez. 2010

Edek Bartz: Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka-Platz 2

Büro am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal: Edek Bartz, österreichischer Kulturschaffender mit polnischen Wurzeln, Kurator und Kunstkenner, von 2005 bis 2009 künstlerischer Leiter der internationalen Kunstmesse Vienna Fair, Lehrbeauftragter an der Universität für angewandte Kunst Wien sowie vielseitiger Musik-Aficionado und Mitherausgeber des kürzlich erschienen Buchs „Secret Passion - Künstler und ihre Musikleidenschaft “. Brigitte Schedl-Richter traf Edek Bartz in seinem Wiener Stammcafé zum Gespräch.

Herr Bartz, eines Ihrer Markenzeichen ist, dass Sie immer an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten. Machen Sie das von einem "zentralen" Büro aus?

Nein, überhaupt nicht! Ich habe für jede Tätigkeit einen eigenen Platz, sonst kann ich mich nicht disziplinieren und schon gar nicht auf eine Aufgabe konzentrieren. Für mich gehen Themenwechsel und Ortswechsel Hand in Hand und sind ganz wichtig, damit die Beschäftigung mit einem Projekt auch funktioniert.
Natürlich habe ich zu Hause einen Raum, der eine Art Büro ist und wo ich mein Chaos verwalte. Aber im Wesentlichen befinden sich da nur mein Computer und mein "Ablagesystem" in Form einer großen Kiste, wo ich alle Materialien, Notizen, Zeitschriften und was man sonst so an interessanten Inputs sammelt oder in die Hand gedrückt bekommt, archiviere. Dieses System mag nicht das modernste sein, aber es funktioniert. Und wenn ich etwas suche, weiß ich, wo es zu finden ist.

Das heißt, Sie haben mehrere Büros?


Ich meine damit, es ist effizienter, am Ort des Geschehens zu sein. Zwar ist es gerade im Kunst- und Kulturbereich, wo man oft projektgebunden tätig ist, durchaus üblich von zu Hause aus zu arbeiten oder sich irgendwo ein Atelier zu nehmen und los geht’s. Aber das kommt meiner Arbeitsweise nicht entgegen. Ich muss in der Nähe der Menschen sein, mit denen ich bei einem Projekt zu tun habe. Ich will wissen, wie und warum die Dinge so ablaufen, wie sie ablaufen. Wie die Denkmuster und Entscheidungswege sind. Ich will die Atmosphäre mitbekommen und ich will ein Gespräche unmittelbar und sofort suchen können, wenn es notwendig ist und nicht erst über Telefon oder Mail den richtigen Ansprechpartner finden müssen.

…z. B. während Ihrer Tätigkeit als künstlerischer Direktor der Vienna Fair?


Natürlich. Das war auch der Grund, warum ich bei der Messe ganz bewusst ein Büro vor Ort wollte – um die Chance zu haben, den Alltagsbetrieb kennen zu lernen.
Im Kunstbusiness von heute ist nichts gefährlicher, als die Bodenhaftung zu verlieren. Das ist wirklich ein intensiver und komplexer Job, in dem viele wirtschaftliche, politische und soziale Faktoren eine Rolle spielen. Da kann man sich nicht in ein hübsches Atelier zurückziehen und hoffen, es wird schon alles so klappen, wie man sich das vorstellt. Ich habe deshalb immer die "Struktur" gesucht, nicht den Rückzug.
Aber das war auch schon so, als ich beispielsweise gemeinsam mit Wolfgang Kos in den 1980er Jahren das Avantgarde-Musikfestival "Töne – Gegentöne" gestartet habe. Oder auf der Angewandten – hier habe ich ein funktionales Büro gemeinsam mit anderen Lehrbeauftragten. Das reicht.

Nun sind aber gerade im Kulturbereich die "Orte des Geschehens" doch über die ganze Welt verstreut. Abgesehen davon, dass alles gleichzeitig abläuft…


Deshalb sind auch die Kommunikation und das Kontakte Knüpfen so wichtig. Wenn man ein Projekt wie eine Kunstmesse leitet, muss man unheimlich aufgeschlossen für alles Neue und ständig unterwegs sein, muss zuhören, Anregungen nachgehen. Das persönliche Netzwerk ist dabei enorm wichtig, auch wenn man beachten muss, dass sich freundschaftlich gewachsene Beziehungen nicht automatisch in geschäftliche Beziehungen umwandeln lassen. Außenstehende Personen wollen das nicht immer einsehen. Doch das muss man akzeptieren. Trotzdem: Eben jetzt haben mich auf dem kurzen Weg von meiner Wohnung hierher ins Café Prückel zu unserem Gespräch fünf oder sechs Leute angesprochen. Und mit allen tauscht man sich aus und erfährt Interessantes. Auch das meine ich mit "Ort des Geschehens".

Welches Arbeitsumfeld wirkt auf Sie inspirierend?


Dazu gibt es zweierlei zu sagen. Zum einen: Wenn ich an einem Projekt organisatorisch arbeite, kann ich gleichzeitig nicht kreativ tätig sein. Für mich schließt sich beides wechselseitig aus. Ich habe in der Regel weder die Zeit noch den mentalen Zustand, wenn ich in einer wirtschaftlichen oder administrativen Aufgaben stecke, für ein paar Stunden zwischendurch ein Musik-Projekt weiterzutreiben.
Zum anderen habe ich immer mit jungen Menschen zusammengearbeitet, und das war und ist wirklich inspirierend. Das war so, als ich in den 70ern und 80ern vor allem in der Musikszene unterwegs war. Das ist so auf der Angewandten, wo ich seit rund 15 Jahren unterrichte und das ist auch so, wenn ich heute mit Galerien oder mit jungen Künstlern zu tun habe.

Wenn Sie für sich ein Büro einrichten müssten, wie würde das aussehen?


Das wäre eine Herausforderung (lacht). Denn ich würde nichts dem Zufall überlassen. Kein einziges Detail. Ich bin da ziemlich versessen. Deshalb kann ich auch nicht verstehen, wenn sich Manager ihre Büros manchmal von irgendjemand einrichten lassen. Und ich bin echt entsetzt, wie hässlich manchmal die Räumlichkeiten öffentlicher Repräsentanten sind. Andererseits bin ich überzeugt, dass all jene Personen, die ich schätze, sicher auch ihre Arbeitsräume mit einem speziellen Stil und einer besonderen Qualität einrichten. Denn ich glaube schon, dass uns unsere Umgebung prägt. Deshalb ist es wichtig, auf sein Umfeld Einfluss zu nehmen.

Ich gebe allerdings zu, dass ich sehr "wahrnehmungsgetrieben" bin. Meine Frau bringe ich damit regelmäßig zur Weißglut. Mit mir einkaufen zu gehen, ist eine Qual, denn ich kann nicht einfach irgendeinen Zuckerstreuer kaufen. Es muss "der" Zuckerstreuer sein. Und obwohl ich im Haushalt leider völlig auslasse, besorge ich gerne – nach intensiver Selektion, versteht sich – die Dinge, die dazu notwendig sind. Das Besondere und Eigenständige ist mir einfach wichtig. Gleich ob es sich um ein Kunstwerk, ein Büro, eine CD oder ein neues Hemd handelt… Außerdem: Ich finde es schön, dass Design und Stil und visuelle Qualität doch schon recht intensiv Eingang in unsere Alltagskultur gefunden haben.

Herr Bartz, vielen Dank für das Gespräch!


P.S. Zum Runterladen gibt es die persönliche Office.Playlist von Edek Bartz.







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