Escape Places
Soziale Interaktion ist unabdinglich, aber manchmal auch sehr anstrengend. Was wir brauchen, sind Momente des Rückzugs. Privat ein legitimes Bedürfnis, beruflich aber nicht ganz leicht durchzusetzen.Das Telefon klingelt, das Handy auch, im E-Mails-Account auf Facebook und Twitter gäb´s noch einiges zu beantworten. Ein Kollege steht spontan vor dem Schreibtisch, die Anderen warten schon im Meeting. Gelassenheit ist gefragt bei der Priorisierung der Kommunikation.
Im Kommunikationsrausch
Seit wir allzeit und überall erreichbar sind, hat sich Vieles für uns erleichtert. Wir können heute Kontakt mit so vielen Menschen gleichzeitig halten wie noch nie zuvor. Können viel Wissen in kürzester Zeit aus dem Netz saugen. Ganz unabhängig davon, ob wir es verdauen können oder nicht. Permanente Erreichbarkeit im Beruf, aber auch privat, ist schon längst selbstverständlich. Inseln des Rückzugs gibt es aber kaum mehr, es sei denn man richtet sie bewusst ein.
Der große Kater
Der Mensch ist zwar ein soziales Wesen, braucht aber auch Schutz, Geborgenheit und Ruhe – da hat sich in den letzten paar tausend Jahren nichts geändert. Auch die Aufnahmefähigkeit der Menschen hat sich längst nicht im selben Maße wie die Technologien entwickelt. Der Versuch, mit den gegebenen Möglichkeiten Schritt zu halten, führt nicht selten zum Burn-out. Das Handy mal auf lautlos zu stellen, wirklich keine Mails zu lesen oder Kollegen in spontaner Gesprächslaune auf einen zeitlich angemessenen Termin zu vertrösten, das schafft man einfach nicht immer, auch wenn man sich zerreißt.
Reif für die Insel
Abtauchen, Ruhe genießen, unerreichbar sein: Wir brauchen physische Orte, an denen wir wieder auftanken können. Privat ist das sowieso klar, und alle Reisebüros arbeiten mit diesem Grundbedürfnis. Aber auch im Büro können Orte des Rückzugs neue Energie geben. Es muss keine abgelegene Insel ohne Handynetz sein. Bewusst geschaffene und legitimierte Orte der Ruhe und Rekreation im Büro können uns helfen, kreativer und effizienter durch den hektischen Büroalltag zu kommen. Die Sehnsucht nach solchen Orten zeichnet sich in den vielen Konzepten und Produkten im Bereich Powernapping, Think Tanks oder Rekreationszonen ab. Allerdings haben die sich noch nicht wirklich ihren Weg in den Büroalltag gebahnt. Wir finden, hier gibt´s Potenzial und sprechen ein Plädoyer für Rückzugsorte aus.
Rekreationszonen
Ein ausgewogenes Wechselspiel von Spannung und Entspannung gilt als Erfolgsformel und Schlüssel für persönlichen Leistungserhalt und Effizienz. Kurzfristiges, bewusstes Pausieren als selbstgewählte Tätigkeit zur Reflexion des letzten Meetings oder zur mentalen Vorbereitung auf die nächste Präsentation stärken Kreativität und Innovationskraft. Dazu bedarf es eines Ortes, der gleichermaßen anregt wie beruhigt.
Denkerzellen
Ein akustisch abgeschirmter Raum in unmittelbarer Nähe der Arbeitsplätze als Rückzugsort, um fokussiert konzentrierten Tätigkeiten nachzugehen. In offenen Bürolandschaften stehen Think Tanks Mitarbeitern zur Verfügung – für hochkonzentriertes Arbeiten wie wichtige Telefonate, Verträge, Konzepte, Offerte erstellen, studieren etc. Oder für vertrauliche Gespräche, kurzfristig. Durch ihre räumliche Widmung signalisieren Think Tanks, dass man jetzt nicht gestört werden will.
Bibliothek
Ein ruhiger, akustisch abgeschirmter, öffentlicher Ort für Wissensarbeiter. Hier findet man Bücher, Zeitschriften oder wichtige Beiträge, die man für vertiefende Recherchen benötigt. Gleichzeitig kann man online nach zusätzlichen Informationen stöbern. Aber auch ein Rückzugsort, in dem man konzentriert studieren oder lesen kann.
Zonen der Kommunikation sind gefragt wie nie – und das ist auch gut so. Rückzugs- und Konzentrationszonen hingegen kommen – noch – ein wenig zu kurz. Eine Bereicherung für Mitarbeiter und Unternehmen funktioniert aber nur im perfekten Zusammenspiel von intelligenter Büroraumplanung und in Kombination mit entsprechenden Produkten. Beispielsweise etabliert Bene mit PARCS ein vielgestaltiges Möbelensemble, das die Ausstattung von alternativen Kommunikations- wie auch Rekreationszonen im Büro ermöglicht.
Erforderlich ist jedenfalls eine Unternehmenskultur, die die Mitarbeiter einlädt, die gesamte Infrastruktur des Büros tatsächlich aktiv zu nutzen.
Rudi Binder





