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31. März 2004

Interview: Frau macht Karriere

Ein Gespräch mit Dr. Veronika Pelikan, Chefredakteurin und Herausgeberin der “Wienerin”, zum Thema “Frauenpower”.

Das Thema ist nicht neu und trotzdem aktuell. Außerdem tut es der Sache gut, von Zeit zu Zeit nachzufragen, besser noch - einzufordern, was sich in den letzten Jahren getan hat. Immerhin könnte man beinahe den Eindruck gewinnen, die Geschlechter haben sich hinsichtlich Ausbildung und Berufschancen ausgeglichen.

Bene Magazin:
Frau Pelikan, Sie bekleiden selbst eine Führungsposition auf höchster Ebene und haben zahlreiche Kontakte zur Wirtschaft. Haben Frauen hierzulande etwas zu sagen?

Pelikan:
Nun, wenn man ehrlich ist, findet man Frauen bei uns kaum im Top–Management.
Auf der 2. Führungsebene ist das schon ganz anders. Da ist der Anteil der Frauen besser.
Das hat verschiedene Gründe, aber für mich sind vor allem zwei Aspekte immer wieder auffallend:
Zum einen – Frauen haben keine Netzwerke. Männer handhaben ihre Beziehungen und Kontakte ganz anders. Sie nützen sie regelmäßig, machen sie zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Informations- und Entscheidungs-prozesse. Frauen haben sich diese Fähigkeit noch nicht angeeignet. Sind eher Einzelkämpfer oder in männlichen Beziehungsgeflechten einfach nicht integriert.
Den 2. Aspekt stellen für mich vor allem soziale Faktoren dar. Frauen, die sich für Familie und Karriere entscheiden, haben oft ein großes Problem mit der Kinderbetreuung bzw. müssen enorme finanzielle Belastungen in Kauf nehmen. Die Politik hat hier einfach noch keine Voraussetzungen geschaffen. In anderen europäischen Ländern, wie etwa Frankreich oder Skandinavien, ist das bereits besser gelöst.

Bene Magazin:
Was halten Sie von den "besonderen" weiblichen Fähigkeiten, die sie angeblich zu den besseren Führungskräften machen?

Pelikan:
Die berühmten Soft Skills haben sicher einiges für sich. Es gibt tatsächliche Fähigkeiten im Bereich der Kommunikation, der Teamarbeit, der Personalführung, die von Frauen oft besser bewältigt werden. Aber auf eines muss man schon achten – nämlich dass diese "weiblichen" Fähigkeiten nicht auf Kosten der Durchsetzungsfähigkeit gehen. In der Wirtschaft zählen letztlich Hardfacts und Zahlen.
Ich habe in meiner Position selbst oft genug erlebt, dass Männer – wenn es um die Durchsetzung von Zielen geht – weitaus zielstrebiger sind. Frauen dagegen vermeiden lieber Konflikte, als sie auszutragen, und sind viel eher zum Rückzug – auch auf Kosten ihrer Karriere – bereit. Das hat schlicht und einfach mit Selbstbewusstsein zu tun.

Bene Magazin:
Was würden Sie daher Frauen raten, die Karriere machen wollen?

Pelikan:
Fachwissen und die entsprechende Qualifikation – das steht einmal außer Zweifel.
Dann: sich Ziele setzen. Das müssen nicht immer die unglaublich großen Herausforderungen sein. Lieber einen Schritt nach dem anderen setzen, den aber unbeirrbar und konsequent. Das erscheint mir effizient. Gleichzeitig finde ich es immer positiv, wenn man sich Vorbilder oder Mentoren sucht. Das hilft bei der Lösung von Problemen, beim Austausch von Erfahrungen, das bereichert die eigene Entwicklung. Wichtig dabei ist nur, dass es Vorbilder sind, die zur eigenen Persönlichkeit passen. Wer eine Karriere anstrebt, sollte authentisch bleiben!
Und natürlich - wie schon zuvor betont - der Aufbau von Netzwerken. Wobei mir persönlich Netzwerke, in denen Männer und Frauen vertreten sind, weit besser gefallen als die "eingeschlechtliche" Variante.

Bene Magazin:
Die "Wienerin" ist Österreichs etabliertestes Frauenmagazin. Welches Frauenbild ist für Sie verpflichtend?

Pelikan:
Wir sehen unsere Leserinnen als Frauen, die für vieles offen sind, die ihren individuellen Lebensplan entwickeln, die Karriere und/oder Familie haben. Uns geht es um ein realistisches Frauenbild.
Und gerade dazu fällt mir eines ein, was uns wirklich ein Anliegen ist: Frauen sollten sich nicht alles umhängen lassen. Nicht die alleinige Verantwortung für Kinder, die Organisation des Haushalts, die Bilderbuchkarriere, den Top-Job und alles mit perfektem Make-up. Frauen sollten mehr als bisher delegieren, sich auf ihre Ziele konzentrieren und diese mit der notwendigen Durchsetzungskraft auch verfolgen. Es geht nicht darum, perfekt zu sein und alles zu schaffen. Es geht darum, das persönlich Wichtige zu schaffen.
In allem perfekt sein zu wollen, kann krank machen. Die Vorstellung von der superdünnen Idealfigur zum Beispiel beeinträchtigt das Leben vieler Frauen. Stichwort: Magersucht oder Bulimie. In der Wienerin bilden wir daher keine Models ab, die so schlank sind, dass sie vermutlich unter einer Essstörung leiden. Denn die können einfach keine Vorbilder für authentische Frauen sein.

Frau Dr. Pelikan, vielen Dank für das Gespräch!



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