Gregor Eichinger: 'Deshalb sind wir im Büro.'
Die Architekten und Designer 'Eichinger oder Knechtl' haben bei ihrer Suche nach neuen ästhetischen Erfahrungen das Terrain der Architektur ausgeweitet. So auch im Bereich Büro.Der Architekturkritiker Walter Zschokke charakterisiert das Gestalterduo Gregor Eichinger und (oder!) Christian Knechtl - Kurzformel EoK - mit folgendem Zitat: "Die Architekten und Designer 'Eichinger oder Knechtl' haben bei ihrer Suche nach neuen ästhetischen Erfahrungen das Gebiet der Architektur immer wieder ausgeweitet oder sogar verlassen und aus der Kunst, dem Design, der Biochemie, der Wissenschaftsgeschichte, den Gesellschaftswissenschaften und der Musik immer wieder wesentliche Inhalte in ihre Arbeiten integriert. Sie erweisen sich damit als Kulturarbeiter im weitesten Sinn. Unbeirrt von Modeströmungen haben sie immer wieder nach selbstverständlichen, einfachen und vorausschauend vernünftigen, in einem zeitgenössischen Sinn, kontextuellen Lösungen geforscht und diese gefunden und ausgeführt....."
Seit 1976 arbeitet das Designerduo gemeinsam. Bekannt geworden sind sie durch die Gestaltung von Cafés, Restaurants und Bars wie etwa das Café Stein, Wrenkh, First Floor, Ron con Soda oder das Palmenhaus im Burggarten in Wien und durch Austellungsdesign wie z.B. "Design Now. Austria"-, eine mobile Schau, die durch Europa tourte.
OFFENHEIT
Aufsehen in der Bürowelt erregte 1993 die Gestaltung des Büros der Werbeagentur Haslinger, Keck in Wien - sie zählt heute zu den Meilensteinen neuartiger Büro-Konzeptionen. Im Mittelpunkt stand ein Gedanke: Weg vom hierachischen Denken, hin zu einer Offenheit der Räume, die man bei Bedarf jedoch auch wieder schließen kann. "Intelligente Wände", die nicht nur räumliche Flexibilität ermöglichen, sondern weitaus mehr können sollten: Sogar eine Dusche, Liegebetten oder abgestellte Fahrräder aufnehmen. Die radikale Idee von der Wand als Schrank wurde jedoch nur teilweise realisiert, der technische Bedarf für Multimedia-Präsentationen ist jedoch tatsächlich in der Wand verstaut. Besonderes Augenmerk legten EoK auf die verwendeten Materialien. Weil eine sehr helle Atmosphäre erreicht werden sollte, wählten EoK unbehandelte Holzoberflächen. "Das reflektierte Licht wirkt durch eine besondere Streuung sehr warm", erklärt Gregor Eichinger.
VIRTUALITÄT & ECHTZEIT-3D-GESPRÄCHE
Angesprochen auf die großen Veränderungen in der Bürowelt heute, konstatiert der Architekt ein paradoxes Phänomen: "Durch Internet und e-mail kann sich unser Blick mehr denn je nach außen richten, obwohl wir im Büro sitzen. Der Bildschirm erweist sich als Fenster zur Welt. Durch den Boom der Telekommunikation mit Handies und Video-Konferenzen wird jedoch zugleich das persönliche Echtzeit-3D-Gespräch extrem wichtig. Deshalb gewinnen informelle Zonen im Büro an Bedeutung. Der Raum zwischen den Arbeitsplätzen sichert das wahre Erleben, da werden Entscheidungen getroffen. Damit ist Bürogestaltung kreativer geworden. Auch wir als Architekten konzentrieren uns auf die Bereiche der Begegnung, denn für Arbeitsplätze gibt es sowieso gute Lösungen am Markt."
INDIVIDUALITÄT
Als ungemein wichtig erachtet Eichinger die Tendenz, den eigenen Arbeitsplatz sehr persönlich zu gestalten. Darin sieht er eine Unterstützung der individuellen Persönlichkeit. Denn heute seien Masken, wie man sie früher aufsetzte, um Status-Ansprüchen zu genügen, fragwürdig geworden.
"Dieses authentisch gelebte 'Ich bin ich' läßt mich entspannter sein im Gespräch mit anderen", und weiter: "Im Büro geht es heute um ein gleichwertiges Geflecht von möglichen Situationen und Räumen." Um die Atmosphäre nicht-hierarchischer Situationen zu beschreiben, holt Eichinger einen Vergleich aus der Physik herbei: "Eigentlich geht es um unterschiedliche Aggregatzustände von Dichte oder Nicht-Dichte. Wenn Kommunikation im Büro jetzt endlich auf einer Ebene stattfindet, birgt das für die Leute die Chance, ihre Positionen untereinander genauer zu beobachten und leichter ihren Platz zu finden. Dies trägt wesentlich zur Verbesserung der Arbeitssituation und der Einsatzfreudigkeit bei. Es ermöglicht einen klaren Blick auf das gemeinsame Ziel, auf die Aufgabenstellung. Und deshalb sind wir ja im Büro:"
Das Gespräch führte Désirée Schellerer.





