Bene Büromöbel
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Stephan Blahut - Generalsekretär des Österreichischen Gewerbeverein, Nicole Arnitz, Hannes Offenbacher - Mehrblick
11. Juli 2012

Hannes Offenbacher, Eschenbachgasse 11, Wien

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Hannes Offenbacher, selber in einer klassischen Büroumgebung sozialisiert, betreut seit kurzem einen Coworking-Space namens Treibhaus im honorigen Palais Eschenbach – und er lebt vor, was er anbietet. Rudi Binder wollte von ihm wissen, wie es ihm damit geht.

Schon lustig: Während wir gemütlich in der Küche des Treibhaus sitzen, stehen wir auf den Schultern von Riesen. Für das 280 m² große Coworking-Projekt von Hannes Offenbacher, Nicole Arnitz (Mehrblick) und Stefan Blahut (Österreichischer Gewerbeverein) könnte es kaum ein passenderes Bild – und wohl auch keine passendere Location – geben. Im historistischen Palais Eschenbach zeugen Repräsentationsräume voll Stuck und Prunk von den großen Träumen der Vergangenheit. Hier im zweiten Stock zeugen die Spotify-Sounduntermalung und ein selbstgezimmertes Sofa aus Transportpaletten von den Träumen für die Zukunft. Alles, was man gemeinhin unter dem Begriff "Nachhaltigkeit" subsumiert, ist Thema im Treibhaus: Ressourcen-Schonung, alternative Energien, E-Mobility, Recycling, Umwelttechnologie...
Für Offenbacher und Arnitz nichts Neues. Frei nach dem Motto ´Sei nicht einfach gut – sei gut für etwas´, entwickelt und realisiert ihre Firma Mehrblick seit 2007 – in ihren eigenen Worten – "außergewöhnliche Events und rebellische Projekte zur Förderung von Unternehmertum und Innovation für eine nachhaltige Zukunft". Da scheint es folgerichtig, solchen Unternehmen nun auch einen Coworking-Space anzubieten. "Ein Non-Profit-Projekt für Mehrblick", sagt Offenbacher, "wir verdienen nichts daran. Aber ich bin nicht der klassische Bürotyp. Deshalb hab´ ich mich darauf eingelassen." Im Treibhaus sollen die Ideensamen zum Austreiben gebracht werden. Die Mär von Hans und der Bohnenranke fällt einem da ein: Sind die Samen nur ´außergewöhnlich und rebellisch´ genug, wird es plötzlich ganz leicht, auf den Schultern von Riesen zu stehen...


Sie sind vom Mehrblick-Büro, das ein recht klassisches war, ins Treibhaus übersiedelt. Warum?
Weil wir hier die Rolle als Kurator übernommen haben, dafür muss man vor Ort sein. Das ist immer der Irrglaube bei Coworking, dass so etwas von alleine läuft. Diesem Irrglauben sitzen auch viele Immobilienfirmen. Wenn du nicht jemanden dort hast, der direkt in der Community drin ist, funktioniert das nie. Dann ist es auch nicht Coworking.

Kommen Sie als "Gastgeber" überhaupt zum Arbeiten?
Ja. Wir stehen erst am Anfang, und es sind noch nicht so viele Leute hier drinnen. Grundsätzlich sind die Firmen, die jetzt dabei sind, sehr konzentriert beim Arbeiten, weil wir ja auch mehr auf Unternehmensgründer fokussieren, die ein straffes Programm vorhaben, nicht auf EPUs oder Freelancer. Wir arbeiten mit Unternehmen, die gewisse Wachstumsziele vorhaben, das heißt auch, dass sie eigentlich nach spätestens zwei Jahren rausmüssen, weil sie ein eigenes Büro brauchen...

Das Treibhaus bietet als Arbeitsplatz natürlich viel Variantenreichtum. Arbeiten Sie lieber immer am selben Platz oder wechseln Sie gern?
Ich bin eher der Wechsler. Ich sitz´ mal am Besprechungstisch, dann am Couchsessel in der Lobby, ich nehm´ einfach den Laptop mit. In der Früh bin ich auch oft noch eine Stunde bei Starbucks, bevor ich herkomme. Oder im Museumsquartier. Gerade im Frühling und Herbst arbeite ich gerne draußen.

Das Büro als Ort: Welche Bedeutung messen Sie ihm bei?
Ich glaube, dass der physische Ort schon wichtig ist, weil man dadurch einen Ankerpunkt hat. Aber in einem klassischen Büro herrscht oft so eine Isoliertheit. Man sitzt halt in einem Raum - and that’s it. Da ist es schon sehr viel netter, wenn man andere Mieter hat, mit denen man zwischendurch immer wieder eine halbe Stunde diskutieren kann. Der Raum bietet uns hier viel. Wir machen auch oft am Abend kleine Veranstaltungen, laden Leute zum Essen ein etc. Es ist schön, wenn man einfach sagen kann: Jetzt haben wir grad´ Lust, wollen wir nicht diese Woche ein paar Leute einladen und über Elektro-Mobilität reden? Einen Wein einkaufen und zusammensetzen? Kurz: Das Büro wird mehr zum Begegnungsort.

Das Gemeinsame steht im Mittelpunkt, denn arbeiten könnten Sie überall?
Ich schon. Aber man muss Unterschiede machen. Die Nicole [Arnitz, Anm.], die im operativen Management tätig ist und Unterlagen oft in Papierform braucht, ist mehr an den Ort gebunden. Ich selber kann, nachdem ich primär schreibe und kommuniziere, überall arbeiten. Aber die Balance ist wichtig. Wenn man nur draußen arbeitet, merkt man, das ist auch nicht das Wahre...

Wie würde Ihr idealer Arbeitsplatz aussehen?
Der beste Arbeitsplatz ist für mich das Zugabteil. Genauer: Die Südbahn. Die Westbahn geht auch, aber die Südbahn ist am besten. Ich bin immer schon sehr viel Zug gefahren. Weil man dort auch heute noch meistens den Vorteil hat, kein Internet zu haben, da ist man "reduziert" und arbeitet ganz anders.

Aber Internet abschalten könnte man im Büro auch...
Schon. Aber der Zeitgeist meint ja: "Wenn ich den Computer nicht eingeschaltet hab´, dann arbeite ich nicht." Das sehe ich auch hier im Treibhaus. Oft sitzen wir zusammen am Küchentisch und reden zwei, drei Stunden intensiv über die Arbeit - und es geht irrsinnig viel weiter! Und dann merkt man, dass man schon lange nicht mehr am Schreibtisch war und sagt: "Jetzt sollten wir aber doch wieder was arbeiten!" - Das ist schon bissl komisch, wenn man darüber nachdenkt: Bin ich denn ein Sachbearbeiter, der wirklich den ganzen Tag nur am Computer arbeiten kann? Ist das meine Kernaufgabe?

Nein, aber die "Rache" des Nicht-am-Computerseins manifestiert sich dann in der überquellenden Inbox...
Nicht unbedingt. Ich habe in den letzten Tagen sehr wenig am Computer gemacht und lustiger Weise werden die E-mails dann automatisch weniger. Mehr Kommunikation produziert mehr Kommunikation. Wenn man weniger antwortet und langsamer, reduziert sich’s.

Arbeiten Sie lieber allein oder mit anderen?
Ich liebe Umgebungsenergie. Ein Einzelbüro wäre der Tod für mich! Zuhause hab ich zwar auch einen erhöhten Schreibtisch am Fenster, da kann ich ganz gut schreiben und mich konzentrieren, aber nur ganz zeitig in der Früh oder ganz spät, wenn alles andere schläft. Dann schaffe ich es, dass auch ich ruhig werde. Aber untertags könnte ich nie allein in einem Kammerl eingesperrt arbeiten.

Sie haben das Treibhaus selber eingerichtet. Meinen Sie, dass die Art, wie es jetzt gestaltet ist, viel über Sie aussagt?
Das sagt etwas über die Budgetgrenzen aus lacht. Aber ja: Es ist eher klar strukturiert und aufgeräumt. Das passt gut.

Wie würde Ihr Traumbüro aussehen, ganz ohne Budgetgrenzen?
Das wären vermutlich zwei Büros und ich würde pendeln, weil ich glaube, dass es die eierlegende Wollmilchsau im Rahmen einer einzigen Location nicht gibt. Man braucht die Mischung zwischen Ruhe und Betriebsamkeit, Stichwort: Almhütte und Innenstadt. Wenn man viele Termine macht, ist die Innenstadtlage mitsamt ihrer Energie gut. Wenn man kreativ arbeiten will und ein bissl was behirnen mag, dann ist eine Almhütte perfekt. Die Mischung macht’s, die Möglichkeit zu wechseln!

Ich glaube auch, dass diese Sehnsucht nach Frischluft und Grün noch ein großes Thema werden wird in der Arbeitswelt. Es reicht eben nicht, wenn man ein paar bunte Sesseln ins Büro stellt, damit sich die Mitarbeiter wohlfühlen, wie jetzt z.B. bei Microsoft. Da wär’s doch besser, Microsoft mietet ein Gartenhaus am Stadtrand und sagt: Wenn die Mitarbeiter mal Luft brauchen, sollen sie einen Tag da hinausfahren und draußen arbeiten...

Gibt es ein Ritual, das bei der Arbeit für Sie wichtig ist?
In der Früh einen großen Kaffee holen! Und bei der Kreativarbeit ist mir wichtig, dass ich den Computer weglasse und nur auf Papier zeichne. Das Entschleunigen mit Papier wird immer wichtiger für mich.

Ihr wichtigstes Tool bei der Arbeit?
Trotzdem der Computer, weil er Zugang zu Wissen und Vernetzungen bietet.

Der wichtigste Gegenstand?
Hier im Treibhaus merke ich, dass z.B. so etwas wie ein bequemer Couchsessel wieder an Bedeutung gewinnt. Wenn man darauf mit Gästen sitzt, ist das Gespräch ein ganz anderes, weil da kein Schreibtisch oder Besprechungstisch dazwischen ist. Ich sitze so gut wie nie im Besprechungsraum – außer es ist vertraulich und man muss mitschreiben. Aber ich merke auch, dass sich die Kunden wohler fühlen, wenn wir in dieser Wohnzimmeratmosphäre reden.

Welcher ist der persönlichste Gegenstand in Ihrem Büro?
Die kleine Pflanze auf meinem Schreibtisch. Die wächst zwar nicht wirklich, die bleibt hartnäckig und irgendwie gutmütig immer auf derselben Größe, aber ich hab sie seit der Firmengründung und sie hat mich schon durch vier Büros begleitet.


Danke für das Gespräch!








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