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IMM  Cologne 2010
9. Feb. 2010

IMM Cologne 2010. Ein überraschendes Comeback - der Krise zum Trotz.

Während der letzten Jahre hat man sich daran gewöhnt, dass wirkliche Neuheiten erst im April in Mailand präsentiert werden. Köln hingegen hat sich eher als Design-Verwalter mit deutscher Gründlichkeit etabliert. Diese Internationale MöbelMesse brachte aber nicht nur gute Stimmung bei Besuchern und Ausstellern, sondern auch neue Ansätze und Impulse.

Trotz oder vielleicht wegen der Diskussion um gesellschaftlich relevante Werte und um Wirtschaftssysteme interessieren sich Menschen intensiv für Design. Diesen Eindruck konnte man jedenfalls auf der IMM gewinnen. Design als Medium, seiner Haltung Ausdruck zu verleihen, scheint Vielen wichtiger denn je: Es wurde genauer hingeschaut, stärker selektiert und vor allem auf Werthaltigkeit überprüft.

Wahrscheinlich war das In-Frage-Stellen der etablierten Werte und eingeschlagenen Wege ja der Auslöser für eine gewisse Experimentierfreudigkeit auf der Suche nach intelligenten Lösungen, nach den Formen und Grenzen des Designs und vor allem nach nachhaltigen Einsatzmöglichkeiten für neue oder eben auch alte Materialien.
Abgesehen davon, dass Öko-Aspekte stark im Vordergrund standen – diese Entwicklung ist ja nicht mehr neu, sondern eine akzeptierte Notwendigkeit –, zeigte sich Köln weniger dekoriert, weniger verschnörkelt und betonte die Rückbesinnung auf Einfachheit und Tradition.

Welche Interior Design Trends waren auf der Möbelmesse zu erkennen?

Die Kreativen im Trendboard, dem Expertengremium der imm cologne, haben versucht, die gegenwärtige Entwicklung zu analysieren und zusammenzufassen. Drei ihrer Haupttrends haben wir mit eigenen Messebeobachtungen vernetzt.


Trickery


Viele experimentelle Entwürfe spielen mit den Erwartungen an die Bequemlichkeit oder Funktionalität des Designs. Improvisationen werden plötzlich ernst genommen und als kreative Qualität jenseits der perfekten Ausführung bejubelt.

Das könnten die Vorläufer einer neuen Wohnwelt sein, wie sie die Facebook-Generation für sich selbst neu definiert. Nicht mehr aalglatt gestylt, sondern vordergründig unkompliziert, beinahe schlampig, spontan und emotional.

Dahingehend hat sich auch die Farbwelt angepasst. Die starken Farb- und Material-Kontraste der letzten Jahre sind vorbei. Man zeigt sich harmonischer, mit etwas subtileren Farbabstufungen.


Discipline


Eher konservative Geister schwören in schweren Zeiten auf Altbewährtes und Stilsicheres. Sie setzen auf die ursprüngliche Ästhetik des Bauhauses und suchen hier die absolute Perfektion.

Als Antwort auf die Veränderung kommt es in dieser Zielgruppe zu einer Rückbesinnung auf die Vernunft der Dinge. Oder wenn Sie so wollen auf die Schönheit der Vernunft: Luxus wird nicht mehr in der Bequemlichkeit gesucht, sondern in der formalen und qualitativen Konsequenz. Nur Formen, die schön, innovativ und beständig sind, sind auch nützlich. Bauhaus-Klassiker geben die Richtung vor, und handwerkliche Qualität verleiht den Dingen Authentizität.

Bei den Materialien kommt es zur Rückkehr zum Echten: Holz, Leder, Webstoffe oder Keramik, ergänzt mit Kunststoffdetails. Beige, Altrosé und ein warmes Tee-Braun verleihen der Disziplin Wärme.


Comfort Zone


Im familiär-harmonischen Ambiente wiederum besinnt man sich auf die eher robuste Qualität traditioneller Formen und Muster aus aller Welt, auf Selbstgemachtes und Dinge, die wie selbstgemacht aussehen.

Eine Art Rückzug in die Kuschelzone, der Versuch der Entschleunigung als Reaktion auf die rasante gesellschaftliche Entwicklung. Voluminöse Ohrensessel, Anleihen an englische Nostalgie, kuchenförmige Seelentröster und Möbel, die eine heimelige Self-Made-Ästhetik verbreiten, halten die Außenwelt auf Abstand. Bunte, traditionelle Ornamentik holt wieder ein Stück ferne Welt ins Heim.

Textilien, hochflorige Teppiche und Keramikfliesen signalisieren Wohnlichkeit und Beständigkeit, unterstützt von erdigem Braun mit Brombeer-Note und dezenten gelb-rot-grünen Farbklecksen.


Obwohl von starker Gegensätzlichkeit geprägt, haben alle Interior-Trends eines gemein. Qualität wird großgeschrieben.

Auch der seit Jahren bekannte Trend zur Individualisierung hält an. Daher trotzt man dem Mainstream und sucht die originelle, einzigartige Einrichtungskombination für seine eigenen vier Wände. Und insofern ist die Mischung unterschiedlicher Design-Strömungen nicht nur gern gesehen, sondern nahezu erwünscht. Ganz im Sinne der Vielfalt.

Köln 2010 hat summa summarum durchaus Lust gemacht auf das noch junge Design-Jahr 2010.


Peter Handlgruber







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