Bene Büromöbel
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Improvisierte Kommunikationszonen
9. März 2009

Jeder braucht sein 'Impro.Office'!

Als er aus dem Aufzug trat, fiel sein Blick sofort auf sie: Es waren heute zweifellos zwei bis drei Personen mehr, die da in der Archivtüre standen und auf den alten Tischcontainern lehnten. „Es gibt News“, dachte Patrick bei sich. Kein Wunder, war doch gestern den ganzen Tag internationaler Besuch im Haus unterwegs gewesen. Zu dumm, dass sein Meeting bereits in den nächsten Minuten beginnt - doch irgendwann wird heute schon noch Gelegenheit sein, die Basics zu erfahren. Die Technikinsel ist immer ein guter Tipp für einen informativen Abstecher. „See you later!“

Der kurze Ausbruch aus dem Arbeitstrott – so wichtig und doch oft unbeachtet. Lieblos "ungestaltete" Teeküchen, nüchterne Druckerinseln, kahle Gänge und Foyers. Wenig beachtete Orte im Büro, an denen weitaus mehr passiert, als ihnen funktionell zugeschrieben wird. Dies zeigt sich nicht selten an improvisierten "Rauminstallationen", mit denen Mitarbeiter "ihre Zonen" kurzerhand selbst gestalten.


Ressorts im Office – Raum für Individualität


Die Arbeitswelt verlangt uns nüchterne Sachlichkeit ab, zugleich soll man auch mit emotionaler Begeisterung zur Sache gehen und persönliches Engagement an den Tag legen. Eine Gratwanderung, die gar nicht so einfach gelingt. Wohin zum Beispiel mit all dem aufgestauten Ärger, mit unterdrückter Wut, guten aber nicht genützten Ideen und persönlichen Alltagssorgen? Kurzum – in jedem Büro findet neben dem Fachlichen sehr viel Menschliches statt. Wo aber sind die Orte, an denen wir "Mensch" sein dürfen? Nun - wenn nicht vom Unternehmen zur Verfügung gestellt, werden sie einfach von den Mitarbeitern annektiert...


Gebuchtes Abenteuer - die Raucherzonen


Auch wenn "sozial unkorrekt", Raucher galten immer schon als kommunikative Spezies. Und bis vor Kurzem waren die olfaktorisch nicht zu ignorierenden Raucherzonen in fast jedem Unternehmen die ultimative Drehscheibe für zwischenmenschliche Beziehungen. Vor dem Aschenbecher sind alle gleich – selig vereint durch das gemeinsame Laster. Selbst Nichtraucher wollten hier dazugehören.

Mittlerweile leben wir alle gesund und Unbelehrbare wurden – wenn überhaupt – in öde Abstellkammern verbannt. Allerdings: Mit Getränkekisten und Kartons, zu gemütlichen Sitzplätzen umfunktioniert, mit einem alten Radio-CD-Player, zwei Duftkerzen und vielleicht noch einem alten Blumenstock lässt sich schnell ein wenig Wohlfühl-Atmosphäre zaubern. Hier plaudert sich’s gut – und gerne.

Doch sogar in Unternehmen, die nicht mehr so liberal mit ihren rauchbedürftigen Mitarbeitern umgehen, finden sich Orte und Wege. Die ins völlige Abseits gedrängten "Rauchguerilleros" logieren nun wegelagernd vor den Bürogebäuden. - Und neue Orte der Kommunikation sind implementiert.


Für Selbstversorger - die Teeküche


Immer gut besucht und nicht selten der einzige Ort auf der Büroetage, an dem man ungestört und unbeobachtet mit jemandem plaudern kann – bis Dritte sich dazu gesellen. Oft fehlt auch hier die entsprechende Gestaltung. Dafür: Je kreativer die Branche, umso interessanter die improvisierten Installationen… im besten Fall werden sogar Liegestühle angeschleppt. Im Zentrum stehen natürlich – mit Namensetiketten versehene – Lebensmittel und Getränke aller Art (Wer hat sich nicht schon mit knurrendem Magen rot und grün geärgert, wenn das aufgesparte Vollkornweckerl fremdverschlungen wurde?). Beliebtes Mitbringsel von zu Hause ist natürlich die eigene Kaffeetasse. – Auf der zwangsläufigen Suche nach ihr kann man herrlich mit ganz vielen Leuten anecken, indem man unlauteres Ausborgen unterstellt. Gesprächsstoff garantiert.


Das nahe Glück – die Druckerinsel


Auch ein beliebter Treffplatz und so schön unverbindlich! Man weiß nie, wen man beim Drucker treffen wird. Aber genau das macht den Reiz auch aus und irgendwer ist immer da. Auf ein paar Stapeln von Papierkisten und Tonerpatronen lässt es sich ganz vortrefflich rumlümmeln und plaudern, bis der ersehnte Ausdruck endlich durch die Maschine flutscht. Und auch ganz ohne Begleitung kann man hier Interessantes erfahren – auf der Suche nach dem eigenen Ausdruck findet sich oft die ein oder andere, anderwärtig bestimmte Information. So ein Pech.

Selbst der viel geschmähte Papierstau kann für willkommene Ablenkung sorgen. In sozialer Gemeinsamkeit einen Druckerstau zu beheben ist besser als jede Incentive-Reise. Eine – relativ – simple Aufgabenstellung, zwei bis drei zufällig zusammengewürfelte Kollegen und das erhebende Gefühl der gemeinschaftlichen Problemlösung. Schon ist man kurzzeitig von größeren Problemen abgelenkt und bekommt den Kopf frei für neue Challenges.


Inselhüpfen – Foyer und Vorraum, Gänge und Stiegenhäuser


Die sind nun wirklich meist schwer vernachlässigt und oftmals nur kalte, öde Zonen, die man nur zwangsläufig nutzt, um von A nach B zu kommen. Schade – denn gerade hier kreuzen sich die Wege von Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen. Der Plausch im Stiegenhaus ist meist ungemütlich und daher eher kurz. Dabei könnte er so informativ und inspirierend sein!


Von der Improvisation zur Fixinstallation


Patrick weiß noch genau, dass es ursprünglich seitens der Geschäftsführung immer hieß, "Kein dauerhafter Aufenthalt, weder essen noch kaffeetrinken in den Gängen". Mittlerweile dürfte in den Köpfen des Mangements jedoch Einsicht eingekehrt sein.

Bei der letzten Bürosanierung wurde sogar eigens Raum für "offene Kommunikation" geschaffen. "Was immer das bedeuten mag", so Patrick für sich. Die Kollegen machen es schnell klar: Statt in der atmosphärelosen Teeküche, die überdies immer ein schlechtes Gewissen erzeugte, wenn man darin länger gesehen wurde, gibt es nun in der designten Coffice-Zone "Austausch" – themenübergreifend ;-).

"Schön, wenn aus der Improvisation eine Institution wird", so das allgemeine Feedback. "Bis auch diese sich so weit etabliert hat, dass neuer, informeller Freiraum organisch zu wachsen beginnt", weiß Pat schon heute, zieht den Mantelkragen hoch und dämpft seine Zigarette aus. Büroleben heißt eben Veränderung. That´s it.


Nicole Schemerl-Streben / Brigitte Schedl-Richter







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