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Konstantin Grcic Industrial Design, Schillerstraße 40
14. Apr. 2010

Konstantin Grcic Industrial Design, Schillerstraße 40

Büro am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal erzählt Konstantin Grcic, welche Bedeutung sein Büro für ihn hat: über Konzentration und Vertrautheit, über Klischees moderner Nomaden oder ständiger Brainstormings – im Gespräch mit Désirée Schellerer.

Konstantin Grcic wurde 1965 in München geboren, studierte Industriedesign am RCA in London und arbeitete 1990/91 bei Jasper Morrison in London. Im Jahr 1991 gründete er sein Designbüro Konstantin Grcic Industrial Design in München: KGID ist in vielen Bereichen des Designs tätig, vom Möbeldesign bis hin zu Architekturprojekten. Die Namensliste seiner Kunden reicht von A wie Agape oder Authentics über P wie Plank bis zu W wie Whirlpool Europe oder Wireworks.

Konstantin Grcic entwirft industrielle Produkte, die oft als essentiell, schlicht, minimalistisch beschrieben werden. Er selbst bevorzugt den Begriff der Einfachheit. Die auf den Menschen zugeschnittene Definition von Funktion wird mit einer Mischung aus formaler Strenge, intellektuellem Scharfsinn und einer gewissen Ironie erreicht.
Der Dialog mit der Industrie, die Auseinandersetzung mit der Herstellung und der Funktion von Objekten sind Quelle seiner Kreativität. Neue Technologien und ökologische Kompatibilität spielen bei seinen Entwürfen ebenso eine Rolle wie designhistorische Bezüge.

Konstantin Grcic erhielt zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt Honorary Royal Designer for Industry, RSA, UK (2009), Furniture Designer of the year, Wallpaper, UK und Premio AD, Spanien (2010). Seine Produkte errangen wichtige Preise und sind international in bedeutenden Designsammlungen vertreten.



Herr Grcic, schon beim Vereinbaren unseres Interview-Termins wurde klar: Sie sind viel unterwegs. Gibt es für Sie einen "Hauptarbeitsplatz", und – falls ja – wo befindet er sich?


Konstantin Grcic: Mein Büro, und das ist mir sehr wichtig. Ich versuche, so viel Zeit wie möglich hier zu verbringen. Das eigene Umfeld brauche ich zur Konzentration. Das hat was Introvertiertes. Genau dieses Fokussieren bedeutet Arbeiten für mich. Den Platz dafür finde ich hier in meinem Büro in München.


Heißt das, Sie sind am liebsten in ihrem Büro?


Grcic: Ja, aber auch das Reisen ist wichtig. Es geht um das Wechselspiel zwischen Ruhe und Anregung. Jedoch ist es eine große Illusion zu glauben, dass man zum Flughafen fährt, den Laptop aufklappt und sofort zu arbeiten beginnt – für mich funktioniert das überhaupt nicht. Im Transit fällt es mir schwer, mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Arbeiten ist etwas sehr Persönliches. Die gängige Vorstellung von "Wir alle sind Nomaden" ist mir zu klischeehaft. Das Reisen an sich nutze ich lieber zum Lesen oder Schlafen oder Musikhören – also zum Muße finden.


Wo liegt Ihr Büro eigentlich?


Mitten in der Stadt, in der Bahnhofsgegend. Dort ist es sehr geschäftig, aber unser Büro liegt abgeschieden im zweiten Hinterhof. Man kann schnell hinaus ins Leben der Stadt, aber es gibt auch die Möglichkeit, frei zu sein von Ablenkungen. Es ist so ruhig, dass im Sommer die Fenster offen sein können. Das Büroteam ist relativ klein, wir sind zu sechst, eine kleine Gruppe.


Welcher Bürotyp sind Sie – Großraum oder Zelle, lieber alleine oder lieber gemeinsam mit anderen?


Grcic: Das ganze Büro ist nur ein Raum, zirka 120 m² groß, ein sehr offener, heller Raum, den wir uns teilen. Diese Exponiertheit zwingt mich noch mehr dazu, die Konzentration zu finden. Man hört Geräusche, es läuft Musik. Ich mag dieses Umfeld, das Arbeit ist. Da ist auch Bewegung. Arbeitet bedeutet auch physische Bewegung, zum Beispiel Modelle bauen, es läuft die Bohrmaschine. So spürt man den Arbeitsprozess, das finde ich motivierend.
Introvertiert ist meine Arbeitssituation insofern, als ich gewisse Dinge nur alleine verrichten kann. Ständiges Brainstorming ist ein Klischee.


Ihre liebste Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Arbeiten?


Grcic: Modellbau. Wir bauen 1:1 Stuhl oder Tisch. Das sind die glücklichsten Momente und ist wohl der Grund, weshalb ich Designer geworden bin: Dinge bauen zu können. Heute machen das meine Assistenten, aber ich höre die Bohrmaschine. Das macht Neugierde, Lust auf das Arbeiten. Für mich war es eine entscheidende Entdeckung, dass man aus der Begeisterung für das Dinge-Bauen einen Beruf machen kann.


Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Büro etwas über Sie aussagt?


Grcic: Ja, es ist mit meinem Leben verbunden, wie meine Biografie.


Gibt es Orte, an denen Sie besonders gerne arbeiten würden?


Grcic: Eigentlich nicht. Natürlich gibt es tolle Orte, zum Beispiel Istanbul ist eine Lieblingsstadt von mir. Manchmal taucht die Frage auf: Warum ziehe ich mit meinem Büro nicht dorthin? Aber das ist nur ein Gedankenspiel.


Gibt es Orte, an denen Sie arbeiten müssen, die Sie aber lieber meiden würden?


Grcic: Die gibt es selten. Die Fabriken unserer Hersteller mag ich zum Beispiel gerne. Es wäre beunruhigend, wenn dies anders wäre. Ich mag den Geruch der Realität in den Produktionshallen. Das ist wichtig, um einen Bezug zu den Dingen zu bekommen, die dort hergestellt werden. Unsere Entwürfe entstehen mit Gedanken an jene Leute, die dann die Dinge machen. Die sind im Design sehr wichtig.


Ist das Büro für Sie ein Ort der Inspiration, der Kreativität?


Grcic: Sicherlich. Die Vertrautheit des Umfelds ist dafür wichtig. Das bedeutet, dass man über vieles nicht nachdenken muss. Meine Bücher sind dort, auch Platten. Viele. Wie ein eigener Kosmos. Das sind Referenzen für die Inspiration. So entsteht eine sehr starke Atmosphäre. Und es gibt eine Evolution durch ständige Veränderung. Die positive Ausstrahlung, die von diesem Ort ausgeht, ist wichtig für mich selbst und meine Mitarbeiter. Die Stimmung hat Natürlichkeit.


Welcher ist der für sie wichtigste Gegenstand in ihrem Büro?


Grcic: Ein gelber Kunststoff-Stuhl: der Box Chair von Enzo Mari. Er ist zirka 15 Jahre alt und wird immer mein Stuhl sein. Denn er trägt zu meiner Konzentration bei.


Welcher ist der persönlichste Gegenstand?


Grcic: Es gibt viele persönliche Dinge, zum Beispiel eine Postkarte, das wechselt. Ich bin kein Sammler von Dingen – Dinge sammeln sich an.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?


Grcic: Papier, und zwar DIN A4, 50 Gramm pro Blatt. Wir verwenden es immer für Notizen und Skizzen. Und es ist etwas Alltägliches, Einfaches – diese Vertrautheit ist so wichtig.


Gibt es Rituale, die Ihnen wichtig sind?


Grcic: Der Tagesablauf im Büro ist relativ klar strukturiert. Wir fangen um neun Uhr an. Ich bin schon um acht da, diese eine Stunde allein ist mir wichtig. Um 13.30 Uhr machen wir Mittagspause, da sollen alle rausgehen. Um 19 Uhr hören wir auf zu arbeiten. In dieser klaren Struktur ist mehr Freiheit möglich.
Täglich um elf Uhr gibt es eine Teepause mit Brezen, einem beliebten Münchner Gebäck. Diese Gewohnheit kommt aus meiner Zeit in England. Das Büro hat eine kleine Terrasse: zu jeder Jahreszeit stehen wir um elf draußen und essen unsere Brezen. Danach richtet sich schon die innere Uhr. Es geht darum, dass da alle zusammen sind. Es wird nicht über die Arbeit gesprochen.


Ist München der ideale Standort für Ihre Arbeit?


Grcic: Es hatte persönliche Gründe, warum ich da gelandet bin. Ursprünglich dachte ich, es wäre temporär, jetzt sind es 18 Jahre. Ich mag die Stadt, die Leute. München hat eine gute Lage für das Reisen in Europa. Man ist von kleineren Städten aus viel beweglicher. In London zum Beispiel ist alles auf die Stadt bezogen, man ist in London, kommt aber nicht aus London heraus. In München hingegen ist man schnell im Grünen.
Vor allem hat München eine gute Infrastruktur fürs Arbeiten: gute Handwerker und Hersteller. München ist Industrie- und Kulturstadt zugleich.


Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben, obwohl Sie auf dem Sprung sind.


Grcic: Ja, ich muss nach Mailand zur Möbelmesse.



Produkte von Konstantin Grcic bei Bene:

Hocker PLANK. Miura Miura by Konstantin Grcic PLANK. Miura Table Miura Table by Konstantin Grcic Stuhl PLANK. Monza Monza by Konstantin Grcic Stuhl PLANK. Myto Myto by Konstantin Grcic








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