Kris Kringle, Nordpol, DK-3900 Nuuk
Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir regelmäßig Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Da wird es Zeit, sich auch mit jenem Arbeitsplatz auseinander zu setzen, der seit vielen Generationen als globale Projektionsfläche dient. Nicole Kolisch und Harald Havas statteten dem Weihnachtsmann in seiner Werkstatt einen Besuch ab.Kris Kringle ist der lebende Beweis dafür, wie eine Berufung zum Beruf werden kann. Als Weihnachtsmann hat er einen sehr ungewöhnlichen Arbeitsrhythmus, dennoch ist es ihm wichtig, nicht als Saisonarbeiter abgestempelt zu werden: "Der logistische Aufwand nimmt im Vorfeld des 24. Dezember meist ein ganzes Jahr in Anspruch, auch bekommen wir massiv den Bevölkerungszuwachs zu spüren." Kringle ist bemüht, sein Angebot niederschwellig zu halten: Brief oder Email genügt, um ihn zu verpflichten; religiöse Präferenzen hat er keine. "Ich weiß, dass ich oft mit dem Heiligen Nikolaus verwechselt werde", schmunzelt er, "Ich selber fühle mich aber einem ökumenischen Gedanken verpflichtet: der Glaube an mich ist sicherlich die Grundlage meines Geschäfts. An was sonst noch geglaubt wird, halte ich für Privatsache."
Mr. Kringle, gibt es für Sie so etwas wie einen "Hauptarbeitsplatz" – und wenn ja, wo befindet er sich?
Nun, mein Büro hab ich zwar am nördlichen Polarkreis, aber mein tatsächlicher Arbeitsplatz ist die ganze Welt! Insofern wechsle ich die Szenerie sehr, sehr schnell – und das in nur einer Nacht! Ho, ho, ho!
Das Büro als Ort: Was mögen Sie daran, was nicht?
Ich schätze einen eher rustikalen, heimeligen Stil. Da bei mir Wohnung, Büro und Werkstatt eine Einheit bilden, verbinde ich damit eher Ruhe. Klingt seltsam, wenn man sich vor Augen hält, dass der Stress – vor allem in der Vorweihnachtszeit - beängstigend hoch ist. Aber es sind die Kleinigkeiten, die immer wieder für Entspannung sorgen: Sehr viel Holz und Naturmaterialien, mein PARCS Wing Chair – eine Spezialanfertigung für mein, nun ja, eher breites Hinterteil [lacht]. Und die vorgewärmten Hausschuhe! Ohne die könnte ich nicht arbeiten. Was ich hingegen gar nicht mag, ist der Trainingskamin, zu dem mich Mrs. Kringle vor ein paar Jahren verdonnert hat. Aber das gehört nun mal dazu.
Gibt es Orte oder Plätze, an denen Sie besonders gerne arbeiten?
Na ja, zwar haben wir im Laufe der Zeit Werkhallen und Fabriksteile angebaut, aber am liebsten arbeite ich immer noch an der Werkbank und drechsle selbst…
Gibt es Orte, an denen Sie besonders gerne arbeiten würden?
Ich hab schon an Übersiedelungen gedacht, etwa auf eine Südseeinsel. Vor allem, weil es im Norden im Herbst so schnell dunkel wird. Andererseits ist das Arbeiten bei Kerzenschein hilfreich für die Einstimmung auf Weihnachten.
Sind Sie lieber alleine in Ihrem Büro oder gemeinsam mit anderen?
Allein bin ich selten, denn ohne mein Heer an fleißigen Elfen wäre die Arbeit kaum zu bewältigen! Das Christkind hat’s da etwas leichter, das zaubert sich mit seinen Engeln ruckzuck alles herbei, was es braucht.
Ist das Büro für Sie ein Ort der Inspiration, der Kreativität?
Die Inspiration kommt eher von meinem "zweiten Arbeitsplatz", beim Austeilen der Geschenke. Die vielen Häuser, die vielen Städte – da kommen einem schon Ideen. Aber die Kreativität, das wirkliche Umsetzen, passiert im Büro. Das ist mein Kraftplatz. Schon seit Jahrhunderten!
Gibt es Rituale, die Sie für wichtig halten in Ihrem Arbeitsleben?
Nun, ich kann mir kein wichtigeres "Ritual" als Weihnachten vorstellen! [lacht] Aber natürlich, auch während des restlichen Jahres hab´ ich mir Rituale angewöhnt: Wenn mir die Ideen ausgehen, gehe ich den Rentierstall ausmisten, denn das macht den Kopf wieder frei für neue Gedanken.
Welche Veränderungen würden Sie als die einschneidendsten während Ihres gesamten "Büro-Lebens" nennen?
Die Beilegung der lästigen territorialen Streitigkeiten mit dem Christkind! Wir haben das schließlich im Rahmen eines Business-Agreements bei einem heißen Glöck geklärt, also, wer wohin fliegt. Im Endeffekt nämlich jeweils dorthin, wo an einen von uns geglaubt wird! Und wenn einmal ein Problem auftaucht, helfen wir uns auch gegenseitig aus. Aber nicht weitersagen! [zwinkert]
Der wichtigste Gegenstand im Büro?
Das ist wohl meine gemütliche, alte Ledercouch! Im Wing Chair kann ich gemütlich nachdenken und planen, Wunschlisten lesen… aber die Couch ist meine erste Adresse, wenn ich nach der Tour zurückkomme! Das können Sie mir glauben. [schmunzelt]
Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Nun, der Schlitten! Aber den brauche ich natürlich außerhalb des Büros.
Ihre liebste Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Arbeiten?
Als ich noch jünger war, hätte ich gesagt: Die Rutschpartie durch die Kamine. Aber meine Prioritäten haben sich geändert. Inzwischen ist es ganz klar: Das Verteilen der Geschenke! Manchmal schau´ ich auch heimlich durchs Fenster, wenn die Kinder sie dann öffnen. Ihre Freude, ihr Jubel… das ist mir das Allerliebste, und auch der schönste Lohn meiner Arbeit! Obwohl: Zu Milch und Keksen sag ich natürlich auch nie nein…
Vielen Dank für das Interview.


