Bene Büromöbel
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Martin Lesjak, Grazbachgasse 65a, Graz, Photo: Paul Ott
30. Jan. 2012

INNOCAD Architektur ZT GmbH, Grazbachgasse 65a, Graz

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Martin Lesjak von Innocad ist als Architekt und Konzeptionist – unter anderem von neuen Arbeitswelten – schon auf eine ganze Reihe solcher gestoßen. Brigitte Schedl-Richter bat ihn zum Interview über seine Erfahrungen und über sein persönliches Arbeitsumfeld.

Das Bürohaus Microsoft Wien oder das XAL Competence Center südlich von Graz sind nur zwei Beispiele für unkonventionelle Projekte, die sich an neuen Erkenntnissen der Arbeitswelt orientieren und deshalb so zeigen: kommunikativ, vielfältig, charakteristisch, individuell – beide integrativer Bestandteil einer modernen Unternehmenskultur. Geplant und umgesetzt wurden sie von der Innocad Architektur ZT GmbH, seit 1999 von Graz aus tätig und von Martin Lesjak und Peter Schwaiger gegründet.
Charakteristisch für die Arbeitsweise von Innocad ist: zunächst einen pragmatischen, einfach wirkenden Ansatz entwickeln, der nach und nach durch die verschiedenen Einflussfaktoren an Komplexität gewinnt. Das Design ist eine logische Konsequenz des zugrundeliegenden Konzeptes. Nicht makellose Schönheit ist das Ziel, sondern "Charakterköpfe" sollen entstehen, charismatische Objekte mit Persönlichkeit und kleinen, sympathischen "Eigenheiten" – ein durchaus menschlicher Zugang.


"In der Projektarbeit mit Microsoft etwa war/ist spannend und beeindruckend, dass eine echte Philosophie dahinter steht, die im Unternehmen eine breite und bereits mit Erfahrungen aus anderen Ländern angereicherte Basis besitzt. Da wird nicht nur minutiös beobachtet und ausgewertet, was benötigt wird, sondern auch, welchen Effekt die Umsetzung bringt", so Martin Lesjak im Gespräch. "Durchschnittlich 10 Prozent mehr Mitarbeiterzufriedenheit, 12 Prozent Produktivitäts- und Effizienzsteigerung, verbesserte CO² Footprints und vieles Ähnliches mehr werden erwartet bzw. sind teilweise schon messbar." Die absolute Priorisierung des Projektes durch die Geschäftsführung sowie die aktive, breite Einbeziehung der Mitarbeiter machten die Umsetzung des neuen Microsoft-Büros nicht nur in der Rekordzeit von 14 Monaten (von der Wettbewerbsausschreibung bis zum fertigen Umbau) möglich, sondern bestimmten auch die besondere Qualität des Ergebnisses.

"Natürlich lassen sich solche Konzepte auf andere Projekte nicht einfach überstülpen. Zwar gibt es im Zusammenhang mit neuen Arbeitswelten Faktoren, die immer eine Rolle spielen – wie offene Kommunikationszonen, das abwechslungsreiche Angebot unterschiedlicher Raumumgebungen oder intelligente Flächeneffizienz und Infrastruktur. Die eigentlichen Vorteile kommen aber erst zum Tragen, wenn Planung und Gestaltung die individuellen Parameter des Unternehmens einbeziehen. Wenn berücksichtigt wird, wie das Unternehmen funktioniert, wie die Arbeitsprozesse sind, wie das notwendige Raumprogramm aussieht. Dann lassen sich nicht nur "atmosphärische" Verbesserungen erzielen, sondern eindeutig auch Wirtschaftlichkeit und Produktivität erhöhen. Erst wenn diese Rahmenbedingungen geklärt sind, kommt der architektonische und gestalterische Aspekt hinzu."

Mit ihrem eigenen Büro hat INNOCAD schon vor acht Jahren nicht nur ein architektonisches Zeichen gesetzt. Für das auffällige Wohn- und Bürohaus mit dem Namen "Golden Nugget" in der Grazbachgasse hat INNOCAD das Developing vom Ankauf bis zu Planung, Bau, Verwertung und Vermarktung selbst in die Hand genommen. In den straßenseitig gelegenen, beiden unteren Etagen sind die Architekten eingezogen. Spätestens seit damals beschäftigt sich INNOCAD auch mit interaktiven Konzepten in den Bereichen Projektmanagement, Design, Bau und Medien.

Herr Lesjak, Sie haben sich mit der Welt des neuen Arbeitens nicht nur im Zusammenhang mit Microsoft intensiv auseinander gesetzt. Sind in dieser Welt des neuen Arbeitens physische Arbeitsräume eigentlich noch von Bedeutung?


In jedem Fall. Trotz aller Möglichkeiten moderner Kommunikationstechnologien und non-territorialen Arbeitens ist das Büro ein entscheidender focal point, wo physische, virtuelle und soziale Komponenten der Arbeit zusammenlaufen. Wir sehen das Büro ganz klar als wichtigen Bestandteil dieser Trilogie.

Gibt es für Sie selbst so etwas wie einen "Hauptarbeitsplatz"?


Nun, ich bin zwar viel unterwegs, was natürlich auch "Arbeit" bedeutet. Wenn ich mich allerdings konzentriert einer Sache widmen möchte, dann mache ich das am liebsten in unserem Büro. Wir haben ja im "Golden Nugget" in Graz unser Office auf zwei Ebenen wirklich so eingerichtet, wie es für uns ideal ist. Da arbeite ich natürlich auch gerne.

Einen fixen Arbeitsplatz habe ich hier allerdings nicht. Denn "mein" Büro ist eigentlich ein Meetingraum. Ich brauche aber auch nicht viel Platz - ich habe meinen Laptop, mein Handy.... Außerdem bewege ich mich gerne durch unser Office. Wir haben diverse unterschiedliche Kontaktbereiche, eine verbindende Mittelachse über beide Ebenen, die auch angenehm offenen "Luftraum" bietet. In der Küche darf man sogar rauchen. Jedenfalls gibt es viele Möglichkeiten, sich zu treffen und spontan zu einem Thema zusammenzusetzen.

Arbeiten Sie eher alleine oder im Team?


Ganz klar im Team. Das ergibt sich alleine daraus, dass ich weniger mit einzelnen Projekten im Detail befasst bin – dafür haben wir bei Innocad Projektleiter. Meine Aufgabe ist eher der kreative Part auf einer Ebene darüber. Ich bin dadurch in mehrere Projekte gleichzeitig eingebunden, und das geht eindeutig nur im Team.

Haben Sie in Ihrem Büroalltag ein Ritual, das Ihnen wichtig ist?


Ritual ist vielleicht zu viel gesagt – doch wir essen meist gemeinsam zu Mittag. Das hat sich so eingebürgert. D.h. wer immer gerade im Büro ist, trifft sich im zentralen Bereich. Da wird dann über alles und jedes geredet, beruflich oder nicht, das macht einfach Spaß und ist ein nicht unwichtiger Teil unseres Alltags.

Hat es in Ihrem bisherigen "Büro-Leben" entscheidende Veränderungen gegeben?


Der Umzug in das Golden Nugget war ganz entscheidend. Wir haben uns hier den Raum und die Umgebung geschaffen, die genau unseren Bedürfnissen entsprechen. Und wir konnten uns damit auch genau so organisieren, wie es unseren Vorstellungen entspricht, um kreativ und effizient in einem angenehmen, inspirierenden Surrounding tätig zu sein.

Was ist Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?


Handy und Bleistift. Natürlich ist auch der Laptop wichtig, aber auf ihm arbeite ich gar nicht so intensiv. Für das Festhalten von Ideen ist mir der Bleistift wichtiger. Alles andere ist Kommunikation – also Mail, Internet, Telefon, das lässt sich alles mit dem Handy in den Griff bekommen.

Der wichtigste Gegenstand im Büro?


Vielleicht das Stehpult. Ich halte viel davon, wenn man beim Denken in gewissem Sinne auch in Bewegung ist und nicht unbedingt auf einem Sessel "festklebt". Zumindest für mich bedeutet die freiere Situation des Stehens auch gedanklich mehr Flexibilität.

Ihr größter Wunsch an ein Büro?


Büro muss dem Zusammenspiel von physischen, virtuellen und sozialen Faktoren der Arbeit eine ideale Plattform geben. Das ist in Summe eine sehr atmosphärische Kompetenz, denn ein Büro muss nicht immer wie ein typisches Büro aussehen. Wir verbringen so viel Zeit an unseren Arbeitsstätten, dass Büro auch Funktionen der Erholung, der Rekreation, der Abwechslung übernehmen muss. Das ist ganz wichtig. Wir haben zum Beispiel eine PlayStation hier stehen und spielen mit Begeisterung FIFA. Es geht ja nicht darum, acht Stunden Arbeitszeit pro Tag abzusitzen, sondern in einem Umfeld zu arbeiten, das inspiriert, das Kreativität zulässt und damit insgesamt auch effektiver hochwertigen Output generiert. Da müssen noch viele Unternehmen umdenken.

Wo befindet sich Ihr Traumbüro?


In New York, East Village zum Beispiel wäre eine tolle Umgebung. Wir haben in New York ein privates Dachterrassenappartement umgebaut und ausgestattet, das hatte wirklich eine unglaubliche Kulisse. In jedem Fall muss es ein urbanes Umfeld sein, das lebendig ist und wo man vielen Menschen begegnet. Der kreative Einzelgänger, der in stiller Abgeschiedenheit kosmische Strahlung aufnimmt, bin ich weniger.

Vielen Dank für das Gespräch!







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