Bene Büromöbel
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Lunch Beat
31. Aug. 2012

Mittagstanz

After-Work-Clubbings kennt man schon lange. Aber tanzen in der Mittagspause? Lunchbeat heißt der neue Trend, der gerade die Arbeitswelt Europas erobert. In Wien hat Bene einen der ersten Events dieser Art organisiert.

Bürodisco

Am 27. Juni, um Punkt 12 Uhr, legte die DJ den ersten Hit auf. Location: ein schicker Raum in der Bene AG Wien. Gemeinsam mit dem Trendmagazin WIENERIN lud Bene zum Lunchbeat. Motto: "Abtanzen in der Mittagspause". Weitere Zutaten: Discokugel, Büffet und Getränke. Mit Ausnahme von Interiordesigner Magnus, der aus der Lunchbeat-Heimat Schweden kommt, hatte noch keiner der rund 30 Anwesenden − alles Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Firma − davon gehört. Die Idee ist jung, aber schon halb Europa tauscht regelmäßig Tanzfläche gegen Kantine. Inzwischen springen auch Städte in den USA, Südafrika und Asien auf den (Party)Zug auf.


Exportschlager aus dem Norden


Molly Ränge, die Initiatorin der Bewegung, wollte Abwechslung vom Job-Alltag und vom ewig gleichen Mittags-Ritual. Also trommelte die 28-jährige Projektleiterin einer Kommunikationsagentur in Stockholm ein paar Gleichgesinnte zusammen und organisierte Musik, Licht und Take-Away-Food in der Garage ihrer Firma. 14 Kollegen und Kolleginnen folgten der Einladung, shakten, plauderten und genossen das Essen. Nach einer Stunde setzten sich alle wieder an den Schreibtisch − mit einem Lächeln im Gesicht und neuem Schwung im Kopf. "Lunchbeat" war geboren. Mit lunchbeat.org schuf Ränge auch gleich die dazugehörige Online-Plattform. Im darauf folgenden Monat kamen schon etwas mehr Gäste. Es dauerte nicht lange, bis die Garage zu klein geworden war, man wich auf einen benachbarten Club aus. Und bald gab es die ersten "Franchisenehmer" in anderen Städten.


Trans-Europe-Dance


Mittlerweile wird in über 40 Städten, von Hamburg über Paris bis Lissabon quer durch die Berufe getanzt. Tendenz steigend. Die meisten Events gehen einmal im Monat über die Bühne, die Termine stehen auf lunchbeat.org. Dort findet man auch das Manifest, das Molly Ränge für die wachsende Community verfasst hat. Jeder, der einen Lunchbeat veranstalten will, muss die zehn goldenen Regeln einhalten. Als Tanzpalast kann alles herhalten, ob Firmenräumlichkeiten oder "echte" Clubs. In Berlin etwa könnte man meinen, es sei vier Uhr früh, wenn rund 500 Menschen unter Stroboskoplicht zu Techno-Beats abgehen, als wäre es die letzte Party. Aber überall gilt: Gefeiert wird von Punkt 12 bis Punkt 13 Uhr.


Business-Lunch?


Um 12:30 Uhr kochte die Tanzfläche beim ersten Bene-Lunchbeat. Weil alle fröhlich mitmachten − sogar mit Krücken kann man tanzen, wenn man wirklich will −, und weil der Sommer gerade wieder Hochsaison hatte. Man labte sich an Antipasti und Fruchtdessert und unterhielt sich angeregt. Regel Nr. 4 des Manifests wurde jedoch brav eingehalten: Rede nicht über den Job. In der Mittagspause abzuschalten ist für die Erholung enorm wichtig, bestätigt Arbeits- und Gesundheitspsychologin Elisabeth Unterweger. "Man sollte etwas völlig anderes tun und nicht an die Arbeit denken", meint die Expertin. Weiterer Vorteil: Der zwanglose Austausch zwischen Kollegen und Kolleginnen ist gut für die Kooperation. Das passt zum Nachhaltigkeitskonzept von Bene, das neben ökologischen Aspekten auch ökonomische und soziale Nachhaltigkeit vorsieht. Um Gemeinsamkeit und Kreativität zu fördern, suchen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Aufgaben, die Spaß machen. Den Lunchbeat zu organisieren, war eine davon. Danach waren sich alle einig: Das ist nicht der Letzte seiner Art. Ein Blick auf Facebook genügt um zu sehen, dass die Idee ankommt. "Ich freu mich schon, wenn ich wieder da bin und mitmachen kann! Super Fotos!", wird da kommentiert. Oder: "What a cool company I am working in." Drei Bene-Mittagspausendiscos fanden bereits statt. Am 1. August ging ein Lunchbeat im Headoffice in Waidhofen über die Bühne bzw. die Tanzfläche. Wer mitmachen will, schaut einfach auf der Bene Facebook Wall oder auf der ´lunchbeat homepage´ − denn eine weitere Regel besagt: die Events müssen öffentlich sein. Außer Bene veranstaltet in Wien noch der Lutz-Club Lunchbeats, vor kurzem gab es den ersten in Salzburg.


Fit for Work


Die Grundidee des Konzepts geht auf: Raus aus dem Alltag, Spaß haben, Leute treffen, unkompliziert sein. Und für die Fitness tut man auch noch was. Dafür sorgt Regel Nr. 1: "Wenn du zum ersten Mal beim Lunchbeat bist, musst du tanzen." Und Regel Nr. 2: "Wenn du zum zweiten, dritten oder vierten Mal beim Lunchbeat bist, musst du tanzen". Deutlicher geht’s nicht. Sich in der Ecke am Wasserglas festhalten, ist also nicht drin. Und wer normalerweise erst nach ein paar Gläsern Wein warm wird, muss sich auch was anderes überlegen. Die neunte Regel empfiehlt: Kein Alkohol oder sonstige Drogen. Nach Ansicht der Fotos auf Facebook waren sich manche nicht so sicher, ob auch dies eingehalten wurde. Die Stimmung scheine so lustig, ob da wirklich kein Alkohol im Spiel gewesen sei? Die Überlegung ist berechtigt, gibt es doch sonst kaum Feten ohne "echte" Drinks. Schon gar nicht in Österreich. Aber beim Lunchbeat funktioniert es "ohne" ganz offensichtlich super.


Balance-Akt


Das freut auch die Chefs, von denen manche fürchteten, ihre nachmittäglichen Post-Lunchbeat-Mitarbeiter eher "unter" denn am Schreibtisch vorzufinden. Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall. Denn Bewegungspausen im Job kurbeln die Produktivität an. Man ist fröhlicher, denkt flexibler und arbeitet mitunter schneller. Lunchbeaten lässt sich insofern bestens mit den Ideen des "neuen Arbeitens" vereinbaren. Gute Work-Life-Balance also, oder eher: Work-Dance-Balance!

Ruth Weismann
Photos: Andrea Hirsch







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