Blade Runner wird wahr
Der Begriff Medientechnik ist weitgefasst auf der ISE 2010, der größten europäischen Messe für Medientechnik, die vor kurzem in Amsterdam stattfand.Obwohl die junge Messe erst seit kurzem etabliert ist, wurden in diesen drei Tagen über 28.000 Besucher registriert: eine beeindruckende Zahl für eine vermeintliche "special interest"-Veranstaltung. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass die Aussteller auf dieser Messe fast alle zur Avantgarde der Technologieunternehmen zählen und hier die machbaren, aber erst in naher Zukunft breitenwirksamen Entwicklungen präsentieren.
Abgesehen von den bereits jetzt ausgereiften Technologien – wie OLed Displays, Digital Signage, MultiTouchscreens und 3D-Visualisierung – dominieren auf der Messe zwei Leitthemen, die auch untereinander in engem Zusammenhang stehen: Energieeffizienz und Vernetzung.
Energie-Effizienz
The Green Issue, ist bei allen Geräteherstellern zu einem wettbewerbsrelevanten Faktor geworden. Hier sind noch große Marktpotenziale vorhanden.
Interessanterweise sind es gerade die großen IT-Unternehmen, die in diesem Bereich aktiv sind: Intel entwickelt Bausteine für das "Intelligent Home Energy Concept", Microsoft präsentiert mit "Hohm" eine eigene Software und sogar Google hat ein "Powermeter".
Im Bereich der Displays und Projektoren werden LEDs die heute üblichen Leuchtstoffröhren und Hochdrucklampen ablösen. Firmen wie Samsung beginnen bereits mit der Umstellung, alle anderen verfolgen ähnliche Konzepte. Features wie ein eingebauter Office und PDF Reader erlauben es, direkt vom USB Stick oder Netzwerk zu präsentieren. Die Vorteile dieser neuen Generation von Displayprodukten bestehen nicht nur in der Energieeinsparung, sondern auch im geringen Gewicht und der kleineren Bauform. Und die Betriebskosten sinken signifikant durch die Effizienz und Langlebigkeit der Leuchtdioden.
Am anderen Ende der Displayprodukte stehen die großformatigen Anzeigen, die dank LED-Technik nun endlich die Größe einer Hausfassade annehmen können – und den alten Architektentraum der Medienfassade realisierbar machen. Seit dem Film "The Blade Runner" aus dem Jahr 1982 sind Entwürfe mit bespielbaren Fassaden immerwährender Teil von Architekturwettbewerben. Jedoch scheiterte die Realisierung bis heute meist an den Kosten und der Technologie. Hier ist ein ganz neues Produktsegment entstanden: die "Architectural Displays", beginnend mit raumhohen LED Vorhängen bis hin zu beliebig erweiterbaren Modulen, die komplette Gebäude einhüllen können.
Vernetzung
ist die Voraussetzung dafür, dass alle Haustechniksysteme wissen, wann was zu tun ist und dass deren Status jederzeit kontrolliert und geändert werden kann.
Diese "Connected Building"-Technologie hat Bene im neuen Headoffice in Waidhofen an der Ybbs mit dem cTrixs System schon konsequent umgesetzt: Das schalterlose Büro ist hier Realität. Jedes IP-fähige Endgerät kann als Fernbedienung für die gesamte Haustechnik eingesetzt werden, auch die Medien- und Lichttechnik wird so gesteuert. Die Umsetzung einer UPI (Unified Physical Interface) Verkabelung wird in Zukunft alle bisherigen Medientechnik-, Steuer- und Busleitungen ablösen. Jedes Endgerät hat eine IP Adresse und wird über das Netzwerk gesteuert. Die Medieninhalte werden an Netzwerkprojektoren gestreamt, die Vielfalt an dedizierten Kabel- und Steckertypen hat ein Ende. Der VGA Anschluss steht vor einem ähnlichen Schicksal wie der "PrinterPort", falls den noch jemand kennt.
Damit ist auch das Ende der klassischen Medientechnik vorgezeichnet. Im Businessbereich wird sich sehr rasch der Übergang zu reinen Software-gesteuerten Anlagen durchsetzen, das Signalmanagement erfolgt nur mehr über entsprechendes Routing im Netzwerk. Passend dazu der Slogan "Control Anything, Over Anything, from Anything, Anywhere" für eine entsprechende Steuersoftware des Herstellers Stardraw Control.
Dies bedeutet auch die radikale Vereinfachung der Kabel- und Steckertypen. In absehbarer Zeit wird es nur mehr einen einzigen Standard geben: Netzwerkleitungen. Auch hier ist Bene mit MediaNet System, das gemeinsam mit dem Partnerunternehmen :3C! Technologies entwickelt wurde, seit langem führend. Für Medientechnikinstallationen werden seit einigen Jahren nur mehr CAT6 Datenleitungen eingesetzt, allerdings noch mit den üblichen Medientechnikanschlüssen auf der Nutzerseite. Diese MediaNet Komponenten präsentierte Bene gemeinsam mit dem neuen P2 Backboard und Ultraweitwinkelprojektor auf der ISE 2010.
Auch wenn auf der ISE 2010 die Herstellerspezifischen Medientechnik-Systeme dominierten, so war das ferne Donnern eines Gewitters, das diese Technologien recht schnell hinwegspülen wird, schon deutlich zu vernehmen. Aber so wie die Vinyl-LP nie ganz verschwunden ist, wird es auch in diesem Markt immer eine Nische für diese klassischen Konzepte geben.
Markus Eiblmayr






