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Humane Technologie für Knowledgeworker
21. Sep. 2010

Humane Technologie für Knowledgeworker – please, keep it simple!

Ohne technologische Tools ist Büroarbeit nicht mehr vorstellbar. Handy, Laptop und Internet haben die Prozesse unserer Arbeit massiv verändert. Die interessante Frage dabei ist zweifellos: wie geht es weiter? Was kommt da noch alles auf uns zu – und laufen wir vielleicht Gefahr, dass uns die Technologie zu komplex wird?

Sie ist ein Klassiker des Science-Fiction-Genres: die Technologie, die sich gegen den Menschen wendet. Ob in Form eines nicht mehr steuerbaren Bordcomputers im Raumschiff, eines Androiden, der plötzlich selbstständig zu denken beginnt, oder anderer künstlich erschaffener Intelligenz, die sich an keine menschlichen Regeln mehr hält. Der Zauberlehrling – so scheint es – entwirft ohne Unterlass, was er irgendwann nicht mehr beherrschen kann.

Ok, zugegeben, wir sollten doch etwas realistischer bleiben. Die Wirklichkeit im Büroalltag ist weit weniger dramatisch. Dennoch kennt wohl jeder von uns das leicht irrationale Gefühl, als hätte sich manchmal die Technik gegen uns verschworen: Ein Computerprogramm reagiert nicht; die kabellose Tastatur nimmt Befehle nur entgegen, wenn sie Lust dazu hat; herunterfahren lässt sich der PC natürlich auch nicht; das Handy, das man vor Wut klingeln hat lassen, zeigt den verpassten Anruf nicht an; und solange der IT-Support nicht da ist, hat die Welt kurz aufgehört sich zu drehen.


Technik human machen


Zum Glück sind das Einzelfälle – auch wenn sie uns deutlich in Erinnerung bleiben. Meist, so müssen auch Skeptiker zugeben, funktioniert die moderne Technik ziemlich reibungslos. Ein Vorwurf allerdings bleibt: Sie ist oftmals zu kompliziert in der Bedienung. Wenn man tagelange Schulungen braucht, um die Lichtsteuerung im Vortragsraum einigermaßen in den Griff zu bekommen, dann läuft etwas falsch. Generell bleibt damit im Gedächtnis: Je komplizierter eine Anwendung, umso unbrauchbarer ist sie in der Regel in Hinblick auf ihre Produktivität. Somit bewahrheitet sich die Aussage, dass der Alltag der größte Prüfstein jeder Innovation ist.

Der technologische Fortschritt der letzten Jahrzehnte war enorm, keine Frage. Heute geht es deshalb auch nicht unbedingt darum, ein "Mehr" an Technologie zu erschaffen, sondern Anwendungen "humaner" zu designen - bestes Beispiel: die Entwicklung spannender und intuitiver Bedienoberflächen. Es geht um "funktionelle Einfachheit bei struktureller Komplexität – also leicht zu bedienen, aber schwer zu verstehen", wie Norbert Bolz von der Technische Universität Berlin formuliert. Wobei das "Verstehen" bei den technischen Experten angesiedelt ist, der User will - schlicht und einfach - Usability.


Technology all around


Schwer zu verstehen und allgegenwärtig, das sind sie demnach zweifellos: die Hundertschaften an technologischen Features, die sich nicht nur in Kommunikationstechnologien, sondern in unserem gesamten Alltag verbergen. Schon mal kürzlich unter die Motorhaube oder ein Armaturenbrett moderner Autos geblickt? Leicht zu bedienen und wirklich sinnvoll? Nicht immer. Bei Mercedes etwa hat man in den letzten Jahren hunderte Techno-Funktionen als "over done" entsorgt. Sogar Schalter wurden wieder zu Drehknöpfen umgebaut, weil die Drehbewegung einfach "menschlicher" ist.

Trotz solcher Bemühungen, Technik (wieder) anwenderfreundlich zu machen, müssen wir uns bewusst sein, dass die meiste Technologie für uns völlig unsichtbar ist. Kevin Kelly, Mitbegründer des Magazins Wired und Vordenker der Technologie- und Internetszene, sieht diesen Trend fortschreiten. Er postuliert sogar eine "one machine" – nichts ist mehr nicht im Internet. Dort werde man künftig nicht nur nach Webseiten oder Dokumenten suchen können, sondern auch nach Dingen. Per eingesetztem Chip werden Gegenstände vernetzbar macht. Utopie? Eher nicht! Schon heute sind die meisten Computer-Chips außerhalb von Computern in Verwendung.


Das papierlose Büro


Interessanterweise bleiben einige Ideen trotzdem auf der Strecke. Einst von Visionären herbeigeredet, ist heute klar: Das papierlose Büro wird auch in Zukunft nicht kommen. Dafür wird es eine Revolution in der Anwendung von Papier geben, nämlich das E-Paper. Dabei handelt es sich um Papier, das man wie einen biegsamen Monitor einsetzen kann. Die Vorteile gegenüber einem normalen Monitor: Das Material ist dünner, leichter und verbraucht deutlich weniger Strom, da dieser nur zur Veränderung der Anzeige benötigt wird. Das heißt, auch bei unterbrochener Stromzufuhr bleibt das Display aktiv. Dabei verfügt E-Paper über viele Eigenschaften, die normalem Papier ähnlich sind: So fällt das Lesen von Texten gegenüber herkömmlichen Bildschirmen leichter, weil es keine grobe Unterteilung in Pixel hat.
Derzeit wird E-Paper vor allem in mobilen Readern eingesetzt bzw. ersetzt in einigen Handys LCD-Displays. Aber auch Anzeigentafeln und Plakatwände könnten damit gestaltet werden. Vielleicht werden schon bald ganze Bürowände mit E-Paper tapeziert und kommen so zu virtuellem Einsatz. Auch die Verwendung als ultraleichter und faltbarer mobiler Monitor ist denkbar. Zahlreiche weitere Anwendungsideen gibt es bereits.


Erlebbare Präsentationen


Wissensvermittlung funktioniert natürlich dann besonders gut, wenn die Inhalte erlebbar werden. Powerpoint in allen Ehren, aber manche Vorträge sind einfach nur tödlich langweilig. Denn noch immer gibt es Vortragende, die ihre fein säuberlich vorbereiteten Präsentationen Punkt für Punkt ablesen. Am liebsten möchte man dann unauffällig einschlafen – oder die Inhalte spannender präsentiert bekommen. Und darum geht es heute: Wie kann ich Content spannend vermitteln, sodass er tatsächlich den Weg zum Zuhörer findet?

Natürlich hilft ein ausgeprägtes Redetalent, doch auch Techniktools können das Ihrige dazu beitragen, Storys impactstark zu visualisieren. Forscher der University of California machen es vor: Auf völlig neue Weise werden in großflächigen Präsentationsräumen komplexe Themen dargestellt. Selbst mathematische Gleichungen können als dreidimensionale Welt inszeniert werden. So wird Komplexität in Leichtigkeit überführt, und Wissen greifbar.

Womit der Kreis zu modernen Arbeitswelten sich wieder schließt, wo die Wechselwirkung von Kommunikation, Interaktion, Mobilität und Kreativität zunehmend den wirtschaftlichen Erfolg bestimmt. Unterstützt von einer Technologie, die simpel in ihrer Nutzung, effizient in ihrer Konfiguration, aber vor allem breit in ihrer Wirkung Wissensarbeit fördert. Mit einem Wort: Die Zukunft kann also kommen! – Wir haben alles im Griff.
Haben wir?

Anna Voltren







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