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On Location: Check In At Bene
1. Sep. 2011

On Location

Location Based Services werden weltweit zur Kundenbindung eingesetzt, denn vom Tausch Incentive gegen Mundpropaganda profitieren beide Seiten. Im B2B-Bereich gilt es jedoch, den Nutzen subtiler zu verorten: Jenseits von Freibier und Goodies steigt der Grad an Vernetzung.

"Hast du schon eingecheckt", fragt mich Josef Schrefel letztens, als ich ihn bei Bene besuche, und grinst. "Na los, mach schon! Und dann geh gleich rüber zum Empfang, dort bekommst du ein kleines Geschenk dafür." - Ich bin ein wenig verwirrt. Einchecken bei Bene? Bin doch nicht am Flughafen oder im Hotel... Auch die Reihenfolge mutet seltsam an: Wo Check-Ins üblicherweise von den jeweiligen Empfangsdamen durchgeführt werden, heißt es hier erst einchecken, dann zum Empfang?

Die Erklärung folgt auf den Fuß: "Eingecheckt" wird via Handy. Location Based Services (LBS), sprich: Dienste, die an den jeweils aktuellen Aufenthaltsort des Users anknüpfen, machen es möglich, einem ausgewählten Empfängerkreis mitzuteilen: Hier bin ich gerade! Der primäre Nutzen liegt dabei in der Möglichkeit spontaner Zusammenkünfte. Befinden sich Freunde ebenfalls in der Nähe, könnten sie ja gleich mitkommen in die Gelateria Giovanni.

Platzhirsch unter den LBS-Anbietern ist Foursquare, 2009 in New York als Community Plattform gegründet. Der per se simple Grundgedanke individueller Verortung: "Ich bin da - wo bist du?", hat mittlerweile jedoch eine gewaltige Verwandlung – und durchaus positive – Kommerzialisierung erfahren. Klar: Wenn ich per "Check-In" meinen Aufenthalt in der Gelateria Giovanni kommuniziere, dann ist zwar vielleicht gar kein Stracciatella-affiner Freund in der Nähe, dafür haben aber alle den Namen meiner bevorzugten Eis-Tankstelle gelesen – und Giovanni zwirbelt sich den Schnurrbart vor Freude über die Markenpräsenz und unbezahlte Mundpropaganda.
Und weil er schlau ist, schenkt er künftig jedem, der bei ihm eincheckt, eine Portion Waffeln: Im Tausch Anreiz gegen Werbung steigen Kunden und Anbieter gleichermaßen gut aus.

Eingecheckt werden kann im Prinzip überall: In Parkanlagen, Schanigärten, U-Bahnstationen... Falls es sich dabei um einen öffentlichen Ort, möbliert mit PARCS handelt, hält Bene eine kleine Überraschung für Sie bereit: Sie sehen, es klappt nicht nur in der Eis-Branche.

Einen besonderen Twist bekommt Foursquare jedes Mal dann, wenn es von Anbietern genutzt wird, mit deren Namen sich keine physische Location verbindet und deren "Werbegeschenke" ebenfalls immateriell sind: Politik- und Medienbranche dealen mit Information, die Filmbranche mit Entertainment. In der Praxis lässt etwa Barack Obama die Wähler an seinem präsidialen Arbeitstag teilhaben. Bei jedem Staatsbankett wird eingecheckt.

Der History Channel verwandelt via Fourquare die Welt in ein Pop-Up-Buch. Wer dem Account folgt, wird häppchenweise mit Geschichtsunterricht versorgt: "An dieser Stelle wurde 1853 der erste Aufzug errichtet." "Hier, wo sie soeben stehen, wurden im 12. Jahrhundert unverkäufliche Schweine an Spitäler verschenkt."

Wer’s kuscheliger mag, kann dem Account des Filmes "Valentine’s Day" folgen. Hersteller Warner Bros. hat dem Chickflic einen passenden Foursquare-Auftritt verpasst und verteilt Tipps für 50 Romantik-Locations.

Auch mehr und mehr Bildungseinrichtungen entdecken den Nutzen von LBS für sich und ihre Klientel. So etwa die Universität von Harvard, die konfusen Freshmen (Erstsemestrigen) via Foursquare hilft, sich auf dem fast 240 Hektar großen Campus zurecht zu finden.

In diese Fußstapfen tritt auch ein (deutlich kleiner dimensioniertes) heimisches Pilotprojekt: Eine Kooperation von Bene und der noch jungen Fachhochschule Campus 02 in Graz belohnte im Aktionszeitraum jedes fleißige Einchecken der Studierenden mit einer Überraschung...
Zum Einsatz kam hier allerdings nicht Everybody’s Darling Foursquare, sondern das in Österreich noch weniger beachtete Tool Facebook Places. "Für Bene ist Facebook einfach spannender", sagt Josef Schrefel, beim Büroexperten verantwortlich für Social Media. Das läge an der konkurrenzlos großen Mitglieder-Zahl und daran, dass die Check-Ins auf der Pinnwand der Nutzer angezeigt, somit von allen Facebook-Freunden gesehen werden können. Auch von solchen, die, selber eincheck-abstinent, den Dienst gar nicht nutzen.

Wer also bei einer Bene-Veranstaltung wie etwa dem Saturday in Design in Singapur oder in einem Schauraum ist, findet dafür den passenden Facebook Place: "Wir haben sehr viele Kunden und Architekten, die unsere Schauräume oder das Headoffice besuchen. Die wollen wir mit unseren Buttons und Specials dazu bewegen ihren Freunden mitzuteilen, dass sie gerade bei Bene sind."

Hilft der Marke, stützt aber auch die Community der Mitarbeiter intern. Die Welt rückt einfach ein Stückchen näher zusammen, wenn Designer in London wissen, was sich gerade in Waidhofen tut. Und Mitarbeiter in Wien können sehen, wer gerade im Schauraum in Singapur zu Besuch ist. Das Abstrakte wird konkret erfahrbar und sichtbar, der physische Ort findet sein Pendant im Social Web und steht somit weltweit offen. Insbesondere dann, wenn Besucher beginnen, ihre persönlichen Schauraum-Schnappschüsse hochzuladen!

Gerne angenommen wird es jedenfalls. Das zeigt nicht zuletzt der Bene-Foursquare-Account: Zu den einzelnen Locations finden sich hier Tipps aus dem Bene Trendletter Office.Info oder aus Projektberichten. Ein, wenn man so will, kleiner Versuchsballon – allerdings einer, der mittlerweile mehr als 750 Follower verzeichnet...

Auch ich habe inzwischen – wie gewünscht – bei Bene Wien eingecheckt und hole mir meine Überraschung beim Empfang ab (die verrate ich Ihnen aber nicht...). Next Stop: Gelateria Giovanni und ab in den Park. Einchecken in den Spätsommer!

Nicole Kolisch







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