KASPER SALTO, Sankt Peders Straede 22
Büro am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal erzählt Kasper Salto wie es ist, in Atelier-Atmosphäre aufgewachsen zu sein, und was er heute am eigenen Studio schätzt: gutes Werkzeug und eine Werkstatt als beste Voraussetzungen für das konkrete Realisieren seiner Ideen. Kasper Salto im e-mail-Austausch mit Nicole Schemerl-Streben und Désirée Schellerer.Kasper Salto wurde 1967 in Kopenhagen in Dänemark geboren. Seine Mutter, Naja Salto, war Künstlerin und sein Vater Sven Poulsson Architekt. Seine Großmutter Gerda Åkesson war mit Axel Salto verheiratet. Beide waren Künstler. In seiner Verwandtschaft väterlicherseits gab es einige Architekten, unter ihnen sein Urgroßvater Magnus Poulsson, der zusammen mit dem Architekten Arnstein Arneberg das Rathaus von Oslo entworfen hat.
Kasper schloss 1988 seine Ausbildung als Möbeltischler ab. Anschließend machte er 1994 seinen Abschluss an der Danish Design School. Von 1994 bis 1998 arbeitete Kasper Salto für den Designer Rud Thygesen, einem renommierten dänischen Möbeldesigner. Zu diesem Zeitpunkt hat er Peter Staerk kennengelernt. Diese beiden Freundschaften hatten großen Einfluss auf seine berufliche Laufbahn. 1997 entwarf er für Peter Staerk den Runner-Stuhl, der diesen sowohl in Dänemark als auch im Ausland bekannt gemacht hat.
1998 eröffnete Kasper Salto sein eigenes Studio in Christianshavn, wo er auch wohnt. Im Jahr 2006 hat er das Büro in die Sankt Peders Stræde 22 im Zentrum von Kopenhagen verlegt.
Kasper Salto arbeitet hauptsächlich für die Firmen Fritz Hansen, DubaB8, Engelbrechts Furniture, Stærk design und Lightyears. Er hat eine Reihe von Designauszeichnungen für seine Arbeit erhalten, nämlich 2003 den "Furniture Prize", und zuletzt, im Jahr 2010, den "Finn Juhl prize".
Sie müssen von den Künstlern Ihrer Familie beeinflusst worden sein. – Wie hat die Atmosphäre im Studio Sie in Ihrer Kindheit und in Ihrer Entscheidung für diesen Beruf beeinflusst? Erinnern Sie sich an diese Arbeitsorte?
Meine Mutter ist Künstlerin und mein Vater Architekt, also denke ich, dass es auf der Hand lag, etwas mit Design zu machen. Es hat mir immer Spaß gemacht, Dinge zu erfinden, und Dinge in meinem Kopf und mit meinen Händen zu erschaffen.
Zeichnen und kreative Arbeit wurden von meinen Eltern oft belohnt. Also eine gute Zeichnung wurde weitaus mehr geschätzt als eine gute Schulnote in Mathematik... Ich erinnere mich, als ich noch ein kleiner Junge war, 5 oder 6 Jahre alt, machte ich diese Zeichnung einer Rennstrecke für meine Matchbox-Autos, und ein paar Jahre später entwarf meine Mutter – inspiriert durch diese Zeichnung – einen Teppich zum Spielen für Kinder mit Wiesen, Straßen und Häusern darauf. Er ging allerdings niemals in Produktion, und so lag der Prototyp viele Jahre lang in meinem Zimmer.
Ein weitere Frage: Wie sehen Sie die eventuelle unterschiedliche Mentalität der Skandinavier bezüglich unterschiedlicher Arbeits- und Designstile?
Ich denke, dass die Unterschiede heutzutage nur schwer zu erkennen sind, aber dennoch glaube ich, dass es in Skandinavien die Mentalität gibt, relevante und pragmatische Lösungen zu haben. Qualität ist für die Dänen ein sehr wichtiges Thema.
Haben Sie einen "Hauptarbeitsort", und wenn ja, wo?
Mein Studio befindet sich mitten in der Stadt in einer netten Straße mit dem Namen Sankt Peders Straede. Es liegt in der Altstadt nur zwei Minuten vom Rathaus entfernt. Das ist mein Hauptarbeitsort.
Hinter dem Studio ist ein fantastischer Garten mit vielen Pflanzen, Bäumen und Vögeln. All das ist umgeben von den alten Häusern Kopenhagens in den verschiedensten Farben, sodass wir, wenn die Sonne scheint, oft dort zu Mittag essen. Es tut so gut, dort draußen eine Pause zu machen, wenn wir so viel Arbeit haben.
Arbeiten Sie gerne stets am gleichen Ort oder bevorzugen Sie, Ihre Arbeitsumgebung zu wechseln?
Ich wäre gerne die ganze Zeit über im Studio, aber im Moment bin ich sehr viel unterwegs. Ich bin gerade erst aus Oslo, Norwegen, zurückgekommen, wo ich den Partnern von Fritz Hansen meinen neuen Stuhl vorgestellt habe. Davor tat ich das in Mailand, Düsseldorf, Antwerpen, New York und London. Und im September fliege ich nach Melbourne, Brisbane, Noosa, Sydney und dann nach Tokio.
Welche Bedeutung messen Sie Ihrem Büro/Studio als Ort bei?
Sehr wichtig für mich, wenn ich an einem bestimmten Projekt arbeite.
Welche Funktionen muss es erfüllen?
Die wichtigsten Funktionen haben die Werkstatt im Kellergeschoss, und die Tatsache, dass es Treffpunkt mit unseren Kunden ist. Wir haben vier Räume, Küche, Bibliothek, Werkstatt und dann noch den Raum, wo wir an unseren Computern sitzen. Insgesamt 120 m2, sehr gut für zwei Personen!
Was mögen Sie nicht an Ihrem Büro?
Manchmal kann es im Sommer laut und heiß sein, da das Studio auf der Straßenseite liegt. Aber dann gehe ich in den Keller, wo es ruhig und auch kühl ist.
Ist Ihr Büro für Sie ein Ort der Inspiration, der Kreativität?
Ja, es ist toll, alles hier zu haben, Beispiele von früheren Projekten, Werkzeug in der Werkstatt, einen Plotter und eine CNC-Maschine.
Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Büro etwas über Sie aussagt? Und was?
Ich mag interessante Objekte und gute Erfindungen, und auch die Tatsache, dass ich auch als Möbeltischler ausgebildet bin. Also findet man hier auch gutes, nützliches Werkzeug.
Gibt es Orte, wo sie besonders gerne arbeiten?
In der Werkstatt, wo ich meine Prototypen fertige!
Wo hatten Sie die zündende Idee für den NAP-Stuhl – im Büro oder woanders?
Die Idee ist hier und anderswo entstanden. Als ich den Auftrag von Fritz Hansen bekam, fuhr ich nach Paris in unsere Wohnung und habe dort sehr viel darüber nachgedacht, wie ich diese Aufgabe angehen könnte. Aber die ganze praktische Arbeit wurde im Studio umgesetzt, und auch neue Ideen bezüglich des Stuhls sind dort entstanden.
Was sind Ihrer Meinung nach die radikalsten Veränderungen in Ihrem "Büroalltag/Ihrer beruflichen Laufbahn" gewesen?
Der Umzug von meinem kleinen Studio am Christianshavn an diesen Ort der Stadt mit mehr Platz.
Gibt es Rituale (Ihren Büroalltag betreffend), die für Sie wichtig sind?
Meinen Kaffee mit der Pavoni-Maschine zuzubereiten.
Was ist in Zusammenhang mit Ihrer Arbeit Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Gute Prototypen zu fertigen.
Ist das "der Moment der Wahrheit" im Designprozess?
Ja, die Konzepte zu Prototypen zu machen, zeigt einem immer die Wahrheit über das gesamte Objekt: Wir können es testen, bevor wir es irgendjemanden zeigen. Es ist besser, jemanden zu überzeugen, wenn man das "reale" Objekt für die Präsentation zur Verfügung hat.
Was ist für Sie der wichtigste Gegenstand in Ihrem Büro?
Die CNC-Maschine in der Werkstatt. Diese computergesteuerte Technik ermöglicht das 3D-Fräsen, mit dem kompliziertere 3D-Konturen erzeugt werden können.
Was ist Ihr persönlichster Gegenstand in Ihrem Büro?
Die 3D-Tafeln. Sie enthalten Dinge, die für mich einen hohen Stellenwert haben: Sie zeigen wie Dinge gemacht sind, und wie fest/leicht etc. dieses oder jenes Material ist. Es ist toll, Beispiele zur Hand zu haben. Und einige der Sachen, wie etwa die Propeller, sind einfach gute Beispiele für gutes Design. – Und wenn Design für einen bestimmten Zweck, und nicht nur aus ästhetischen Gründen gemacht wird! Es ist auch eine Art historische Aufzeichnung von alten Projekten, die Informationen für neue Projekte enthalten.
Was ist für Sie das wichtigstes Werkzeug in Ihrem Büro?
Das Whiteboard anhand dessen ich Entwürfe mit meinem Partner Thomas Sigsgaard besprechen kann. Thomas und ich arbeiten nun seit 8 Jahren an Beleuchtungsprojekten. Unser bekanntestes Projekt ist vermutlich die Nosy-Tischleuchte. Wir treffen einander fast täglich und besprechen unsere Projekte.
Thomas ist Architekt. Daher sind wir in der glücklichen Lage, zwei verschiedene Zugänge zu Design zu haben. Ein Haus zu planen bedeutet, alles genau zu planen, Logistik ist in diesem Bereich wichtig. Also mit Thomas‘ umfassender Sichtweise und seinen sehr guten theoretischen Ansätzen geben wir ein gutes Paar ab. Wir verwenden das Whiteboard oft, um dem anderen die Entwürfe zu erklären. Wir löschen die Tafel jedes Mal für ein neues Projekt, um sicher zu stellen, dass wir ganz von vorne anfangen.
Haben Sie Leute, die fest in Ihrem Studio arbeiten?
Wir hatten einen sehr guten Mann, der uns ein paar Jahre lang im Studio geholfen hat, Antonio Scafiddi. Aber jetzt hat er seine eigene Firma.
2002 haben Sie einen Entwurf für ein Projekt mit dem Namen "Das Büro der Zukunft" für Fritz Hansen gemacht. Sie haben das Büro auf eine Bank reduziert, auf der man drei Dinge tun kann: denken, sich ausruhen und kommunizieren. Haben Sie das Konzept aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen/Bedürfnisse entworfen? Nutzen Sie noch einen Prototyp davon in Ihrem Büro? Wie sehen Sie rückblickend das "Büro der Zukunft" heute im Jahr 2010?
Tatsache ist, dass jeglicher Papierkram heutzutage digital archiviert werden kann, folglich brauchen wir weder Papier, Stifte, Büroklammern, Locher, Ordner, Klebebänder, Scheren noch den anderen Kram, den wir normalerweise auf dem Tisch stehen haben würden. Und so brauchen wir auch keinen Tisch mehr. Was tun wir also in Zukunft? – Mit dem Kopf arbeiten und unterwegs sein, und daher müssen wir uns auch ausruhen können. Also warum sollte man seinen Mitarbeitern nicht die Möglichkeit geben, ihre Batterien tagsüber bei einem kurzen Schlaf von fünf Minuten wieder aufzuladen?
Deshalb habe ich die wichtigsten Bedürfnisse aufgegriffen und dieses Möbelstück entworfen. Als ich es vor einigen Jahren in Japan vorgestellt habe, haben sie das Konzept dort sofort verstanden.
Da wir aber immer noch viel auf Papier ausdrucken, und immer noch viele Büroklammern usw. verwenden… Ich denke, es wird noch eine Weile dauern, bis (tatsächlich) neue Arbeitsmethoden Wirklichkeit werden.
Ihr größter Wunsch in einem Büro?
Überall Ordnung zu haben, ein altes Sprichwort sagt: Ein Platz für alles und alles an seinem Platz.
Vielen Dank für Ihre Antworten – und nun genießen Sie Ihren Urlaub!









