Stoff trägt wieder Muster
Textilien mit Mut zu Farbe und Muster machen im Büroumfeld gerade Furore. Das Graue-Maus-Image hat endgültig ausgedient. Stattdessen wandelt sich das Office soeben auch farbtechnisch zur abwechslungsreichen Kulisse und bietet noch mehr Raum für Individualität. Wir lassen das Thema „Textile Muster“ für Sie Revue passieren....Sind Sie eher der Streifen- oder der Karo-Typ? Haben Sie je Pepita getragen oder doch eher das extravagantere Paisley? Die Liaison zwischen Stoffen und Mustern ist so alt wie unsere Geschichte und beschäftigt Designer bis heute ungebrochen, mitunter leidenschaftlich. Der Variantenreichtum ist unendlich, manche Klassiker kennt man vielleicht sogar aus der eigenen Gaderobe: Burberry Check, Fischgrat, Hahnentritt. Die ersten Tartans fand man übrigens in Japan, lang bevor die schottischen Clans ihre Familienzugehörigkeit damit dokumentierten und Muster schon damals ganz bestimme Signale aussandten. Denn natürlich waren die Zeichen, mit denen man sich kleidete oder seine Räume dekorierte, nie rein zufällig und bald richtig symbolträchtig. Schafften Zugehörigkeit oder Ausgrenzung, wurden von Royals bevorzugt oder nur von weniger Privilegierten getragen – ganz was man darstellte.
Menschen verändern sich, Räume auch
In der Architektur spielte das Thema Textil eine ähnliche Rolle. Tapeten, Vorhänge, Teppiche, Polsterungen prägten alle ihre Zeit. Räume entwickelten mit Hilfe von Stoffen und Mustern visuelle und haptische Persönlichkeiten. Allerdings blieb die Anwendung lange Zeit auf zwei Bereiche fokussiert und konzentrierte sich entweder auf repräsentative oder private Räumlichkeiten.
Die Büro-Architektur schien lange Zeit "hart" genug, um auch in den Materialien und Oberflächen "unnachgiebig" zu bleiben. Doch irgendwann ging es der "Praktisch-kühl-abwischbar"-Mentalität aber doch an den Kragen und man begab sich auf die Suche nach einer neuen, emotionaleren Komponente des Büros. Bene erkannte den Trend in den 1970er Jahren und eröffnete der Bürogestaltung als einer der ersten völlig neue Perspektiven. Möglich wurde das durch die außergewöhnliche und vitale Kollektion von Mira-X. Design-Ikone und Architekt Verner Panton, der unter anderem für Vitra den Panton Chair entworfen oder für das Verlagshaus des "Spiegel" in Hamburg das Interieur gestaltet hatte, entwickelte für den Schweizer Textilverlag Mira-X psychedelische Muster in kräftigen Farben – bevorzugt in Rot mit unendlichen Schattierungen, die für Teppiche und Wandelemente eingesetzt wurden. Bene hatte die Generalvertretung inne.
Der Auftritt der Waagrechten
Hatte diese erste "textile" Revolution die bis dato gewohnte Büro-Optik mit einer wahren Farbexplosion wachgerüttelt, vereinte die nächste Generation Raumfunktionalität und Design auf hohem Niveau. Angela Hareiter, Designerin und Architektin, entwickelte für Bene in den 1980er Jahren sensible Stoffkollektionen, die es sich zwar ebenso zum Ziel gesetzt hatten, das alltägliche Bürograu zu durchbrechen, allerdings auf subtilere Art und Weise. Das Außergewöhnliche daran: "Die Stoffe gingen eine Symbiose mit der Architektur ein, konzentrierten sich auf Wände und Stellflächen und beeinflussten mit ihrer gerillten horizontalen Struktur die gesamte Raumwahrnehmung", so Meinrad Fixl, langjähriger Marketingleiter und Designexperte der ersten Stunde bei Bene. Die Muster und Farben waren nicht nur Selbstzweck, sondern erhielten durch die besondere Webart der Stoffe eine changierende, optische Mehrdimensionalität. Spätestens ab diesem Zeitpunkt waren Textilien bei Bene – und im Büro – nicht mehr wegzudenken.
Büro wird wohnlich
Wände, Paneele, Raumteiler, Sitzgelegenheiten – sie alle haben die textile "Revolution" in den letzten Jahrzehnten mitgemacht. Stoffe mit qualitativ hoch entwickelten Produktspezifikationen stehen heute sowohl für Designakzente als auch für technische Funktionen wie Schallschutz oder Abschirmung.
Ein Unterschied zu früheren Jahren ist dennoch bemerkenswert: "Waren Stoffe und Muster damals Teil der Architektur, stehen sie heute in einem dekorativen Zusammenhang", sieht Fixl neues Potenzial. "Damit wird auch der Einsatzbereich vielfältiger. Ob großzügig gestalte Wandflächen oder einzelne Sitzmöbel, Textilien sind in hohem Maße wandlungsfähig geworden – und zwar genau so, wie es die unglaublich raschen Veränderungen im Lebensraum Büro verlangen."
Und das ist auch schon der Grund: Denn wer nach diversifizierten Arbeitsumgebungen verlangt, die inspirierend, kommunikativ und informell sind, die Rekreation und Kreativität fördern, die nicht nur Arbeitsraum, sondern vor allem Lebensraum sind, sieht mitunter gerne auch mal Farben, sitzt weich und komfortabel, schätzt wechselnde Oberflächen und Abwechslung für das Auge.
Guter Stoff von Kvadrat
Mit PARCS und seinen stoffbezogenen, multifunktionalen Modulen hielt eine nächste Textilgeneration Einzug bei Bene. Innovativer und enger Kooperationspartner ist seit Produkteinführung die dänische Marke Kvadrat, Primärlieferant für eine Reihe der bedeutendsten Architekten, Designer und Möbelhersteller weltweit. Das Unternehmen wurde im Jahr 1968 als kleine Textilfirma gegründet und ist in Ebeltoft an der dänischen Ostküste beheimatet. Weltweit ist Kvadrat in zwanzig Ländern vertreten und macht 90 Prozent seines Gesamtumsatzes im Export.
Neben der außerordentlichen Produktqualität sowie nachhaltigen Produktionsverfahren liegt ein Hauptaugenmerk von Kvadrat auf der sorgfältigen Auswahl der Farben und Muster ihrer Kollektionen, denen man nachsagt, vom klaren Licht Skandinaviens beeinflusst zu sein und vom Blick aufs Meer. Nicht umsonst wurden die Stoffe für einige der symbolträchtigsten und architektonisch interessantesten Bauten der Welt spezifiziert, wie beispielsweise für The Gherkin in London, das Museum Of Modern Art in New York, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, den Reichstag in Berlin, das Guggenheim Museum in Bilbao, das DR Koncerthuset in Kopenhagen und das Opernhaus in Oslo. "Farbe ist untrennbar verbunden sowohl mit Textur als auch Form – sie ist mehr als der Pantone-Code", lautet hier das Credo. Für die Bene Sitzmöbel-Kollektion stehen nicht weniger als 350 Farben zur Auswahl.
Welcome (in) Greenwich
Auf der letzten Orgatec, der Kölner Bürofachmesse, präsentierte Bene ein neues Textil-Highlight: Greenwich nennt sich die exklusive Stoffkollektion, entworfen vom britischen Designerduo PearsonLloyd und von Kvadrat produziert. Greenwich bringt neue Farben und Muster ins Büro. Spannend ist der Entwurfsprozess für das großflächige Dekor des hochwertigen Jacquardgewebes: Die Designer ließen sich vom Wegenetz des Greenwich Park in London inspirieren, abstrahierten die Linienführung und setzten sie als großflächigen Musterrapport um. Der neue Stoff ist prädestiniert für den Einsatz auf den ebenfalls von PearsonLloyd designten Möbel-Programmen DOCKLANDS und PARCS. Stimulierend für das Auge des Betrachters, dennoch ohne abzulenken, verleiht dieser Stoff jedem Möbel einen besonderen Charakter und Originalität. Das organische Muster lockert große vertikale Flächen optisch auf und bringt subtil Dynamik ins Büro.
Die neue Kollektion Greenwich umfasst die vier Hauptfarben grau, cyan, grün, gelb in jeweils drei Farbstellungen – angelehnt an die Farben der Londoner Straßenbilder. Allerdings war der wesentliche Aspekt bei der Farbdefinition die visuelle Verträglichkeit im Büro: Die Wahrnehmung soll angeregt, aber keinesfalls überfordert werden. So wie wir auch in all den anderen Lebensräumen, in denen wir uns bewegen, Abwechslung suchen – ohne Overkill, oder besser: Inspiration klug dosiert.
Brigitte Schedl-Richter







