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14. Feb. 2008

Farbtrends und ihre Trendsetter

Color Sells... and the “Right” Color Sells Better! Klar also, dass Industrie und Wirtschaft ein enormes Interesse an der Vorhersage zukünftiger Farbtrends haben. Wer Produkte herstellen will, die beim Konsumenten auf entsprechende Gegenliebe stoßen, muss auch farblich umsetzen können, was die Menschen bewegt. Farbtrends sind keine unabsehbaren oder rein zufälligen Entwicklungen, sondern ein Spiegel der Gesellschaft.

Farben zeigen, was Menschen bewegt

Bescheidenheit oder Luxus? Elite statt Uniformität? Will man lieber auffallen oder in der Masse untertauchen? Und wie entwickeln sich die Vorlieben in den kommenden Jahren? Dies zu verstehen gibt Aufschluss über die zukünftigen Farbtrends. In wirtschaftlich schlechteren Zeiten etwa ist der Mensch in seiner Außendarstellung eher vorsichtig, Individualität wird – wenn überhaupt – nur sparsam über farbige Akzente signalisiert. Neutrale Farben mit klaren, bunten Tönen zu kombinieren, spiegelt das Bedürfnis wider, technischen Fortschritt und Natur miteinander zu versöhnen.


Die Farbpropheten


Farbvorhersage ist ein eigenes, weltweites und branchenübergreifendes Geschäftsfeld, das weitgehend unbemerkt vom Verbraucher agiert – diesen aber stärker manipuliert, als er das bewusst wahrnehmen soll.

Um nur einige Beispiele zu nennen: Für die "Color Marketing Group", dem führenden Weltverband hinsichtlich Farbforschung, beraten 1.300 Farbdesigner der unterschiedlichsten Branchen mehrmals jährlich über die rund 30 Leittöne, die etwa drei Jahre später weltweit die Richtung vorgeben sollen. Spezielle Messen präsentieren die Neuigkeiten bei Farben und Technologien, wie etwa die Colorexpo in Seoul, Korea – die führende Messe dieser Art für den wirtschaftlich aufstrebenden asiatischen Raum. Die Colorexpo findet heuer bereits zum vierten Mal statt. Und für 750 Euro gibt das neue Trendfarbbuch von Pantone branchenübergreifend Aufschluss über die Farbtrends in Mode, Kosmetik-, Einrichtungs- und Designindustrie für die Wintersaison 2007/2008.


Inspirationsquellen


Weil alles mit allem zusammenhängt, suchen Kosmetik- und Lackhersteller, Mode- und Einrichtungsdesigner, Küchen- und Schmuckproduzenten überall auf dieser Welt nach Hinweisen auf neue Lifestyle-Trends. Sie durchforsten Design-Magazine, besuchen Mode- und Kunstmessen, beobachten die Club-Szene in London oder Barcelona und stöbern in kleinen Avantgarde-Boutiquen in Berlin und Manhattan. In unzähligen Gremien werden diese Beobachtungen dann zusammengetragen und analysiert. Natürlich unter Einbeziehung politischer, wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Entwicklungen. In ökonomisch schwierigen Phasen zum Beispiel sind laut Trendexperten Pastellfarben vorherrschend, während leuchtende Farben eher dann ´in´ sind, wenn auch die Wirtschaft boomt.


Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, ….


Die Bestimmung zukünftiger Farbtrends mag eher wie Alchemie denn Wissenschaft aussehen, dennoch – die tatsächlichen Auswirkungen dieser Trendforschungen sind unbestritten: Sobald die Grundzüge der globalen Farbtrends erst einmal von den diversen Institutionen bestimmt und publiziert sind, erscheinen die neuen Farben sukzessive auf dem Markt. Am schnellsten reagiert auf neue Stimmungen die Kosmetikindustrie, es folgen Stoffhersteller, Farbproduzenten und Bekleidungsindustrie. Aufgrund von langen Produktionszyklen und Produktlebenszyklen ist eines der Schlusslichter die Autobranche.
Eine ganze Industrie beginnt – mitunter saisonal ­– an unser Unterbewusstsein zu appellieren, um eine entsprechend große Nachfrage nach den von Experten und Trendforschern bestimmten Farbtrends zu generieren. Bei der Umsetzung finden auch nationale Vorlieben Berücksichtigung.
Modemacher und Designer adaptieren die Farben für Produkte, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Und Autokonzerne zeigen in der Werbung neue Modelle in den vorhergesagten Modefarben, auch wenn im Handel noch ganz andere Töne erhältlich sind. Werbung und Marketing publizieren Farben und Produkte, die es so noch gar nicht gibt, um die Nachfrage zu pushen. Spätestens dann beginnt das Angebot die Nachfrage zu beeinflussen.


Ein Wechselspiel


Was also Trend wird ist ein Tauziehen zwischen Angebot und Nachfrage. Trends haben allerdings auch so etwas wie einen Lebenszyklus. Zuerst kommt der Überdruss vom Bestehenden. Dann das Aufbäumen einer kleinen Avantgarde, die bereits neue Trends im Underground lebt. Vieles davon kommt aus dem Untergrund nie heraus, manches davon aber wird populär und prägt schließlich den Zeitgeist. Irgendwann kippt der Trend wieder, nämlich dann, wenn er zu sehr zum Mainstream geworden ist. Es folgt eine Phase der Übersättigung, und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Eine scheinbar durchaus berechenbare Sache also, wenn der Mensch an sich nur nicht so fürchterlich launisch wäre….


Nicole Schemerl-Streben







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