Bene Büromöbel
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11. Dez. 2006

Gemeinsamkeit, Ritual und Mobilität

Der Mensch als Mensch im Arbeitsraum.

Raum und Mensch

Was immer der Mensch tut – er ist und bleibt Mensch. Ob er arbeitet oder spielt, träumt oder konsumiert, er ist nicht das Fragment seiner selbst. Wissensdurstig und neugierig ist er bedürftig nach Austausch mit anderen, nach Beschäftigung sowie nach Ruhe. Dass der Mensch einen grundlegenden Bezug zum Raum hat, ist ihm nur selten bewusst. Das Haus und seine Räume bestimmen die Art und Weise, wie er sich fühlt und wie er mit anderen zusammen ist. Raum und Architektur sind die permanente Bühne, auf der er sich anderen gegenüber verhält, spricht und handelt.
Das Haus ist ein Ort der Geborgenheit und Sicherheit, das dem Menschen die Möglichkeit bietet, sich zu sammeln und eine Mitte zu finden. Ein Ort der Intimität. Aber auch ein Ort der Geselligkeit und Gemeinschaftlichkeit, da er ihn mit anderen teilt. So erweisen sich Haus und Raum als grundlegende, existentielle Orte des Menschen. Häuser sind Einrichtungen, die den Menschen positiv ansprechen und motivieren, und ihm geistige, seelische und physische Orientierung geben.


Raum und Arbeit


Häuser sind Orte der konzentrierten Begegnung. Damit aber moderne Arbeitsräume, die fremde Menschen zu unterschiedlichen Tätigkeiten zusammenführen, zu Orten der Begegnung werden – nicht zu Orten bloßer Ansammlung – müssen sie bewusst gestaltet und eingerichtet werden.
Wer Räume für andere gestaltet und einrichtet, muss die Bedürfnisse der Menschen kennen. Denn Räume geben dem Menschen dann Geborgenheit, Sicherheit und Stärke, wenn sie seinen Bedürfnissen angemessen eingerichtet sind. Das Kunststück besteht darin, die allgemeinen menschlichen Bedürfnisse mit den individuellen Gewohnheiten in einer Raumordnung zu vereinen.
Seit der Industrialisierung haben Räume auf Ästhetik, Rationalität und Effizienz der Arbeit Bezug genommen, aber man hat übersehen, dass erst der Respekt vor der Individualität des Einzelnen Motivation schafft und die Kreativität beflügelt. Es handelt sich hierbei um ein Element der Nachhaltigkeit, die sich nicht nur auf die Ressourcen der Erde beschränkt, sondern sich auch auf den Menschen und seine Besonderheiten bezieht. Deshalb müssen Unternehmen mit ihren Mitarbeitern und der Mensch mit sich gut umgehen.


Rückzug


Der Mensch braucht für eine kreative Atmosphäre auch die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Damit er zu sich selbst kommen und sich erfrischen und entspannen kann, denn die Arbeit setzt sich aus allgemeinen und individuellen Komponenten zusammen. Räume des Rückzugs sollen zur Beruhigung beitragen und von einer wohltuenden Atmosphäre geprägt sein.
Der abgesteckte Raum, der mit dem Haus in die Welt kommt, ist eine kulturelle Errungenschaft des Menschen, die das Zerstreute sammelt und damit den Menschen selber zur Sammlung und Konzentration bringt. Der Vorgang des sich Zurückziehens ist ein Vorgang der Sammlung und ein Bemühen um die Mitte, die sozusagen das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit und des Selbstwertes ausmacht. Das Gefühl der Mitte stärkt Motivation und Kreativität.
Der Mensch braucht geordnete, gut gestaltete und den Geist, Seele und Körper des Menschen anregende und zugleich ihn beruhigende Räume, in denen er ungestört tätig sein kann.


Gemeinsames Arbeiten


Auch der gemeinsame Raum muss eine gemeinsame Mitte ermöglichen. Während der Mensch bei der Arbeit rationalen Dingen nachgeht, beschäftigen ihn parallel zu Arbeitsabläufen persönliche Angelegenheiten. Diese sind aber kein lästiges Abschweifen, sondern gerade das, was der Arbeit die persönliche Färbung gibt. Eine Besonderheit und Individualität. Aber wer mit andren zusammenarbeitet, muss gut mit ihnen arbeiten können. Er muss teamfähig sein und kompromissfähig. Er muss wissen und ertragen können, dass andere anders denken, fühlen und sich verhalten, er muss auch am Erfolg des Teams interessiert sein und auch in der Gemeinschaft den Punkt der Mitte finden. Auf die Räume bezogen heißt das, dass die gemeinsame Arbeit einen gemeinsamen Lebensraum schafft, der größer ist, als die einzelnen Lebensräume und dass die individuellen Arbeitsplätze und Arbeitsräume sich zu einem neuen Raum zusammenfügen lassen müssen.


Rituale


Wenn Menschen bei der Arbeit und durch sie motiviert werden und ihre Kreativität entwickeln sollen, müssen Arbeitsräume den emotionalen, physischen und geistigen Bedürfnissen der Menschen entsprechen. Das ist bei der Planung und Einrichtung von Büroräumen zu beachten. Nur wer sich immer wieder einmal zurückzuziehen und erfrischen kann, wird zur Teamarbeit die nötige Konzentration und Gelassenheit mitbringen.
Persönliche ebenso wie teambezogene Rituale müssen in Unternehmen möglich sein. Etwa durch speziell dafür gestaltete Räume oder durch Räume, die für unterschiedliche Rituale variiert werden können.
Rituale und die ihnen zugeordneten Räume erleichtern es, Gemeinsamkeit herzustellen und zu erleben. In einem Kloster kann man das sehr gut beobachten. Das Einlassen aufeinander ist das Einlassen auf einen gemeinsamen Ort wie Speisesaal, Andachtsraum, den Raum für ein informelles Gespräch über Erlebnisse des Tages. Der gemeinsame Ort symbolisiert eine gemeinsame Geschichte und eine gemeinsame Intention. Rituelle Orte sind Orte der Verbundenheit und Verbindlichkeit. Kulturelle Räume gehen über das Funktionale weit hinaus. In ihnen kann jederzeit auch das Bedürfnis nach Spiritualität befriedigt werden.


Mobilität


Sowohl Möbel als auch Menschen sind die Mobilität in einem Haus, das seinerseits Im-Mobilie ist. Möbel und Personen sind nicht ununterbrochen in Bewegung, aber für beide hat Beweglichkeit Bedeutung – auch für die Möbel.
Möbel können einen dynamischen Raum herstellen. Sie können Gegenstände einer Umstellung sein, eines Neueinrichtens, eines Einrichtens überhaupt, einer Veränderung von Positionen, einer Abstimmung auf Bedürfnisse und einer existenziellen Einstimmung. Möbel sind dem Menschen Stationen im Raum, erzeugen aber auch Wege von Station zu Station, die den Menschen zu Konzentration, zum Verweilen und zur Beruhigung einladen. Als Weg-Erzeuger eröffnen Möbel Räume, auf denen der Mensch sich bewegen kann. Wege erfüllen die Bedürfnisse nach körperlicher Bewegung. Wege eröffnen aber auch symbolische Räume und Räume unterschiedlicher Dichte und Wertigkeit.
Jedes Objekt und auch jedes Möbel hat einen Bezug zum Körper und regt ihn an. Es kann die Menschen im Büro festsetzen, aber es kann sie auch zu ihrer naturgegebenen Bewegung animieren. Und dies sollten sie auch tun, denn festsitzen und permanentes Starren auf einen Punkt schaden dem Menschen. Deshalb sollte er auch im Büro Wege und Beweglichkeit erhalten und zwar in verschiedenster Weise durch jenen Gegenstand, der das Mobile in sich eingeschrieben trägt.
Arbeitsräume könnten auch Geh- und Wandelräume sein, die die Möglichkeit bieten, Arbeitsplätze, Abteilungen und Bürokomplexe miteinander zu einem Geh-Ritual zu verbinden. Die Arbeitsplätze sollten nicht als statische Sitz-Orte gestaltet werden, sondern als dynamische Orte und Räume, in denen das Gehen dem Bedürfnis nach Bewegung entgegenkommt. Keine Arbeit lässt sich ohne Beteiligung des Körper verrichten. Wird er nicht mit einbezogen in das Equipment von Büros, Ateliers oder handwerklichen Betrieben, erkrankt der Körper und mit ihm Geist und Seele. Deshalb ist das Einrichten von Wohn- und Arbeitsräumen mit Möbeln nicht nur eine Frage von Ästhetik und Funktion, sondern ebenso eine Frage nach der menschlichen Weise einer modernen Arbeit, die sich wieder stärker der unmittelbaren Bedürfnisse des Menschen erinnert. Einrichten ist eine Raumbewegung und ein Einräumen in den Kosmos. In derselben Weise, wie sich der Mensch ins Büro einrichtet, so ist er im Kosmos eingerichtet.



Doris Paschiller / Hajo Eickhoff

Im November 2006


Quelle: www.objektform.de






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