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6. Dez. 2007

Die Welt der Megamarken: Harrods - Shopping mit Gänsehaut-Faktor

Ostershopping, Frühlingsshopping, Herbstshopping, Wintershopping, Zwischendurchshopping, Afterworkshopping und erst recht Weihnachtsshopping! Wem in den nächsten Wochen das heimische Ambiente glänzender Auslagen nicht genügt und wer das absolut ultimative Einkaufserlebnis sucht, jettet elegant übers Wochenende nach London und erledigt im berühmt berüchtigten Harrods seine Besorgungen – und seine Nerven.

Sie sind noch nie dort gewesen? In London natürlich schon, doch zum Überschreiten der Schwelle Brompton Road 87 – 153 konnten Sie sich nicht aufraffen? Sie haben etwas versäumt! Gänsehautshopping! Schließlich gilt das traditionsreiche Kaufhaus im vornehmen Viertel Knightsbridge nicht nur als eines der größten, sondern auch exklusivsten der Welt. Daran lässt es auch optisch keinen Zweifel, weder tagsüber noch in der Nacht, wenn 12.000 Glühbirnen die Fassade illuminieren, von denen täglich angeblich 300 Stück regelmäßig ersetzt werden müssen…


Wie ein Mann, ein Wort - Harrods


Seine Entstehung verdankt Harrods – wie so oft - einem Mann. Charles Henry Harrod eröffnete 1834 einen kleinen Lebensmittelladen in Stepney, East London, und widmete seine Aufmerksamkeit ursprünglich in erster Linie – very british ­ dem Tee. 1849 übersiedelte das Geschäft an den aktuellen Standort in Knightsbridge, wo auch heute noch die legendäre Food Hall mit ihrem Jugendstilambiente das Herzstück des Kaufhauses bildet. Danach ging es steil bergauf – die Verkaufsfläche wuchs ebenso wie das Sortiment, das neben Obst und Gemüse bald auch Arzneimittel, Parfums und Schreibwaren umfasste.

Das Geschäft lief gut, aber noch hatte es nicht den Ruhm erlangt, der ihm heute zuteil ist. Ironischerweise verhalf Harrods ein großes Unglück dazu: am 6. Dezember 1883, gerade als die Lager für das Weihnachtsgeschäft prall gefüllt waren, brach ein Feuer aus, das das Gebäude komplett zerstörte. Daraufhin schrieb Charles Digby Harrods einen Brief an seine Kunden, dass sich die Auslieferungen für Weihnachten um ein bis zwei Tage verzögern würden. Und tatsächlich: die Zusagen wurden eingehalten. Von da an galt Harrods als Synonym für englische Zuverlässigkeit.


Marke mit "Einmaligkeitsgarantie"


Seit diesem Tag war Harrods stets für Außergewöhnliches gut: der erste illustrierte Katalog, die erste Rolltreppe, der erste Winterschlussverkauf – und all das noch vor der Jahrhundertwende.
Aufzulisten, was bei Harrods jemals verkauft wurde und wird, wäre ein endloses Unterfangen: von Lebensmitteln über Haustiere, Spielzeug, Kleidung, Möbel, Sportartikel und Luxusaccessoires bis hin zu Immobilien, Bankdienstleistungen, Yachten und Flugzeugen ist einfach alles dabei.

Hinter der signifikanten Terrakotta-Fassade geht es jedenfalls in jeder Minute der Öffnungszeiten zu wie im sprichwörtlichen Bienenstock. 5000 Mitarbeiter versuchen einfach alles aufzutreiben, was der anspruchsvolle Gast wünscht, während die berühmten Green Men an den Eingängen - immer schon Hüter von Tradition und Moral - mittlerweile vor allem versuchen, Sightseeing-hungrige Touristen höflich aber bestimmt im Zaum zu halten.

40 Aufzüge, die die sieben Stockwerke verbinden, legen im Jahr über 64.000 km zurück, deutlich mehr als eineinhalb Mal um die Erde. An 75 Schaufenstern kann man sich die Nase platt drücken, während drinnen 250 verschiedene Käsesorten angeboten oder mehr als 100 Tonnen Schokolade pro Jahr verkauft werden.
Beim Egyptian Escalator, einer Hommage an die alten Ägypter, haben sogar Experten des British Museum mitgearbeitet, um die Authentizität der Darstellungen sicherzustellen.
Daneben geben sich Celebrities beinahe die Türklinke in die Hand. Sei es auf Promotiontour oder zum privaten "Vergnügen". Kylie Minogue, Sarah Michelle Gellar, Eva Langoria oder – kürzlich sogar – Michael Jackson, sie alle wurden schon gesichtet!


Kein Fall von Understatement


Noch einige Superlative gefällig? Harrods ist wie eine Stadt in der Stadt: 70 % der elektrischen Energie werden mit eigenen Generatoren erzeugt, das Wasser wird aus drei hauseigenen Brunnen bezogen, von denen der tiefste 150 Meter unter die Oberfläche reicht, es gibt zahlreiche Restaurants, eine Bank, eine Putzerei, ein Reisebüro, eine eigene Feuerwehr und noch unendlich mehr.

Selbstverständlich war Harrods auch Hoflieferant der britischen Königsfamilie. Dass dieser Status seit 2001 nicht mehr gilt, lässt sich auf vehemente "Unstimmigkeiten" mit dem heutigen Eigentümer Mohamed Al-Fayed, Millionär und Vater des mit Lady Di verunglückten Dodi Fayed, zurückführen, der das Traditionshaus im Jahr 1985 für 615 Mio Pfund erworben hat.
Mittlerweile sind die Royal Warrants, die königlichen Wappen, an der Fassade verschwunden. Dafür prunkt im ägyptischen Treppenhaus ein Gedächtnisbrunnen für Di & Dodi.

Wem bei all den Superlativen der Rummel sowie das Auf und Ab der Gefühle dann doch zu viel wird, braucht sich nicht grämen. Immerhin hat die Harrods Weihnachtsabteilung ganzjährig geöffnet. Auf Harrods ist eben Verlass – auf Gänsehaut ebenso!



Anna Voltren







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