Die Welt der Megamarken: H&M – Inspired by the Stars
Sie möchten einmal so aussehen wie Claudia Schiffer oder Heidi Klum? Einmal so erotisch und stilsicher verführen wie Madonna, Kylie Minogue oder Johnny Depp? Kein Problem! Mode von H&M packt die exklusivsten Illusionen mit in die Einkaufstasche.Und das ist auch schon die Geschäftsidee: Mode und Qualität zum besten Preis. Sie meinen, das wäre zu simpel und banal? Korrekt – denn die einfachen Konzepte sind meist die, die am tiefsten gehen….
Keine Ahnung, ob Erling Persson bereits den internationalen Erfolg im Auge hatte, als er 1947 in Stockholm sein erstes Damenmodengeschäft unter dem Namen "Hennes" (schwedisch: "Ihres") eröffnete. Jedenfalls kam 1968 mit der Übernahme des Jagdbekleidungshändlers Mauritz Widforss auch die Herrenmode ins Sortiment und der zweite Name in die Marke, die sich seither beständig über Europa – und mittlerweile auch weltweit – ausbreitet. Über 1.400 Filialen sind es aktuell. In den letzten Jahren wurde das Filialnetz in Nordamerika deutlich ausgebaut und 2006 die ersten Stores im Mittleren Osten (Kuwait und Dubai) eröffnet. Seit kurzem ist H&M auch in Hongkong und Shanghai vertreten, 2008 soll unter anderem Tokio folgen.
Als einer der europäischen Marktführer erwirtschaftete das Unternehmen mit 60.000 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2005/06 einen Umsatz von 68,400 Milliarden Schwedischen Kronen (umgerechnet 7,3 Mrd. Euro).
Für alle etwas und doch einzigartig
Jung, trendy, leistbar und trotzdem dermaßen hip, dass auch die ganz großen Stars damit noch glänzen – so präsentiert sich die Mode von H&M heute im heftig umkämpften und schrumpfenden Textilmarkt. Mehr als 100 Designer arbeiten daran, dass die beiden roten Buchstaben dem Trend nicht hinterher laufen, sondern selbst Trendsetter sind. Dazu kommt das Konzept medienwirksamer Design-Aushängeschilder wie Stella McCarthney, Viktor & Rolf oder Karl Lagerfeld, die dem überwiegend jungen Publikum echten Glamour-Faktor bieten und ein unkompliziertes, urbanes Image zum Lebensgefühl für jede Geldbörse machen.
Wenn dann noch eine ganze Riege exquisiter Hollywood-Stars von Tim Roth, Jade Jagger, Benicio del Toro bis Madonna oder Kylie Minogue – sei es mit eigenen Kollektionen oder einfach nur mit offensichtlichem Wohlgefallen an ihrem Testimonial – die Plakatflächen füllt und Kultfilmer wie David LaChapelle opulente Werbefilme in die Imageschlacht werfen, wird die Young Fashion Marke H&M zur puren Emotion. So muss Mode sein! Für alle etwas und doch einzigartig. Mit einem Mix aus Basics, Star-Kollektion, Dessous und Accessoires. Außerdem inspirierend, inszenierend, offen für Anregungen, kreativ und anpassungsfähig, als wäre sie gemacht für jeden einzelnen, der sie trägt.
Schau, ein H&M!
Und dann natürlich auch die lokale Präsenz! - Zur Unternehmensstrategie hat immer schon die beste Lage der Geschäfte in Einkaufsstraßen und Shoppingcentern gehört. So finden sich H&M Stores in der Londoner Brompton Road, auf dem Kurfürstendamm in Berlin, der Fifth Avenue in New York oder im Beverly Center in Los Angeles. Die "Billigmarke" H&M zeigt damit wenig Berührungsängste, mitten unter den Designermarken zu sitzen. Preiswertes an den besten Plätzen und teuersten Orten – Aufmerksamkeit ist damit in jedem Fall garantiert.
Wer statt dessen die Privatsphäre der eigenen vier Wände schätzt, besucht im Internet den Online-Dressroom, in dem man die eigenen Maße eingeben und die Kollektion virtuell anprobieren kann, oder demnächst auch (wie in den skandinavischen Ländern schon möglich) einen Online-Shop.
Collection of Style
Dass sich H&M mit einem neuen Label bzw. einer neuen Einzelhandelskette – "Collection of Style" (COS) – nun künftig auch im höherpreisigen Segment positionieren will, nehmen Branchenkenner als Antwort nicht so sehr auf Billigmarken aus dem asiatischen Raum, sondern auf europäische Mitbewerber.
Dem britischen COS Flagshipstore in der Londoner Regent Street folgten heuer bereits COS Filialen in Deutschland. Bis Ende 2007 soll es zehn COS Geschäfte in ausgewählten Großstädten geben – natürlich stets in 1a-City-Lagen.
Political Correctness
Bleibt einmal mehr die Frage, wie H&M mit diesem Erfolg umgeht? Als einer der Marktführer Europas gehört Corporate Social Responsibility zunehmend zu jenen Soft Skills, die Konsumenten und Öffentlichkeit vehement einfordern. So hat sich H&M einen Verhaltenskodex auferlegt, der auf Konventionen der ILO (International Labour Organization) und der UN-Kinderrechtskonvention basiert. Rund 700 Lieferanten (H&M besitzt keine eigenen Fabriken) müssen sich daran halten und werden von H&M-eigenen Auditoren kontrolliert. Seit 2006 ist H&M überdies Mitglied der FLA (Fair Labor Association), die einige Fabriken der H&M-Lieferanten in China auch unabhängigen Kontrollen unterzieht.
Außerdem: Als Mitglied der Wohltätigkeitsorganisation WaterAid unterstützt H&M – etwa mit 10 Prozent des Erlöses der Kylie-Kollektion – die Erhaltung von sauberem Wasser und das Erreichen besserer hygienischer Bedingungen für die Ärmsten der Welt.
Und auch auf dem Gebiet der Ökologie beginnt sich H&M öffentlich zu engagieren – von Biobaumwollprodukten bis zum Erhalt der "Blume", dem Ökolabel der EU für manche Kleidungsstücke, das u. a. für eine Begrenzung von Schadstoffen und geringere Wasserverschmutzung steht. Auch das mag durchaus als "gute Qualität" gelten…
Anna Voltren







