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8. Aug. 2005

Philip Lutz - Ohne Effekthascherei

Ganz unspektakulär, fast brav sieht der neue Zubau an das Landhotel Martinsmühle in Lindau am Bodensee von außen aus. Sorgfältig hat Philip Lutz die Holzkonstruktion in das bestehende Ensemble eingefügt.

Keine Spur von blobs oder loops, und offenbar keine Angst davor, nicht extravagant genug zu sein. Philip Lutz kann bereits mit einer Vielzahl kleinerer und mittlerer feiner Bauten aufwarten. Allen gemeinsam ist eine unaufgeregte Bodenständigkeit, ohne in dumpfen Traditionalismus zu verfallen. Und auffallend ist, dass die Innenräume stets in einer hierzulande nicht gerade üblichen Umfassendheit gestaltet sind, deren Atmosphäre mit "behaglich" wohl nur unzulänglich beschrieben wäre.

Das gilt auch für das von außen so unscheinbar wirkende Hotel Martinsmühle. Von Bauherrenseite war anfangs eine auffallende rote Kiste gewünscht. Lutz hingegen riet zur Dezenz und schuf dennoch ein unverwechselbares Ambiente. Der Zubau sorgt für eine verbesserte räumliche Organisation des Betriebes, indem Lutz die Anordnung von Eingangssituation, Empfang und Frühstücksraum so klar gestaltete, dass nur eine Person zur Betreuung notwendig ist. Astfreie Weißtanne an Wand und Decke und geräucherte Eiche, die vom Boden als Rückenlehne und Tresen hochgezogen wurde, sorgen für eine bergende, gastliche Schale. Hier gibt es kein Chichi, und dennoch wirkt alles schick, unverwechselbar und wertvoll.
Ähnlich die Schihütte Schneggarei, die Philip Lutz mit Gerold Schneider und Katja Polletin in Lech realisierte. Alpin ist die Atmosphäre, modern die Sprache und von feiner Handwerklichkeit die Ausführung.

Das eigene Haus in Vorarlberg auf dem Pfänderhang, ein Umbau eines Fertigteil-Hauses aus den 1980er Jahren, verbindet ebenfalls Tradition und Gegenwart auf ungekünstelte Weise. Einen dynamisch geformten Aufbau, der die schöne Aussicht zelebriert, setzte Philip Lutz auf den schlichten Kubus des Bestandes auf. Außen ist alles in eine homogene Hülle aus handgespaltenen Schindeln gekleidet. Innen dominiert Tannenholz, dem der Architekt einen Appeal von Weltläufigkeit verleiht.

Diese Begabung zur "unpeinlichen Bodenständigkeit" prädestiniert Philip Lutz wohl auch zu einer weitaus profaneren Planertätigkeit als jener für maßgeschneiderte Unikate. Für die Systembaufirma oa.sys entwickelte er eine Serie von Typenhäusern, die man von der Stange kaufen kann. Es sei eine große Herausforderung, "so zu kochen, dass es allen schmeckt", meint Philip Lutz. Es sei notwendig, alltagstaugliche, schöne und leistbare Häuser anzubieten - und für Architekten böte sich hier sehr wohl ein lohnendes und sinnvolles Tätigkeitsgebiet. Der Kunde bekommt ein Haus zum Fixpreis, der Architekt spart sich aufreibende Planungsphasen und Verhandlungen mit den Bauherren.
"The world needs answers, not more questions", gab er der Lifestyle-Postille Wallpaper zu Protokoll. Und dazu gehört sicherlich auch, selbstbewusst genug zu sein, das Unspektakuläre zu wagen.


Philip Lutz
geb. 1966
Studium der Architektur an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien bei Professor Hans Hollein;
danach Städtebau an der Columbia University, NYC, Professor Richard Plunz.
Eigenes Büro in Lochau seit 1998
Ständige Projektpartnerschaft mit Architekt Christian Prasser und 3:0 Landschaftsarchitekten
Dozent für Entwurf an der Hochschule Liechtenstein

Kontakt:
Am Ruggbach 9
6911 Lochau
Tel: +43 5574 46 801
Tel: +43 664 47 66 677
Fax: +43 5574 54 685
eMail: lutzphil@utanet.atwww.philiplutz.at


Franziska Leeb






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