Bene Büromöbel
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12. Okt. 2007

Die Welt der Megamarken: 100 Jahre sind nicht genug!

"Wir sind Mitspieler auf der Bühne moderner Arbeitsräume", sagt der Solis F von Wilkhahn.
"Wir sind Akteure, nicht Statisten", sagt der AL Tisch von Bene.
Eine fiktive Konversation realer Objekte anlässlich des 100 Jahre Jubiläums des Möbelherstellers Wilkhahn. Bene gratuliert.

"Die Frage, die sich mir immer wieder aufdrängt – hat sich über die Jahre wirklich so vieles verändert? Stuhl und Tisch, wir bildeten immer schon das Kernmolekül arbeitsorganisatorischer Einheiten", lässt der Solis F in aufrechter Haltung Jahrzehnte geistig Revue passieren.

"Meinst du das im Ernst? Denke an das Design, denke an unsere Fähigkeiten! Was ist mit Ergonomie, Material und Belastbarkeit? Da liegen Welten zwischen dem Gestern und Heute, und insbesondere du müsstest es wissen", kontert AL in statischer Pose.

"Du hast recht, auch hätte uns niemand vor 50 Jahren dort hin gestellt, wo wir heute stehen ", schmunzelt der Solis mit einem lautlosen Schwenk und denkt an die Anfänge, als die Gründerväter Friedrich Hahne und Christian Wilkening vor genau 100 Jahren ihre Stuhlfabrik unter dem Namen Wilkhahn starteten. Mit dem Holz der umliegenden Wälder erzeugten sie massive Qualitätsprodukte.
"Erinnerst du dich an einen unserer ersten, an 351, von Georg Leowald? Wer hätte seinen Erfolg damals vorhergesehen - heute beinahe eine Design-Ikone!"


Vom Handwerker zum Trendsetter


"Unsere Bene-Marke betrat erst Anfang der 1960er den Markt. Doch ich weiß natürlich, eure Richtung war damit schon eingeschlagen. Mit Kontakten zu Bauhaus, Werkbund, zur Ulmer Hochschule wurde die Experimentierfreunde – bewusst oder unbewusst – rasch Teil eines Programms, das euch vom Handwerker zum internationalen Trendsetter aufsteigen ließ. So gesehen ergibt das übrigens schon eine frühe Analogie: Bene startete ebenfalls als lokaler Handwerksbetrieb…..".

"Ja, es war tatsächlich erstaunlich! Ich erinnere mich auch noch genau daran, für welches Aufsehen 224, unser Reihen- und Stapelstuhl, sorgte. Doch die Zeit war offensichtlich reif für neue Werkstoffe und puristische Formen, die aus der Funktion entstanden. Erfolg, der auf Design basierte….schon unglaublich….aber das waren die 50er Jahre ohnehin!"

"Apropos puristisch", so der AL gut aufgelegt, "hast du gehört, dass die Schaukelplastik von Walter Papst jubiläumsbedingt ein Revival erfährt?"

"Habe ich – ebenso wie ich gehört habe, dass sich darüber nicht nur die Nostalgiker freuen…".

"Nun, wenn ich schon beim Komplimente machen bin: Ich fand übrigens immer beachtlich, dass ausgerechnet die teils euphorischen 50er und 60er Jahre schon bei euch die Intention entstehen ließen, 'dauerhafte Güter zu produzieren, um die Gebrauchsfähigkeit zu erhöhen und die Verschwendung zu reduzieren'.
Im Rausch des globalen Wachstums war das eine Erkenntnis, die die Öko-Welle der 1980er vorwegnahm. Später lag der Picto mit seinen Auszeichnungen in Design und Ökologie genau im Zeitgeist. Aber damals, so früh, als alle noch in der Euphorie des überstandenen Krieges und des boomenden Aufbaus standen… meine Hochachtung!"


Ökologie und starke Konzepte


"Das Kompliment nehme ich gerne an", sonnt sich der Solis zufrieden im Erfolg seiner Väter und stellt die Rückenlehne extra gerade. "Es war tatsächlich immer schon Teil unserer Philosophie - 'Im Zweifelsfall hat der ökologische Aspekt einen höheren Stellenwert als schneller Gewinn' - das schrieb der Verwaltungsrat 1989 in sein Strategiepapier… Überhaupt – unsere Umgebung zu hinterfragen ist, denke ich, unsere Stärke. Das beste Beispiel sind Klaus Franck und Werner Sauer. Ihre FS-Linie in den 80ern war eine Innovation, die bis heute anhält! Das Prinzip des Bewegungssitzens - konsequent umgesetzt in einem Stuhl, der sich ohne aufwändige Voreinstellungen flexibel der Körperhaltung anpasst und zur Bewegung animiert. Die Serie wurde weltweit über zwei Millionen Mal verkauft und ist noch heute im Programm."

"Und das ist auch unser wichtigster Berührungspunkt! So haben wir uns gefunden – in Konzepten, nicht in Möbeln denken!", AL zeigt Emotion. "Der Mehrflächenarbeitsplatz von Laurids Ortner bei Bene in den 70ern etwa: Seit eh und je dachten wir bei unseren Produkten nicht nur an Tisch und Regal, sondern an die Menschen und ihre räumlichen Bedürfnisse, an die unterschiedlichen Aufgaben, die sie zu bewältigen hatten, und an die Unterstützung, die ein Büroraum samt Mobiliar bieten kann. 'Zuerst prägen wir unser Umfeld, dann prägt das Umfeld uns.' Auch das war eine Innovation, die bis heute andauert."

"Und dann gings wohl mit uns beiden bergauf. Wilkhahn expandierte, Bene expandierte. In den 1980er Jahren profilierten sich die beiden internationalen Marken, die heute weit mehr als die Hälfte ihres Umsatzes nicht in ihren Stammländern erzielen", der Solis ist hörbar stolz darauf.


Bekenntnis zu Innovationen


"Ebenso entstand eine deutsch – österreichische Partnerschaft der besonderen Art, unsere!", ergänzt AL. "Eine Partnerschaft, die ihre wirtschaftlichen Aktivitäten in einer andauernden Seelenverwandtschaft begründet. Einem Bekenntnis zu Design und Funktionalität, zu Raumlösungen statt Einrichtungslösungen – und einem enorm hohen Innovationsniveau in all jenen Belangen, die die Arbeitswelt von morgen betreffen. Unser Konzept des CompactOffice, entwickelt Ende der 90er, bzw. unsere Ideen zu ComOffice zum Start des neuen Jahrtausends antizipieren, was morgen stattfinden wird."

"Vergiss nicht das Ziel, eine ausgeprägte Unternehmenskultur zu entwickeln, ein Verhältnis zu den eigenen Mitarbeitern, das von gegenseitiger Wertschätzung und Fairness geprägt ist, zu pflegen. Und natürlich eine Vorreiterrolle in der Branche einzunehmen. Ich denke, das waren und sind für unsere Marken die entscheidenden Unternehmenskonzepte."

"Klingt gut, klingt nach weiteren erfolgreichen Jahren. Unsere Beziehung scheint auf stabilen Beinen zu stehen…!"

"Deshalb sollten wir unsere bisherigen Vorsätze auch durchaus beibehalten", so der Solis mehr aufgeregt als melancholisch. "Wach bleiben, neugierig bleiben, Zusammenhänge herstellen, Räume und Welten für Menschen mit Ansprüchen gestalten. Ästhetik und Funktionalität zusammenbringen und die richtigen Partnerschaften pflegen. Ich denke, so können wir den Wandel mitgestalten, Arbeit und Kreativität verknüpfen, Verantwortungsbewusstsein mit Leistung kombinieren. Mir fällt kein besseres Konzept ein dazu."

"Wir haben schon vieles zustande gebracht", sagt der AL von Bene.

"Wir haben ein Konzept für die Zukunft", sagt der Solis F von Wilkhahn.


Brigitte Schedl-Richter







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