Bene Büromöbel
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6. Mai 2009

Time for Change?

Salone del Mobile 2009: Wird die Finanzkrise die Mailänder Möbelmesse dominieren, oder wird die Kraft des Wandels sich durchsetzen? Diese Frage stellten sich Besucher wie Aussteller gleichermaßen, bevor sie sich auf den Weg zur bedeutendsten Möbelmesse des Jahres machten.

Gleich vorweg: Der Strom an Design-Interessierten war mit offiziell 304.702 Besuchern und 2.723 Ausstellern imposant wie immer, wenn auch – zumindest gefühlsmäßig – etwas entspannter als im letzten Jahr. Die Menschenschlangen an den Taxiständen sollten 2009 etwas kürzer ausfallen, Hotelzimmer waren zwar nach wie vor unverschämt teuer, aber immerhin noch zu kriegen, und es gab Plätze in der U-Bahn zur Messe, Sitzplätze allerdings keineswegs….


Ticket zum Trend


Das trendige Kreativ-Viertel Zona Tortona hat weiter zugelegt, ist zwar einen Schritt kommerzieller geworden, aber immer noch pulsierende Inspirationsquelle geblieben. Die Firmengruppe um Poltrona Frau, Cappellini, Alias, Thonet hat in diesem Jahr sogar die Zona Tortona den Messehallen vorgezogen. Und dort ihren Auftritt alles andere als bescheiden inszeniert, gleich neben der noch recht neuen Zentrale des Modezars Ermenegildo Zegna.

Trends reflektieren die Stimmung der Gegenwart und den "Stil" der Zukunft – wobei von einem einheitlichen Stil, "einer" Richtung oder gar "einem" Trend ja längst nicht mehr die Rede sein kann. Man spricht von "Singularitäten" und sieht interessante einzelne Objekte, Produkte. Angesagt ist Vielfalt. Um diese zu entfalten, agieren Designer nach dem Autorenprinzip. Jeder erschafft seine eigene Welt. Und stärkt damit eine der aktuellsten Tendenzen im Möbel-Design zur (Messe-)Zeit.


Design is big


So beeindruckt die Vielzahl an neuen und mitunter exzellenten Entwürfen namhafter Designer. Das mag an der perfekten Inszenierung liegen. Oder einfach daran, dass sich in Mailand die Besten ein Stelldichein geben.

Zum Beispiel kombinieren Konstantin Grcic (mit seinem Stuhl "Monza" für Plank) und Jasper Morrison (Stuhl "Trattoria" für Magis) den bislang klassischen Holzstuhl mit Kunststoffelementen am Rücken bzw. Sitz. Während der Rückenteil des "Monza" nicht nur an die Steilkurve der italienischen Rennstrecke erinnert, sondern der Stuhl auch besonders bequem zu besitzen ist, lässt Morrison für seine "Trattoria"-Sessel des Strohgeflecht einfacher Tavernen- oder Trattoriastühle in transparentem Kunststoff reliefhaft nachbilden: Ungewohnte und gleichzeitig spannende Materialkombinationen sind das, die sich neuer Produktionstechnologien am Kunststoffsektor bedienen.


Paroli, Parole


Durchaus konnte man in Mailand den Eindruck einer Aufbruchstimmung gewinnen. Dem Minimalismus und Purismus, der lange die Möbelwelt regiert hatte, werden Paroli geboten. Es scheint so, als neige sich die Zeit der kubischen, orthogonalen Polstermöbel ihrem Ende zu. Der Facebook-Generation bietet sich eine neue formale und farbliche Vielfalt. Vor allem im Mix mit einfachen Elementen entsteht großer Freiraum für Individualität.

Bei den Farben und Materialien bewegen sich die Trends zwischen gegensätzlichen Polen: Hier die wieder entdeckte Liebe zum Holz in Verbindung mit Weiß und zurückhaltenden Tönen von sanftem Beige bis kräftigem Cappuccino. Dort Schwarz-Weiß in Kombination mit satten Farben wie Orange, Rot, Violett im Zusammenspiel mit Kunststoff.

Bei den Formen kennen die Designer kein Halten. Viele setzen weiterhin auf organische Elemente, ein gelungenes Beispiel sind die Sitzmöbel Oppo von Bla Station. Die Möbel wirken ausladend, opulent und großzügig, jedenfalls neu interpretiert. Lignet Roset kombiniert unterschiedliche Einzelteile zu einer Sitzlandschaft und unterstreicht die Wirkung mit fein abgestuften Farbstellungen einer Stoffkollektion – mit Stoffen von Kvadrat, wie viele andere Hersteller übrigens auch.


Rock around... Barock?


Ein spezielles Highlight auf der Messe war die Diesel Home Collection. In Zusammenarbeit mit Moroso und Foscarini wurde eine vom Rock´n´Roll inspirierte Kollektion von Möbeln und Lampen präsentiert. Jedenfalls auffällig und mit einem gewissen Fun-Faktor. Ob es sich dabei um bewusst überzeichnete Markeninszenierung, ein nachhaltiges Geschäftsmodell oder gar einen neuen Trend handelt, wird sich zeigen.

Zu guter Letzt drängt sich – aufgrund der neuerlichen Rückkehr Barock anmutender Formensprache und weit ausladender Sitzlandschaften – doch ein wenig der Verdacht auf, die Hersteller hätten die Produktentwicklung vor dem Ausbruch der Krise in Angriff genommen. In einer Zeit, in der man sich noch fragte, wie Luxus weiter getoppt werden kann. Wir sind daher gespannt, ob im kommenden Jahr in Mailand Bescheidenheit und eine Sachlichkeit regieren, oder ob die eigenen vier Wände doch zum Refugium expressiver Exaltiertheit erklärt werden.

Peter Handlgruber







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