Invitation to an ongoing journey
„Idea Generation. Wie berühren sich Research, Design und Industrie in der Produktentwicklung?“ Danach fragte der Experten-Talk im Bene Schauraum in Wien, der im Rahmen der Vienna Design Week stattfand. Das Spannungsfeld von kreativem Designprozess, Arbeitstypologien moderner Knowledge Worker und ökonomischen Produktanforderungen steckten der Theoretiker Jeremy Myerson, die Designer Luke Pearson und Tom Lloyd sowie seitens der Industrie Thomas Bene, Vorstand Bene AG, ab. Anlass war der Launch von PARCS.Wenn einer eine Reise tut, dann kann er etwas erzählen. Und das nicht zu knapp. Die "Reise", auf die Bene sich vor Monaten eingelassen hat, war hinsichtlich ihres Ausgangs völlig offen. "Wir wussten, dass sich die Anforderungen an moderne Büros dramatisch verändert haben", so Thomas Bene, Vorstand Bene AG. "Die Arbeit im Büro verläuft nicht mehr geradlinig, sondern vernetzt. Das Schlagwort von der Wissensarbeit und ihren Knowledge Workern steht für eine dynamische, hoch interaktive und sich ständig in Bewegung befindliche Büro- und Kommunikationskultur. Die Frage war daher ganz eindeutig: Wie müssen die Möbel aussehen, die eine optimale Umgebung für diese Art der Arbeit schaffen?"
Neue Spezies
Um die richtigen Antworten zu erhalten, unterstützte Bene ein Forschungsprojekt des renommierten Helen Hamlyn Research Centres vom Royal College of Art in London, das sich mit Gewohnheiten, Bedürfnissen und Eigenheiten der neuen "Spezies" der Knowledge-Worker auseinandersetzt. Intensive Recherchen, Feldbeobachtungen und Interviews haben schließlich vier eindeutige Profile an den Tag gefördert. Die typischen Verhaltensmuster moderner Büroarbeit sind so zusammengefasst:
The ANCHOR – oder der Schreibtischsurfer:
Die Tätigkeit des Anchors konzentriert sich in erster Linie auf seinen persönlichen Schreibtisch sowie dessen direktes Umfeld. Die Kommunikation verläuft meist eindimensional in seine Richtung: Er bekommt Informationen zur Verfügung gestellt, die er bearbeitet. Klassische Beispiele sind Backoffice-Bereiche bzw. administrative Tätigkeiten.
The CONNECTOR – oder der Vermittler:
Er/Sie nützt sowohl den eigenen Schreibtisch als auch die übrige Büro-Infrastruktur etwa im Verhältnis 50:50. Der Connector stellt sicher, dass der Informationsfluss passt, holt Informationen ein und verteilt diese wieder. Sein Aktionsradius erstreckt sich vor allem auf das eigene Unternehmen. Er ist jener, der die kommunikative Grundfunktion meist face-to-face in Fluss hält und damit – als echter Insider - an einer klassischen Lebensader des Unternehmens sitzt.
The GATHERER – oder der Sammler
Sie bewegen sich auf größerem Parkett, nutzen das gesamte Büro, aber sind vielfach auch außerhalb unterwegs. Sie sind neuralgische Knotenpunkte für Wissen. Ihr Schreibtisch ist wie eine Landeplatz für unzählige Inputs und gleichzeitig ein Rückzugsort, an dem sie verarbeiten, was sie auf ihrem Weg mitgebracht haben.
The NAVIGATOR – der Navigator:
Er nutzt das eigene Büro kaum und hat oft keinen eigenen Schreibtisch mehr. Regional wie global häufig unterwegs, kommt er ins Büro, um Informationen auszutauschen und Meetings beizuwohnen. Das Leben des Navigators besteht vor allem aus Kommunikation.
Zwischen Kommunikation und Konzentration
Entsprechend vielfältig, kommunikationsorientiert und flexibel muss also auch das Umfeld sein, im dem sich diese Working People bewegen. Dennoch stehen für Jeremy Myerson, Direktor des Helen Hamlyn Centres, zwei Erkenntnisse über allen anderen: "Natürlich geht es im Büro immer um Kommunikation. Doch es geht gleichzeitig auch immer um Konzentration! Denn unabhängig mit wem und wo ich zusammensitze – es muss überall Konzentration auf die gestellte Aufgabe und die eigentlich produktive Tätigkeit möglich sein; alleine oder mit anderen, geplant oder spontan."
"Und die zweite grundlegende Erkenntnis ist, dass wir noch lange nicht am Ziel angekommen sind", so Myerson. "This is an ongoing journey!"
Produktiv sein, auch wenn man nicht am Arbeitsplatz sitzt
"Mitreisende" und zugleich "Steuermänner" auf dieser Entdeckungsfahrt zu den "New Working Environments" sind die Designer Luke Pearson und Tom Lloyd aus UK, die von Beginn an in den Researchprozess einbezogen waren.
Im Jahr 1997 gründeten die beiden das Designbüro PearsonLloyd. Heute gehören Innenarchitektur, Möbeldesign und -consulting ebenso zu ihrem Tätigkeitsfeld wie Produktdesign oder die Gestaltung öffentlicher Plätze. Vielseitigkeit ist ihr Markenzeichen. Und doch haben alle Arbeiten einen gemeinsamen Nenner: die Fokussierung auf den Menschen.
"Auch für uns war der Ausgang des Designprozesses völlig offen", so Tom Lloyd in der von Lilli Hollein moderierten Diskussion. "Beachtlich war außerdem, dass wir von Seiten unseres Auftraggebers Bene ein sehr üppiges Zeitpouvoir zur Verfügung hatten, so dass wir uns ausgiebig mit den Ergebnissen der Analyse auseinandersetzen und viel Energie in die optimale Formgebung investieren konnten."
"Einer der wichtigsten Inputs für uns war, dass Büroarbeit sich immer mehr vom eigentlichen ‚Arbeitsplatz` löst", betont Tom Lloyd. "Jemand, der heute nicht an seinem Schreibtisch sitzt, sondern in einer beliebigen Zone des Büros, z.B. mit anderen zusammen, kann auf die gleiche Weise Werte und Ergebnisse für das Unternehmen generieren. Deshalb müssen genau solche Zonen geschaffen werden, die auf die unterschiedlichen Gesprächs- und Kommunikationssituationen eingehen."
PARCS – Ideen nehmen Form an
So wurden für PearsonLloyd denn auch historische und anhtropologische "Orte der Kommunikation" Vorbilder und Inspirationsquellen in ihrem Designprozess. Für PARCS greifen die Designer eindeutig archetypische Formen auf und setzen sie in Verbindung mit den Anforderungen an eine moderne Arbeitsweise. Beispiele gefällig?
Zentrales Motiv der Causeways ist der Giant Causeway, eine natürliche, beeindruckende Felsformation aus 40.000 Basaltsäulen in Nordirland, Weltkulturerbe und Touristenattraktion. Die PARCS-Designer beobachteten das Verhalten der Besucher und stellten fest, dass jeder einzelne auf den Felsen eine ganz eigene für ihn bequeme Position einnimmt – mal sitzend, mal hockend, sich anlehnend, liegend oder stehend. Eben diese ergonomische Freiheit sollte auch im Kommunikationsbereich im modernen Büro gegeben sein.
Name und Idee der Toguna kommen aus Mali, Westafrika. Eine Toguna ist dort der traditionelle Versammlungsort der Dorfältesten. Auffällig daran ist, dass die Toguna eine Höhe von nur einem Meter aufweist. Dadurch soll verhindert werden, dass in hitzigen Diskussionen eine "Erhebung über die anderen" stattfindet: Die bauliche Struktur trägt auf diese Weise dazu bei, dass Diskussionen fair und demokratisch geführt werden.
Der Wing Chair nimmt Anleihe am klassischen Ohrensessel, mit seiner Drehbarkeit kommt er dem Bedürfnis der Nutzer nach Privatsphäre entgegen. Im Laufe des Designprozesses erweiterte sich die Wing-Palette über Wing-Sofas bis zum American Diner für 4 oder 6 Personen – als Besprechungsort, den man in jedem Open Space einsetzen kann.
PARCS – die Antwort von Bene
Die so entstandene Kollektion vielfältig kombinierbarer Möbel und Bauteile, die sich je nach Bedarf konfigurieren, in Beziehung setzen und verändern lassen, bietet eine überraschend große Vielzahl an individuellen Arbeitslandschaften für unterschiedlichste Situationen. Jedes Setting erfüllt in seiner spezifischen Form eine bestimmte Anforderung – und unterstützt so Kommunikation oder Konzentration, Interaktion oder Rückzug.
"Uns liegt viel daran, dass PARCS nicht als vorgegebenes Produkt verstanden wird, sondern als kultureller Vermittler oder Katalysator", so Luke Pearson. "PARCS wird sich weiterentwickeln und verändern, sobald Technologien sich verändern."
Mit einem Wort – am Ball bleiben.
Brigitte Schedl-Richter






