Bene Büromöbel
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3. Dez. 2008

Weihnachtsgrüße vom Motherboard

Lesen Sie, wie unsere Autorin Anna Voltren, berufstätige Mutter zweier Kinder, professionelle und familiäre Verpflichtungen unter einen Christbaum bringt – oder eben nicht.

Ich kann mich noch daran erinnern, als wär`s gestern gewesen – milde 12° Celsius, ein leichter Föhn über der Stadt. Während sich draußen eine launige Spätherbststimmung breit machte, verlief mein Vormittag zwischen Telefonaten, zu platzen drohenden Abgabeterminen und unvorhergesehenen Besprechungen wie die Tage bereits davor. Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, als mir die erste Einladung auf den Tisch flog: zum Weihnachtspunsch am 12.12. Es war Freitag, der 7. November, 10.48 Uhr.


Festplatte statt Panik


"Nun, da liegt einem viel daran, der Allererste zu sein", schoss es mir – leicht perplex – durch den Kopf. War es denn schon wieder so weit? "Und ob!" hieß der Schalter, der sich da im selben Augenblick in meinem Bewusstsein umlegte und gleichzeitig eine leichte Panikattacke im hinteren Augennerv auslöste. Was ihrerseits das rechte Lid in fast – aber eben nur fast – unmerkbare Zuckungen versetzte. Der Kollege, der eben beim Zimmer hereinkam, merkte offensichtlich meine leichte Fassungslosigkeit und wollte daraufhin diskreter Weise nicht stören. So machte er am Absatz kehrt und säuselte über die Schulter zurück "Ich komm´ in 10 Minuten wieder". Schon war er draußen – und ich hätte doch so gerne mit jemandem geredet…!!

Ganz ruhig, dachte ich bei mir, wir haben das alles schon mehrmals gut – ja sogar ausgezeichnet – über die Bühne gebracht. Und sicherheitshalber schalteten sich ungefragt nun auch alle Backups ein, was in den nächsten Wochen an familiären Milestones so zu erledigen sei – es geht doch nichts über eine gut funktionierende Festplatte.


Rutschig zum Showdown


Ok, die ersten Hürden zum besinnlichen Jahresende mit zwei Kindern, Mann, Familienanhang und Job sind tatsächlich schon geschafft. Das Nikolo-Fest in Kindergarten und Hort war ja noch die einfache Übung. In der Nacht noch schnell zwei Kuchen backen (unbedingt die gleichen bitte, es soll ja niemand in jungen Jahren benachteiligt werden), um 7.30 Uhr morgens auf rutschiger Fahrbahn geliefert und nach dem üblichen "Kleinkram" im Büro um 17 Uhr pünktlich zur Kerzen geschmückten Nikolo-Stunde in die Nachmittagsbetreuung. So weit, so pädagogisch.

Nach diesem Termin – muss ich eingestehen – geht es erfahrungsgemäß doch manchmal ein bisschen drunter und drüber:
Geschenke überlegen, Geschenke einkaufen, Geschenke verstecken, zwischendurch ein experimenteller Back-Samstag-Nachmittag mit der Jüngsten, mit der Älteren diskutieren, warum der neue Laptop doch noch ein Jahr warten wird müssen.

Den Freunden darf man auch nicht jede Punscheinladung absagen, sonst ist man bald von allem anderen ebenso ausgeschlossen (man weiß ja, wie schnell so etwas geht, und als überfordert will man auch nicht gelten). Den Weihnachtsbaum nicht zu früh – sonst vertrocknet er wie eine Rosine – und auch nicht zu spät besorgen – sonst sind die schönsten Exemplare schon weg. Dazwischen nachsehen, ob der Weihnachtsschmuck vollständig, unbeschädigt und auch noch in der Farbe, die man sich heuer ausgedacht hat, vorhanden ist. Und wenn nicht, auch hier noch die nötigen Christkindlmärkte plündern. Einladungen von Geschäftspartnern lassen sich ohnehin so gut wie nie absagen, bei der eigenen Firmenweihnachtsfeier ist dafür meist schon alles wurscht, Hauptsache die letzten To Dos sind noch allesamt unter Dach und Fach…

Klar, dass mittlerweile auch Oma und Opa ihre Timeline für die Feiertage ausgefasst haben und bereit stehen. Die kulinarischen Notwendigkeiten sind zumindest in Listen gefasst, den Hausputz übernehmen – so die Umstände gnädig sind – helfende Hände, und danach sollte eigentlich alles wie am Schnürchen laufen.

Ansonsten… gilt einfach Plan B: Es kommt, wie es kommt. Und ES ist in jedem Fall Weihnachten.


Anna Voltren





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