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Xmas-Stress im Future-Office, Photo: Photocase / Hindemitt
1. Dez. 2009

Xmas-Stress im Future-Office

Eigentlich mag sie ja Weihnachten, denn: Weihnachten kann man echt überall durchziehen. Ob Zuhause, mit Freunden, beim Essen, beim Einkaufen, beim Kopfbedeckung-Aussuchen – und sogar im Büro! Auch der radikalste Verweigerer entkommt dem nicht – das hat schon ein bisschen ´was himmlisch Teuflisches. Doch sie meint es ja nicht böse, nicht einmal ironisch.

Zusammensitzen mit Kollegen ist wirklich nett. Plaudern, ein bisschen Abstand von der Arbeit schaffen, Süßes verkosten. Allerdings – und das muss schon gesagt sein – Weihnachten ist für sie tatsächlich auch ein wenig Ruhe und Besinnung. Ein bisschen Psychohygiene also, wo alles ein wenig smoother als im übrigen Jahr ablaufen sollte. Sie kann jene Kollegen, die von Abteilung zu Abteilung hetzen, fünf Punschhäferl gleichzeitig in fünf unterschiedlichen Runden stehen haben, deshalb auch nicht wirklich verstehen. Für Sie geht das gar nicht. Außerdem kommen die Leute gerne zu ihr und lassen sich nieder. Man weiß ja, was man hier bekommt. Nämlich Zutritt zu einer freundlichen Vor-Weihnachtsenklave, einer angenehmen Recreation-Area mit Orangenduft und Ingwer-Tee.

Klar, dass ihre Inbox in dieser Zeit deshalb auch ein bisschen mehr Bewegung zeigt als sonst. Ehrlich gemeinte Grüße werden ehrlich gemeint beantwortet. Gut, dass es die elektronische Kommunikation gibt – denn dadurch muss man nicht mehr überall persönlich erscheinen. Allerdings: Wer sie besonders schätzt, kommt ohnehin vorbei. Und wie nett, wenn da nicht eine elektronische Grußkarte, sondern ein physisches Päckchen für sie ankommt. Man weiß ja, wo sie zu finden ist.


Connecting People


Am Ende des Jahres fühlen sich seine Sinne immer wie elektrisiert. Als würde er unter einer leichten, gleich bleibenden Stromspannung stehen. Anstecken und anstecken lassen – so kommt es ihm vor, wenn die letzten Arbeitstage in die allgemeine Weihnachtshektik und schließlich in das unvermeidliche Feiertagschaos übergehen. Für ihn ist das ok, wenn auch mit noch mehr Aktivität verbunden. Zusätzlich zum 'Unbedingt-noch-heuer-fertig-werden-Ehrgeiz' finden sich zahlreiche Nebenschauplätze: Feiern organisieren, gute Ideen versprühen, Tipps austauschen.

Seine sonst im Zaum gehaltenen Nerd-Anlagen haben endlich gute Gründe, sich nicht mehr aufhalten zu lassen. Termine über doodl ausmachen (es gibt ja echt noch Leute, die sind nicht auf Facebook!), Fotos von möglichen 'must haves' mmsen, überhaupt die Mailbox bändigen, und schließlich die elektronischen Shoppinglisten zwar geistig speichern, allerdings auf das Wochenende verschieben.

Die Kollegen greifen auf sein allumfassendes Wissen gerne zurück. Wen sonst sollte man in Zeiten wie diesen anrufen, ansmsen, anmailen, wer wo greifbar ist bzw. wie wann die nächsten Schritte gesetzt werden – wen, wenn nicht ihn? Den Mann mit der unglaublichen Übersicht, der Engelsgeduld und der sympathischen Hilfsbereitschaft? Diesen Mann und sein iPhone mag man eben.


36 Stunden am Tag


Es ist alles eine Frage der Organisation. In der Regel funktioniert das nämlich so:

8.00 Uhr: Abfahrt

9.00 Uhr: Start des ersten Meetings des Tages nach kleiner Aufwärmphase am Laptop. Mit dabei: Kaffee und Kekse.

10.30 Uhr: Amikales Zusammentreffen zum späten Frühstück mit Klienten und erstes Vorfühlen auf die To-Do´s des nächsten Jahres. Mit Kaffee, ohne Kekse.

12.13 Uhr: Rückkehr mit leichter Verspätung ins Office. Aufgrund dessen Zusammenlegen von zwei Terminen mit Kollegen in der Lounge, was sich im Nachhinein als echter Glücksfall herausstellt, da sich ungeahnte Synergien in der Auftragsabwicklung ergeben. Kekse aus der Küchendeko.

13.00 Uhr: In der gewonnenen nächsten halben Stunde kurzes Screening der aktuellen eMails.

13.30 Uhr: Start der große Runde zur Budgetbesprechung 2010. Kleiner Nachmittagskaffee und Kekse.

15.30 Uhr: Telefonische Verschiebung des geplanten Lieferantengespräches auf den nächsten Tag und Fortsetzung der Budgetsitzung.

16:00 Uhr: Ausklinken aus dem laufenden Meeting wegen Kundenbesuch. Am Weg hinaus die erste freundliche Punscheinladung mit Keksen.

17:00 Uhr: Treffen von Geschäftspartnern beim Rotarier–Punschstand in der City. Mit Keksen.

17:30 Uhr: Zufälliges Treffen weiterer Geschäftspartner beim Rotarier–Punschstand in der City. Mit Keksen.

19:00 Uhr: Erster vorsichtiger Versuch einer höflichen Verabschiedung.

20:15 Uhr: Der endgültig letzte Punsch des Tages. Definitiv ohne Kekse.


Die Übereinstimmung mit lebenden Personen und Charakteren ist rein zufällig und entspricht maximal den bekannten Bürotypen Anchor, Connector oder Navigator. Wenn Sie mehr zu diesem Thema wissen möchten, lesen Sie bitte hier:

Invitation to an ongoing journey
Research für innovative Produktkonzepte


Brigitte Schedl-Richter







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