Zen an der langen Leine
Als Seiltanzen der neuen Art gilt der Trendsport Slacklinen. Im Zusammenspiel aus Balance, Konzentration und Koordination finden die Slackliner ihren Ausgleich zum Alltag.Bode Miller tut es. Ingemar Stenmark tat es. Was Ski-Rennläufer als ideales Zusatztraining für sich entdeckt haben, darauf schwört auch Annika H. So oft wie möglich, mindestens aber dreimal während der Arbeitswoche, packt sie ein Bündel mit Band auf ihr Fahrrad, radelt vom Innenstadt-Büro in den Wiener Prater, sucht sich zwei Bäume und beginnt ihr Vergnügen - das Slacklinen.
Elastisches Band, elastischer Körper
Dazu braucht es nicht viel: ein mehrere Meter langes und etwa 2,5 cm breites Schlauch- oder Gurtband, das mittels Ratsche zwischen zwei Befestigungspunkte, zB Park-Bäume, gespannt wird. Als Untergrund empfiehlt sich eine weiche Wiese für sanfte Landungen, vor allem anfangs. Gutes Gleichgewichtsgefühl und Koordinationsvermögen sollten Slackliner auf jeden Fall mitbringen.
"Das Balancieren auf dem Band erfordert volle Konzentration", erzählt Annika, "und subito wird der Kopf frei, der Körper leicht. Herrlich."Ein paar Zentimeter über dem Erdboden reichen aus, um 'abzuheben' ".
Ein Fuß vor den anderen
Slackline-Profis vergleichen das Gefühl auf der Line mit Meditation und geben der körperlichen Erfahrung eine geistige Dimension: Ganz bewusst einen Fuß vor den anderen zu setzen (Just one Foot in Front of the Other) gilt ihnen als Lebensprinzip, als Weg ins Hier und Jetzt.
"Um diesen Zustand zu erreichen bedarf es einiger Übung", erinnert sich Annika lachend an ihre ersten Versuche und die blauen Striemen an den Beinen, "denn das Band kann nach einem ungewollten Absprung ziemlich unsanft zurückschnalzen". Zu tun hat dies mit den besonders dynamischen Eigenschaften der Slackline. Wörtlich übersetzt bedeutet die Bezeichnung schlaffes Band. Im Unterschied zum straff gespannten Drahtseil dehnt sich die Slackline unter dem Gewicht ihrer Akrobaten, die diese schaukelnde Eigenbewegung ständig auszugleichen haben. "Das ist das eigentliche Training", erklärt Annika.
'Slack' im Yosemite
Natürlich haben Kinder und Jugendliche immer schon auf Stricken oder Absperrungen balanciert. Aber eine Trendsportart braucht einen Pionier. In diesem Fall handelt es sich um einen gewissen Scott Balcom, der die alte Idee Ende der 1970er Jahre aufgreift und weiterentwickelt. Nicht aus dem Zirkusmilieu kommt das Gehen auf dem Schaukelband, sondern aus der Kletterszene der Bigwallclimber im atemberaubenden Yosemite Nationalpark im Westen der USA. Um sich an Regentagen die Zeit zu vertreiben und dennoch zu trainieren, begannen die Kletterer, auf Ketten oder zwischen Bäumen gespannten Seilen Balance-Kunststücke zu üben. Bald kamen erste Schlauchbänder auf und man begann auf diesen zu laufen - sogar zwischen Felsengipfeln.
Neues Band
Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Sportindustrie auf den neuen Trend reagierte. Heuer ist nun das erste speziell zum Slacklinen konstruierte elastische Band auf den Markt gekommen. Entwickelt wurde es, mit Hinweis auf besondere Reißfestigkeit und optimale Elastizität, vom Schweizer Outdoor-Spezialisten Mammut. Ein ausgetüfteltes Produkt, mit Sicherungssystem, Ratsche, Bandklemme - und einer schicken Umhängetasche.
Gewinnspiel: Die Mammut Sports Group AG hat Bene ein Slackline-Band zur Verfügung gestellt, für die Leser dieses Online-Trendletters. Wie können Sie's bekommen? Indem Sie uns eine Antwort auf folgende Frage an office@bene.com schicken: Wie seilt man sich am besten aus dem Büro ab? Die Redaktion bemüht sich, die originellste Einsendung auszuwählen. Wir wünschen gute Balance und Trittgefühl auch in schwierigen Berufssituationen.
Einsendeschluss ist der 31. August 2008. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Désirée Schellerer




