BRAINS AND GAMES

Personalities

Andreas Rath, BRAINS AND GAMES, Wien

Innovation Change Management Interview

Sie sind Anfang- & Endpunkt, Motor & Katalysator, Wunsch & Anspruch. Innovation und Kollaboration sind in den vergangenen Jahrzehnten zu den zentralen Elementen unseres modernen Arbeitslebens geworden. Wir fragen in Gesprächen mit Zeitgenossen, welchen Stellenwert Kreativität besitzt, wie Innovationen entstehen und wie wandelfähig wir selbst und unser tägliches Business sein müssen. Diesmal unterhielten wir uns mit Andreas Rath, Geschäftsführer der „unlangweiligen Unternehmensberatung“ BRAINS AND GAMES.


BRAINS AND GAMES bezeichnet sich als „unlangweilige“ Unternehmensberatung. Was unterscheidet Sie von anderen, „langweiligen“ Beratern?
Die Bezeichnung „unlangweilig“ kommt aus Rückmeldungen von Kunden, die sagen, dass wir immer wieder neue, schräge Interventions-Ideen haben. Wir versuchen, Beratung in Erlebnisse zu übersetzen und dadurch Erfahrungen zu schaffen, die im betrieblichen Alltag nachhaltiger nutzbar sind. Das kann dann schon mal dazu führen, dass Finanzdienstleister, die im Unternehmen Kreativität fördern wollen, Graffitis machen oder Topmanager, die einen neuen Markt erobern wollen, den höchsten Berg der Steiermark besteigen.


Herr Rath, wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? Oder gibt es so etwas nicht?
Typische Arbeitstage haben wir kaum. Das Typische ist bei uns, dass jeder Tag anders abläuft. Für jeden Fall wählen wir das ideale Setting – das kann in der Natur sein, es kann aber auch ein klassischer Raum wie das Vorstandsbüro beim Kunden sein. Die Arbeitszeiten sind sehr flexibel, wir arbeiten dann, wenn es notwendig ist. Ich selbst unterscheide nicht zwischen Arbeits- und Freizeit sondern zwischen Zeiten, in denen ich Geld verdiene und solchen, in denen ich es ausgebe.


Haben Sie einen Hauptarbeitsplatz oder arbeiten Sie mobil?
Wir haben ein gemeinsames Büro, das uns als Ort der Begegnung sehr wichtig ist. Durch unterschiedliche Anwesenheitszeiten und Platzbedürfnisse brauchen wir fixe und freie Arbeitsplätze auf. Ich selbst habe einen eigenen Arbeitsplatz und bin eigentlich sehr froh darüber, dass ich den Schreibtisch am Abend nicht aufräumen muss und das Foto meiner Tochter stehenbleiben kann.

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit am liebsten?
Das Gefühl, dass Menschen durch unsere Beratung etwas erreichen, das sie vorher nicht für möglich gehalten hätten. Die Vielfalt, die wir in unterschiedlichen Organisationen erleben, die Einzigartigkeit der Menschen, mit denen wir arbeiten. Und die große Freiheit, die wir uns selbst gönnen.


Gibt es auch etwas, was Sie nicht so gerne mögen?
Das Gefühl, dass manche Dinge viel mehr Zeit brauchen, als man gerne hätte. Und dass man manchmal zu schnell ist, Widerstände im Unternehmen unterschätzt. Als Berater sehen wir es als unsere Aufgabe, zu verstehen, warum dieser Widerstand entsteht und Wertschätzung dafür zu zeigen, wofür die Menschen kämpfen. Denn Widerstand ist eine Kompetenz zur Wahrung eigener Ziele und Bedürfnisse. Erfolg bedeutet dann, einen Dialog innerhalb der Organisation aufzubauen und hinzuhören, was die Mitarbeiter wollen, wonach sie streben.


Bene ist davon überzeugt, dass Menschen an einem gut gestalteten Arbeitsplatz, der ihre Bedürfnisse erfüllt und unterschiedliche Zonen und Bereiche bietet, besser arbeiten. Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Arbeitsplatz aus?
Unsere Erfahrung ist, dass Menschen am intensivsten arbeiten, wenn sie den für die Arbeit passendsten Raum wählen können. Ein guter Arbeitsplatz kann verschiedene Anforderungen erfüllen, nach Ruhe, nach Kommunikation und Austausch.
Wichtig ist auch, dass man die Mitarbeiter einbezieht und sie im Rahmen der Möglichkeiten mitentscheiden lässt, wie der Arbeitsplatz aussieht. Wenn man möchte, dass die eigenen Mitarbeiter Veränderungen mittragen, sollte man sie nicht nur informieren, sondern auch am Entscheidungsprozess beteiligen. Das funktioniert sehr gut, wenn die Unternehmenskultur das auch erlaubt.


Was bedeutet „Neue Arbeitswelt“ für Sie?
Die Komplexität in der Gesellschaft und in den Organisationsformen nimmt zu, die Abläufe werden schneller. Das spiegelt sich auch in den Formen der Zusammenarbeit. Ein gutes Büro weiß von diesen Veränderungen, lässt Flexibilität zu, ermöglicht schnelles Agieren, hilft, mit komplexen Fragestellungen umzugehen.
Allerdings ist es unmöglich zu sagen, wie diese neue Arbeitswelt für einzelne Unternehmen auszusehen hat, da gibt es kein Patentrezept. Diese Antwort muss jede Organisation für sich selbst finden. Desk Sharing kann optimal sein, kann aber auch gar nicht zu einer Organisation passen. Es geht nicht darum, rasch Antworten zu finden, sondern darum, anfangs die richtigen Fragen zu stellen.


Und was bringt es, wenn man die richtigen Fragen gestellt hat?
Unterm Strich mehr Leistung, eine höhere Zufriedenheit der Mitarbeiter, Entlastung der Führungskräfte, und eine Antwort auf die Frage, wie man mit höherer Komplexität umgehen kann. Dabei muss jede Organisation ihre eigenen Antworten finden, ohne sich von traditionellen Denkmustern behindern zu lassen.


Sie haben bereits einige Change Prozesse begleitet – was sind Ihrer Ansicht nach die größten Hürden auf dem Weg in die neue Arbeitswelt? Und was sind die größten Chancen?
Auf dem Weg in die neue Arbeitswelt findet Change aus unserer Sicht in einem Dreieck statt: Die Eckpunkte dieses Dreiecks sind einerseits die räumliche Gestaltung und moderne Technologien, andererseits das Erarbeiten einer neuen Kultur, die als Basis dazu dient, Technologie und Raum optimal zu nutzen.

In jedem Change Prozess müssen zwei Dinge klar vermittelt werden: Wozu brauchen wir diese Veränderung? Was ist unser Ziel? Zwei scheinbar banale Fragen, die aber oft nur schwierig klar zu beantworten sind. Die Gestaltung neuer Büroräumlichkeiten sehen wir als große Chance für einen kulturellen Wandel in Richtung stärkerer Kooperation und Abbau von Kommunikationsbarrieren, sowohl räumlicher als auch mentaler Natur. Der Kulturwandel ist dabei Ergebnis des  Change Prozesses. Professionelle Berater können diesen Pro-zess begleiten, neue Kommunikationsformate anbieten, die kulturelle Entwicklung steuern.


Innovation ist zu einem ziemlichen „Buzzword“ geworden – jeder will sie, jeder braucht sie, um erfolgreich zu sein. Was sind Ihrer Erfahrung nach wichtige Voraussetzungen, dass Innovation entstehen kann?

Ein guter Nährboden für Ideenreichtum, Kreativität und letztendlich Innovation sind sicher starke Eigenverantwortung, eine positive Fehlerkultur und eine klare gemeinsame Ausrichtung. Welche Form von Innovation ist überhaupt gewünscht? Und wie schafft man den rich-tigen Rahmen dafür? Wer etwas Neues will, muss auch zulassen, dass sich etwas ändert. Das heißt ja nicht, dass alles, was vorher gemacht wurde, falsch war. Wichtig ist auch Reflexion: Wodurch hat Innovation bisher geklappt, was haben wir schon einmal richtig ge-macht?


Was ist das wichtigste Tool für Ihre Arbeit?
Oberflächlich gesehen: Handy und Laptop, weil ich das ständig verwende, ich brauche fast rund um die Uhr das Internet. In der Beratertätigkeit ist das wichtigste Tool tatsächlich die Intuition. Ich verlasse mich mehr auf Intuition als auf kognitives Wissen, sie ist die Basis meiner Arbeit.


Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Abgesehen von der Idea Wall? Offenheit für neue Arbeitsformen, von unseren Kunden, aber auch von uns als Beraterfirma selbst – auch wir haben unsere Muster, und müssen unbedingt dranbleiben, um neue Formen auszuprobieren. Und dann wünsche ich mir noch Techniker, die verständlich mit uns „normalen Usern“ sprechen können. Nicht zuletzt wünsche ich mir die Steigerung unserer Dialogfähigkeit, das brauchen wir in modernen Organisationen und wohl auch dringend in unserer Gesellschaft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

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