Artikel von: Amira Ben Saoud

Trends 19.02.2015

Denken wie ein Designer

PARCS Toguna

Probleme zu lösen und Innovationen hervorzubringen sind Wünsche, die sowohl EPUs, Start-Ups als auch Firmen mit hunderten Angestellten branchenunabhängig teilen. Nur wie? Das ist die Frage, die „Design Thinking“ ganzheitlich zu beantworten versucht.

Design Thinking? Noch nie gehört? Stimmt wahrscheinlich so nicht ganz. Selbst wenn der Begriff erst einmal Fragezeichen hervorruft, hat jeder wohl schon etwas mit Design Thinking zu tun gehabt, vielleicht ohne es zu wissen. Arbeitsplätze haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Nicht nur das Internet hat zahlreiche neue Möglichkeiten – besonders bezüglich Zusammenarbeit und Co-Creation – eröffnet, Team- und projektbezogene Arbeit ist in aller Munde – auch in der „analogen“ Welt. Führt man noch Innovation, Interdisziplinarität und nutzerorientierte Gestaltung ins Feld – ist man schon sehr nah daran, was Design Thinking, ist und will.
 

Worum geht’s

Doch noch einmal von vorne: Design Thinking bedeutet erst einmal ganz einfach „wie ein Designer zu denken“. Das heißt, Methoden, die (Industrie-)Designer in ihrer Arbeit anwenden, auf andere Bereiche zu übertragen. Der Begriff wird wohl am stärksten mit dem kalifornischen Unternehmen IDEO in Verbindung gebracht, welches das System Design Thinking zuerst vermarktet hat und auch lebt. So gehören bei IDEO flache Hierarchien, projektbezogene Teamarbeit und Mut zu Kreativität zum Arbeitsalltag – eine Kernaufgabe der Firma ist, genau diese Dinge auch zu vermitteln. Einer der Mitbegründer von IDEO, David Kelly, steht auch der von ihm gegründeten d.school, dem Hasso Plattner Institute of Design in Stanford, vor, die unter anderem sogenannte „Bootcamp“-Kurse in Design Thinking anbietet und die Methode auch in der Academia salonfähig gemacht hat.

Trends 16.12.2014

Aus Alt mach Neu

© Noë Flum

Upcycling – was ist das nun schon wieder? Nicht wenige denken beim ersten Kontakt mit dem Wort ans Fahrradfahren und stellen sich wohl so etwas wie ein Gegenstück zur Sportart Downhill vor. Aber auch wenn es bei Upcycling aufwärts gehen soll, hat das Ganze mit anstrengendem Treten in die Pedale und Bergen recht wenig zu tun. Upcycling ist eine Variante von Recycling. Bei dem Trend, der die Mode- und Designwelt bereits im Sturm erobert hat, werden alte, unbrauchbar gewordene Produkte, die sonst im Müll landen würden sowie „Abfälle“, die beim Produktionsprozess entstehen, wiederbelebt und damit aufgewertet.

Man unterscheidet hier zwischen pre-consumer waste, also Abfall, der entsteht bevor ein Produkt den Konsumenten überhaupt erreicht (wie zum Beispiel übrig gebliebene Stoffbahnen in der Modeindustrie) und dem post-consumer waste, also fertigen Produkten, die durch die Nutzung oder auch Nicht-Nutzung des Konsumenten früher oder später im Müll landen. Upcycling kann beide Arten von Abfällen aufwerten, manchmal auch in ihrer Kombination. Die Umwelt freut sich, wenn aus Alt Neu wird, weil weniger Müll entsorgt wird. Die eigene Geldbörse freut sich auch, da sich neue Investitionen in Grenzen halten – so das einfache aber bestechende Konzept.
 

Not macht erfinderisch

Ein altes Kleid der Mutter von den Schulterpolstern zu befreien und enger zu nähen oder eine Matratze auf Europaletten zu legen, weil das Budget gerade nicht den Kauf eines neuen Bettes erlaubt – sicherlich hat jeder Student und jede Studentin schon einmal – vielleicht ganz unbewusst – upgecycelt und sich aufgrund mangelnder finanzieller Mittel zur Kreativität gezwungen. Not macht bekanntlich erfinderisch. Dennoch ist das Selbstverständnis von Upcycling nicht, das Ergebnis eines (finanziellen) Kompromisses zu sein, sondern eine bewusste Entscheidung für nachhaltiges Verhalten und Kreativität.

Trends 21.11.2014

Im Labyrinth der Innovationen

Bene AG

Das Wort Innovation hat vielleicht seine besten oder schlechtesten Zeiten schon hinter sich – wie man’s nimmt: seinen Buzzword-Status, das heißt, die Fähigkeit durch seine reine Anwesenheit zu beeindrucken, hat es wohl verloren. Zu oft haben sich die beiden großen W’s, Wirtschaft und Werbung, in den letzten Jahren an ihm bedient, wenn es darum ging ein Produkt, eine Idee, eine Arbeitsweise besser als eine andere dastehen zu lassen. Das Adjektiv „innovativ“, wie es heute gern und oft verwendet wird, ¬ist also vor allem eines: positiv konnotiert. Auch wenn wir dem Wörtchen in unserem Alltag häufig begegnen und es uns manchmal auf die Nerven geht – jeder, der schon einmal in einem Projektantrag ausführen musste, inwiefern seine Idee nun innovativ sei, kennt das – sehen wir dennoch in der Innovation Erneuerung – nichts anderes bedeutet ja das Wort – und interpretieren diese als Fortschritt.
 

Warum sollten wir auch nicht?

Das könnte daran liegen, dass die Menschen, die in Medien, Wirtschaft, Politik und Werbung gerade den Ton angeben und damit solche Konnotate beeinflussen – egal, ob sie erst ein paar Jahre im Beruf stehen oder sich schon dem Ende ihrer Laufbahn nähern – alle eine ordentliche Bandbreite an großen Innovationen selbst miterlebt haben, oder zumindest gut darüber informiert sind, von den Früchten der Errungenschaften der jüngeren Geschichte profitieren. Selbst jemand, der heute erst 20 ist, kann sich noch an eine Zeit vor Facebook und Smartphones erinnern; große Teile der Bevölkerung wissen auch noch ganz genau, wie das ohne Internet beziehungsweise den Möglichkeiten, die es heute bietet, war. In diesen Kontexten ist die positive Strahlkraft des Wortes „Innovation“ nochmal verständlicher. Es wundert nicht, dass man technischen Entwicklungen, die den (Arbeits-)alltag erleichtern in diesen Generationen aufgeschlossen gegenübersteht, hat man doch bereits großen Nutzen aus ihnen gezogen. Dennoch braucht es eine gewisse Zeit bis sich die Auswirkungen, die solche Innovationen mit sich bringen, manifestieren. Denn gerade technischer Fortschritt kann auch Kehrseiten haben – Überwachung von Daten, Drohnen, die vielzitierte Waffe aus dem 3D-Drucker beispielsweise. All das sind Phänomene, an denen Innovation zwar nicht die unmittelbare „Schuld“ trägt, die aber aus ihr resultieren können.

Architektur & Design 18.06.2014

Work in Progress: Der Architekt

Generalist und Spezialist. Gott und Ted Mosby. Architekten kommen in allen Farben und Formen. Was sie nun eigentlich zu können haben, wird seit Jahrtausenden diskutiert.

In sieben Tagen die Welt

Geht man von unseren durch den christlichen Glauben geprägten Breiten aus – man denke nur an unsere Zeitrechnung – dürfte man wohl den Schöpfergott, der laut Bibel in sechs Tagen und einem Ruhetag die ganze Welt schuf, den ersten Architekten nennen. Nicht umsonst zeigen frühe Darstellungen der Weltschöpfung oft Jesus Christus, stellvertretend für den Vater, der mit einem Zirkel den Erdball vermisst. Gott als Architekt vereint exemplarisch sowohl die Kraft der Idee, als auch die Fähigkeit der Ausführung in sich und markiert damit ein Ideal, das den Architekturdiskurs seit Jahrtausenden beschäftigt.

Seit Bauten dokumentiert werden können, stellt sich die Frage, was die Aufgaben des Architekten nun eigentlich sind. Das aus dem Altgriechischen stammende Wort Architekt, das – über das Lateinische vermittelt – auch heute in einigen Sprachen den Beruf bezeichnet, gibt nur unzureichende oder einseitige Auskunft über die Bedeutung des Begriffs, wie wir ihn verwenden. So lässt es sich als „Oberster Handwerker“ übersetzen – das empfänden so manche Architekten zu Recht sicherlich als unzureichende Beschreibung ihrer Tätigkeit.

Trends 17.05.2014

Die Spezies der Ypsiloner

Qualifiziert, technologieaffin und globalisiert soll die „Generation Y“ sein. Wenig kompromissbereit, wenn die Arbeit keinen persönlichen Mehrwert bringt, leistungsstark, wenn sie Spaß macht. Ein starker Gemeinschaftssinn wird ihr trotz Narzissmus nachgesagt sowie liberale Ansichten. Protest ist nicht ihr Ding, die Welt will sie aber trotzdem retten. Loyal ist sie hundertprozentig, aber nur solange sie auch hundertprozentig zufrieden ist. Sonst packt sie ihren Koffer und zieht weiter. Sucht sich mit den allerorts anerkannten, in Mindestzeit abgeschlossenen Bachelor- und Masterabschlüssen neue Herausforderungen. Theoretisch zumindest.

Was jedenfalls definitiv über die „Generation Y“ gesagt werden kann, ist, dass jeder über sie schreibt. Seit 1993 schwirrt die Bezeichnung durch sämtliche Zeitungen, Magazine und natürlich das Internet: das wahre Zuhause dieser Generation. Circa 30 Jahre alt sind ihre Mitglieder heute und das ihr zugeschriebene Sammelsurium von Attributen ist so heterogen wie sie selbst.

Vielleicht ist gerade jetzt der passende Zeitpunkt, um noch einmal einen Blick auf die „Millenials“ zu werfen. Retrospektiv könnte man fast sagen, da schon die nächste Generation namens „Z“ mit den Smartphones im Anschlag in den Startlöchern steht und bald den Arbeitsmarkt erobern wird. 
 

Auf X folgt Y folgt Z

Wie es das Alphabet vorgibt, folgt Y auf X. In den 60ern bis 80ern erblickte die „Generation X“ das Licht der Welt. Der Begriff wurde vom Fotografen Robert Capa erdacht und durch Douglas Couplands gleichnamigen Roman in den allgemeinen Sprachgebrauch überführt. Geprägt von einer hohen Scheidungsrate und aufgezogen vom Fernsehen, wird die sogenannte „Gen X“ als arbeitsfaule, zynische und kapitalismusfeindliche Generation charakterisiert, die wenig auf Karriere und Prestige gibt, dabei aber immer individuell sein will. Als diese Generation erwachsen wurde, wollte sie die Fehler ihrer Eltern nicht wiederholen und kümmerte sich „helikopterhaft“ um die eigenen Kinder, die „Ypsiloner“. Diese sind zwar weniger auf Individualismus ausgerichtet als ihre Eltern, durch die auf Belohnung und Bestätigung aufbauende Erziehung in ihrer Kindheit aber selbstbewusster. Sie verlangen ihren Arbeitgebern viel ab, wollen Feedback und Lob, sind dafür aber flexibler. Weil sie in einer wirtschaftlich krisenreichen Zeit aufgewachsen sind, in der sich Technologie rasend schnell verändert und verbessert, sind auch sie immer auf dem Sprung, immer bereit für Veränderung.