News

Bene Expert Talk ‘Mehr als Sitzen’

Bürotrends Sitzen Event

Unter großem Interesse fand am 27.6.2013 der Expert Talk zum Thema „Mehr als Sitzen“ im Wiener Bene Office und Showroom Neutorgasse 4-8 statt. Internationale Vertreter aus Design, Wissenschaft, Beratung und Wirtschaft diskutierten über den Wandel von Arbeitsweisen, Sitzkultur, -möbel und die Absurdität von Bedienungsanleitungen für Bürostühle.

"Der Trend geht heute dazu, in und bei der Arbeit beweglicher zu werden", leitete Rosa Lyon, ORF-Berichterstatterin und ehemalige Ö1-Journalistin, als Moderatorin des Abends das Thema Sitzkultur ein. Aber wechseln wir auch innerhalb des Büros öfter den Platz? Gibt es einen Wandel der Sitzkultur?

Zweifellos, konstatiert Sebastian Hackenschmidt, Kunsthistoriker und Kustos für Möbel und Holzarbeiten am MAK, gebe es diesen. Auch in den vergangenen Jahrhunderten wandelten sich sowohl Anschauungen zum Thema Sitzen als auch die Möbel selbst enorm, wie er in einem Impulsvortrag ausführte. So war beispielsweise Goethe gegen alle Arten von Bequemlichkeit, denn bequeme Möbel würden passiv machen, und wären beim Arbeiten daher kontraproduktiv. Heute hingegen ist hoher Sitzkomfort bei Arbeitsstühlen wichtig. Im Laufe der Zeit zeigte sich Bequemlichkeit in zwei Kategorien: Mechanik (Stichwort: verstellbare Sitzmaschinen) + Polsterung (üppige Kissenstühle, Innovationsschub durch Schaumstoff).

Auch heute gelten diese Faktoren noch, doch wie viel Zeit soll man im Büro überhaupt sitzend verbringen? Das hänge von der individuellen Konstitution ab, erklärt Arbeitsmedizinerin Sigrid Klufa. Jedenfalls sollte man so viel Bewegung machen wie möglich – und das auch schon bei der Bürogestaltung einplanen. Hat man den Drucker nicht direkt beim Tisch, ist man gezwungen aufzustehen. Man kann auch absichtlich Ordner oder auch einmal das Telefon weiter weg platzieren. Gut wären etwa 50 Prozent Sitzen, 50 Prozent Bewegung.

Dies trifft auf die Tatsache, dass heute die Produktivität ohnehin entscheidend von Interaktion abhängt. Während es über rund 100 Jahre die beiden traditionellen Pole "task" und "meet" mit entsprechenden Sitzmöbel gab, ist in letzter Zeit eine neue Landscape entstanden, führt Tom Lloyd, Designer des Londoner Designerbüros PearsonLloyd aus. Informelle und spontane Kollaboration gewinnt zunehmende Bedeutung – Raum- und Platzwechsel werden häufiger. Da zudem aufgrund höherer Mobilität im "Normalbetrieb" 50% der Tische bzw. Stühle leer stehen, werden Plätze immer häufiger geshared. Für beide Situationen braucht es Bürostühle, die sich unterschiedlichen Bedürfnissen anpassen – entweder durch automatische Gewichtsregulierung oder intuitive Bedienbarkeit – wie die neuen Modelle RIYA und BAY. Denn Sitzmöbel müssen heute nicht mehr mit komplizierter Mechanik protzen, darin sind sich die Diskutanten einig, sondern wieder menschlich werden – sowohl in ästhetischer Hinsicht als auch bezüglich einfacher und rascher Anpassungsmöglichkeiten. Kaum jemand liest eine Bedienungsanleitung für seinen Bürostuhl. Was nicht intuitiv einstellbar ist, wird ignoriert. Nicht nur, wenn man kurzzeitig woanders sitzt, sondern auch am gewohnten Arbeitsplatz.

Ein Faktor seien die Möbel, der zweite die Unternehmenskultur, ergänzt der Arbeitsweltexperte Franz Kühmayer. Bequem sitzen funktioniere nur in Kombination von beidem. Es gilt somit in beiderlei Hinsicht die Bedingungen für Wissensarbeiter zu optimieren. Investitionen in die Infrastruktur rechnen sich, ist er überzeugt. Denn das Büro entwickelt sich zu einem Ort, der künftig vor allem aus zwei Gründen besucht wird: für Zusammenarbeit und aufgrund der Infrastruktur, die auf die Arbeitsweisen eingeht und einen produktiver macht.


Mehr Fotos vom Expert Talk finden Sie hier.

Das Video der Podiumsdiskussion finden Sie auf YouTube.

comments powered by Disqus