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Bene Sortimentsbuch: Räume schaffen – wider den Zufall

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Büroformen und Räume entstehen nicht zufällig. Sie sind Ergebnis eines wohlüberlegten Konzepts – oder zumindest sollten sie das sein. Denn mit der bewussten Entscheidung kann zukünftiges Arbeiten ideal unterstützt werden. Das neue Bene Sortimentsbuch bietet Einblicke in diese Thematik.

Irgendwo in Europa, 1987: ein langer Gang, links und rechts endlos scheinende Reihen von Türen, kein Mensch zu sehen. Dann öffnet sich kurz eine Türe, ein Mann tritt heraus und schreitet rasch den Flur entlang. Er öffnet eine andere Türe und verschwindet im dahinter liegenden Raum. Stille.

3 Jahre später, irgendwo in den USA: "Nein, nicht bei mir – wenden Sie sich an Clark. Dort drüben, vierter Tisch rechts. Hey Clark, da will dich jemand sprechen!" Ein weitläufiger Büroraum, von unzähligen Tischen übersät, an denen ebenso viele Büroarbeiter sitzen, Stimmengewirr, Betriebsamkeit. Der Mann steuert auf sein Ziel zu.

Dies sind die Büroformen, die in den vergangenen Jahrzehnten vorherrschend waren – das Zellenbüro in Europa, das Großraumbüro im angloamerikanischen Raum. Doch in letzter Zeit vollzog sich ein Wandel weg von diesen "starren" Bürokonzepten. Neue Technologien, veränderte Anforderungsprofile an den Büroraum, an Unternehmen und deren neues Selbstverständnis führten dazu, dass Altes hinterfragt und weiterentwickelt wurde.


Die Wahl der Büroform

Heute stehen der Mensch und sein Kommunikationsverhalten im Mittelpunkt der Büroplanung. Zwischenmenschliche Kontakte werden gefördert, ein motivierendes Arbeitsumfeld geschaffen. Nicht mehr nur die Optimierung des Einzelarbeitsplatzes steht im Vordergrund, sondern ein durchdachtes und ganzheitliches Gebäudekonzept ist gefragt – für unterschiedliche Arbeitssituationen.

Inzwischen hat man erkannt: Die Auswahl der geeigneten Büroform hat entscheidenden Einfluss auf Performance und Motivation der Mitarbeiter. Damit wird sie zum Erfolgsfaktor der Bürogestaltung. Jede Büroform bietet dabei unterschiedliche Lösungsansätze in Bezug auf Kommunikation, Konzentration, Flexibilität und Flächenwirtschaftlichkeit. Hier gilt es, die richtige Lösung für den individuellen Bedarf zu finden.
 

Vier Büroformen und ihre Merkmale

Für das Zellenbüro ist die Aneinanderreihung von Ein- und Mehrpersonen-Büros entlang der Fassade charakteristisch; die Erschließung erfolgt über einen gemeinsamen Flur. Im Vergleich zum ursprünglichen Zellenbüro gab es in den letzten Jahren auch Veränderungen, so kam z.B. eine kleine offene Gemeinschaftszone dazu. Das Zellenbüro eignet sich besonders für Unternehmen, die autonomes, konzentriertes Arbeiten unterstützen und vertrauliche Gespräche ermöglichen wollen. Abgeschlossene Arbeitsplätze gelten mitunter heute noch als Status-Symbol. Eine relativ niedrige maximale Belegungszahl wird in Kauf genommen.

Das Kombibüro kombiniert standardisierte Ein- und Mehrpersonen-Büros, die flächenmäßig deutlich reduziert sind. In der innen liegenden, multifunktionalen Gemeinschaftszone – der so genannten Mittelzone – finden Kommunikation, Austausch und Interaktion statt. Auch Support-Bereiche befinden sich hier. Die Flurwände sind transparent gestaltet: Das ermöglicht visuellen Kontakt zur Mittelzone. In Kombibüros findet häufig ein Wechsel zwischen konzentrierter Einzelarbeit und kommunikativer Projekt- oder Teamarbeit statt. Die maximale Belegungszahl ist größer als beim Zellenbüro.

Im Teambüro findet sich ein Mix an Büroformen innerhalb eines Bürogebäudes oder -geschoßes. Variabilität und Flexibilität stehen im Vordergrund. Das Teambüro ist zum Teil offen und transparent gestaltet und kurzfristig veränderbar. Es ist vielfältig in der Eignung, etwa für Teambildung und -strukturierung, Projektarbeit, Konzentration, Kommunikation. Die maximale Belegungszahl ist auch bei dieser Büroform etwas größer.

Das Open Office vereint die Vorteile mehrerer Büroformen in großräumigen Anwendungsszenarien. Kommunikation, Wissensaustausch und Begegnungsqualität rücken in den Mittelpunkt, ohne Privatheit und Rückzugsmöglichkeiten zu vernachlässigen. Mitarbeiter wählen für ihre Tätigkeiten die dafür jeweils am besten geeigneten Zonen und Bereiche. Verdichtete und non-territoriale Arbeitsplatzbereiche ermöglichen eine hohe Flächenwirtschaftlichkeit.
 

Raumbildung und Raumgliederung

Alle diese Bürotypologien sind geprägt von vertikalen, Raum bildenden und Raum gliedernden Flächen, die das Geschoß entweder in geschlossene oder offene Bereiche teilen. Sie strukturieren die Arbeitsumgebung und schirmen entweder visuell und akustisch ab oder fördern Offenheit und Transparenz. Dabei sind alle Raumsysteme von Bene technisch so konzipiert, dass sie nicht in die Gebäudearchitektur eingreifen, jedoch Bautoleranzen und Deckenbewegungen aufnehmen können.

Zur Raumbildung: Hierbei werden – von Boden bis Decke – abgeschlossene Büroeinheiten geschaffen. Eine hohe akustische Abschirmung sorgt für Ruhe und Diskretion. Visuell kann ebenfalls eine Abschirmung erfolgen, oder aber durch Glasflächen Transparenz erreicht werden. Verstärkt in Zellen- und Kombibüros angewandt, ermöglichen abgeschlossene Büroeinheiten konzentriertes Arbeiten und Individualisierung.

Eine interessante Sonderform der Raumbildung sind Cubicles: Raum-in-Raum-Lösungen mit eigener Deckenkonstruktion. Als schalltechnische Abgrenzungen dienen sie vorwiegend in offenen Bürolandschaften als Besprechungsräume, Denkerzellen mit temporären Arbeitsplätzen, als Rekreationsräume oder Räume für hochkonzentrierte Tätigkeiten.

Zur Raumgliederung: Sie unterteilt die offenen Layouts von Teambüro und Open Office. Sie strukturiert den Raum, ermöglicht Stehenden die visuelle Wahrnehmung des Raumes und verbessert und beschleunigt so die Kommunikation. Im Sitzen hat man durch die vertikale Abschirmung die Möglichkeit zu Rückzug und Konzentration. Unterschiedliche Höhen der vertikalen Flächen erzeugen unterschiedliche Grade der Abschirmung, was sich sowohl akustisch und visuell als auch psychologisch auswirkt – von einer leichten Strukturierung des Raumes bis zu einer Gliederung mit eigenständiger räumlicher Qualität ist alles möglich. In offenen Layouts mit Raumgliederung wird eine Verdichtung von Arbeitsplätzen erreicht, die Flächeneffizient steigt, Wege sind hier kürzer und überschaubarer. Teambildung wird erleichtert, man ist beteiligt am Geschehen. Raumgliederungselemente sind flexibel bei Umbauten und eröffnen die Möglichkeit einer dritten Arbeitsebene – mit dem Vorteil der Organisation von Ablage und Utensilien in Griffweite. Meist wird Raumgliederung bei flachen hierarchischen Strukturen eingesetzt.

Mit der – auf eingehenden Analysen basierenden – Wahl einer Büroform und dem Schaffen von Räumen ist der erste große Planungsschritt gemacht hin zu einem Büro, das die Mitarbeiter in ihren Tätigkeiten optimal unterstützt.
 

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