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Bene Sortimentsbuch: Sitzen und Stehen – Bewegung tut gut

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Jeder von uns hatte wohl schon öfters Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen, verursacht durch langes Sitzen bei der Büro- und Bildschirmarbeit. Denn der Stütz- und Bewegungsapparat wird in dieser Haltung starken Belastungen ausgesetzt. Besonders schlimm ist es beim Sitzen mit gekrümmtem Rücken – hier werden die Bandscheiben doppelt so sehr belastet wie beim Stehen. Rückenleiden gehören damit leider fast zum Alltag. Sie sind mit zehn Prozent "Krankheitsursache Nr.1" und verursachen mit einer durchschnittlichen Dauer von 22 Tagen die längste Zeit der Arbeitsunfähigkeit.
 

Dynamisches Sitzen

Was dagegen hilft, ist klar: Bewegung! Bereits Veränderungen der Sitzhaltung bewirken Positives. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass es zwar schonendere und weniger schonende Sitzhaltungen gibt, jedoch keine auf Dauer richtig ist. Nur der kontinuierliche Wechsel von einer zur anderen fördert das Wohlbefinden und die Gesundheit. Dynamisches Sitzen ist eine gute Strategie, um sowohl Ermüdung als auch Haltungsschäden vorzubeugen. Denn es hilft, die Bandscheiben mit genügend Nährstoffen zu versorgen und fördert die Durchblutung, den Stoffwechsel und die Atmung. Also: einmal vorgeneigt sitzen, einmal aufrecht, einmal zurückgelehnt.

Die Rückenlehne soll sich dabei mitbewegen und soll gleichzeitig stützen. Daher nutze man sie bei aufrechtem Sitzen auch, und zwar so, dass das Becken leicht nach vorne gekippt ist – dann werden Muskulatur und Bandscheiben gleichermaßen belastet. Die Drehstuhls zu sitzen, ist übrigens nicht ratsam. Die Sitzfläche sollte die Oberschenkel noch zu zwei Drittel stützen. Tisch- und Stuhlhöhe müssen so eingestellt sein, dass Ober- und Unterarme sowie Ober- und Unterschenkel mindestens einen rechten Winkel bilden. Die Füße sollen vollständig auf dem Boden aufliegen, die Arme locker auf Tisch oder Tastatur. Und eben nicht vergessen: häufig die Sitzhaltung wechseln! Der richtige Bürodrehstuhl unterstützt nicht nur optimal den Körper, sondern animiert auch zur Bewegung.
 

Zwischendurch mal stehend arbeiten

Ein Wechsel der Arbeitshaltung ist nicht nur beim Sitzen gut. Auch aufstehen, umhergehen, im Stehen arbeiten – all das aktiviert Körper und Geist. Wer es probiert, wird schnell davon überzeugt sein. Ideal sind Arbeitsplätze, die einmal stehend und einmal sitzend verwendet werden können. 90 Prozent der Nutzer von solchen Steh-Sitz-Arbeitsplätzen berichten von einer allgemeinen Leistungssteigerung. 63,5 Prozent haben weniger Rücken- und Nackenbeschwerden. Obwohl man meinen sollte, dass das Stehen ja anstrengend wäre, ist die Ermüdung bei der Arbeit an diesen Arbeitsplätzen geringer. Hingegen steigen Konzentrationsfähigkeit, Produktivität und Kreativität. Auch ein Zeitgewinn wird sichtbar, da im Stehen z.B. kürzer telefoniert wird, und zwar freundlicher und bestimmter. Und für alle kühlen Rechner: Die Krankheitskosten verringern sich, die Ausfallszeiten werden kürzer, und somit ergibt sich langfristig eine Kostenersparnis.
 

Bewegungsförderung

Bei so vielen Vorteilen stellt sich die Frage, wieso noch immer in vielen Büros fast ausschließlich sitzend gearbeitet wird. Die Antwort: Gewohnheit. Aber keine Frage: Auch Gewohnheiten lassen sich ändern. Durch eine Kombination von mehreren Maßnahmen kann die Steh-Sitz-Dynamik erreicht werden. Da wären einmal die Aufklärung der Mitarbeiter und das Verhaltenstraining, damit jede Möglichkeit zum Haltungswechsel genutzt wird. Arbeitsabläufe lassen sich zugunsten von mehr Bewegung verändern: z.B. Telefonieren oder Besprechungen im Stehen sowie Ortswechsel. Natürlich müssen auch die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, z.B. Steh-Sitz-Arbeitsplätze und die Einrichtung von Zonen und Bereichen, die für Kommunikation genutzt werden können. Danach kann´s eigentlich schon losgehen...
 

Autor

Brigitte Schedl-Richter

Texterin, freie Journalistin, www.argezeit.at

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