Silicon Valley, Buchtipp

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Buchtipp: Christoph Keese “Silicon Valley”

Buchtipp Innovation Disruption

Wenn man über Innovation und Disruption spricht, dann fällt früher oder später auch der Name des Silicon Valley, einer Gegend, die zwar kaum größer ist als Berlin, jedoch als Brutstätte einer unglaublichen Anzahl von Weltfirmen gilt. Hierzu zählen z.B. Apple, Google, Cisco, Hewlett-Packard, Yahoo, LinkedIn, oder ebay. Darüberhinaus haben jede Menge Firmen, die Musterbeispiele für „disruptive Innovation“ sind, Ihren Ursprung im Silicon Valley:  AirBnb, Netflix, Snapchat, Uber und viele mehr. Der Journalist und Publizist Christoph Keese hat sich das Silicon Valley genauer angesehen, um herauszufinden, was die außergewöhnliche Innnovationskraft des Ortes ausmacht. 

Alles anders.

Beim Lesen des Buches kommt man schnell zu dem Schluss: Im Vergleich zu Europa gelten im Silicon Valley andere Regeln. Angefangen von der Ausbildung auf der Stanford University, über das Investitionsverhalten potenter Geldgeber bis hin zur Arbeits- und Risikokultur ticken die Uhren südlich von San Francisco anders: Unternehmerischer Pragmatismus statt Theorien, Lösungen statt Problemen, Schnelligkeit statt Behäbigkeit, Agilität statt Prozessorientierung, freundschaftliche Nähe statt Hierarchien,  Pivoting statt konsequentes Festhalten an Konzepten usw. usw. All dies führt insbesondere zu anderen Arbeitsweisen, die elementar zu sein scheinen für den Erfolg vieler Firmen.

Mutierende Räume.

Das zeigt sich auch darin, dass man im Silicon Valley selten klassische, fixe Arbeitsräume findet. Stattdessen gibt es flexible Trennwände und Tafeln, mit denen man ständig neue Räume bilden kann. „Dadurch erreichen wir, dass sich die Topografie des Raums den wechselnden Stoßrichtungen des kreativen Prozesses anpassen kann…. Hier bei uns drücken wir neue Gedankenrichtungen durch das schnelle Schaffen neuer Räume aus. Diese räumliche Manifestation löst eine Rückkopplung in den kreativen Prozess aus“,  erläutert David Kelley, Gründer der Beratungsfirma Ideo.

Und jetzt?

Klar ist, dass sich langfristig niemand aus der „Old Economy“ den Sicht- und Arbeitsweisen des Silicon Valleys verschließen kann. Zu viele Bespiele gibt es, bei denen disruptive Innovationen zu substantiellen Umbrüchen  ganzer Wirtschaftszweige geführt haben. Doch wie steht z.B. Deutschland derzeit im Licht der digitalen Revolutionen da? Das Bild, das Keese am Ende seines Buches skizziert, sieht eher düster aus. Die wichtigsten Ansatzpunkte für notwendige Veränderungen in Deutschland sieht er einerseits im Schul- und Bildungswesen aber auch in der Arbeits- und in der Gründerkultur, die u.a. durch die Politik geprägt wird. In den meisten Bereichen fehle eine innovative Denkweise immer noch vollständig. Wir sollten anfangen zu überlegen, „wie wir uns disruptiv annullieren würden“, sagt Keese provokant. Zumindest in der Arbeitswelt gibt es erste interessante Ansatzpunkte hierfür, indem u.a. Vordenker aus der Büromöbelindustrie neue Konzepte im Sinne des Silicon-Valley-Spirits entwickeln. Eine spannende Dynamik, die in den kommenden Jahren sicher noch an Geschwindigkeit gewinnen wird.


Autor: Christoph Keese
Titel: Silicon Valley. Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt.
Verlag: Knaus
Erschienen 2014

Autor

Jens Zimmermann

Marketing & Strategy Specialist

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