Personalities

Christian Horner, Wien – Waidhofen/Ybbs

Design KMU Bürotrends Kommunikation Kreativität

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal befragen wir den Designer Christian Horner. Im Gespräch mit Désirée Schellerer und Angelika Molk sprach er über das Büro als öffentlichen Raum, kreative Egomanen und die Tiefe des Raumes im Open Space.

Elegante Linienführung und Liebe zum Detail zeichnen die Entwürfe von Christian Horner aus. Klassische Formen vermag er neu zu interpretieren. In Starnberg bei München 1968 geboren und in Italien und Deutschland aufgewachsen, studierte Horner in der Meisterklasse Ron Arad an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Er arbeitete in renommierten Designbüros in Paris und Mailand. Neben seiner Tätigkeit für Bene seit dem Jahr 2000 gestaltete er gemeinsam mit Nada Nasrallah Designobjekte für Marken wie MDF Italia, Rapsel, Ligne Roset oder Wittmann Möbelwerkstätten.


Herr Horner, Sie entwerfen sowohl Produkte für den Wohn- als auch den Bürobereich. Ist Ihre Herangehensweise immer die gleiche, auch wenn Sie an ganz unterschiedlichen Produktkategorien arbeiten, oder variiert der Designprozess je nach Aufgabenstellung?
Der Prozess kann tatsächlich sehr unterschiedlich sein. Der systemische, repetitive Charakter des Büromöbels verlangt zunächst eine Annäherung über die Gesamtbetrachtung des Raumes. Das Erarbeiten von möglichen Grundrissen, Möbel- und Materialkombinationen steht am Anfang des Prozesses, die Detailierung eher am Ende. Diese Feinheiten erlangen jedoch dann eine immense Wichtigkeit. Man muss bedenken, dass die einmal definierte Oberfläche oder Schattenfuge sich in einem Raum hundertmal wiederholen kann.

Bei Wohnmöbeln oder Accessoires ist der funktionale Anspruch nicht so dominant wie im Büro. Die Produkte können expressiver sein, und daher ist auch der Entwurfsvorgang ein anderer.


In den letzten Jahren wird häufig konstatiert, dass die Grenze zwischen Wohn- und Bürowelt verschwimmt. Welche Auswirkungen hat das auf die Gestaltung?
Es ist tatsächlich so, dass Arbeits- und Privatleben immer stärker verschmelzen. Vom gestalterischen Standpunkt her bedeutet das, dass die Strenge und Härte des Büros durch weichere Materialien und Formen abgerundet wird. Trotzdem bleibt die Formensprache des Büros sehr einfach und klar reglementiert. Auch die emotionaleren Produkte, die sich in der Mittelzone langsam durchsetzen, unterliegen ja extrem strengen Vorgaben. Das muss auch so sein – ein Büro sucht man sich ja nicht für sich und seine Familie aus, es ist vielmehr ein Ort, der vielen Geschmäckern, Personen und Gemütszuständen entsprechen muss. Das Büro ist ein öffentlicher Raum.


Was bedeutet das für die Zusammenarbeit im Büro?
Genau wie im urbanen Raum sollte es auch im öffentlichen Raum Büro einen Verhaltenskodex geben. Gerade im offenen, verdichteten Büro ist das enorm wichtig. Man muss gewisse Regeln einhalten, gewisse Umgangsformen beachten. Für viele ist diese Situation noch neu, die Umgangsformen müssen erst erlernt werden.
 

Fließen diese Beobachtungen in Ihre Entwürfe ein? Von welchen Konzepten und Ideen lassen Sie sich leiten?
Grundsätzlich lasse ich mich von meinem Gefühl leiten – auch wenn das Ergebnis durchaus rational sein kann. Dieses Gefühl für Produkte und Konzepte wiederum entsteht aus Beobachtung, Wachsamkeit und Neugier.

Bei der Entwicklung des Back Office Programms CUBE_S war zum Beispiel der Wunsch da, den Menschen auch im Großraumbüro ein wenig Privatsphäre zurückzugeben, ein kleines „Cockpit“, das man für sich hat. Einerseits habe ich im Open Space den großen Raum, den Blick in die Weite, andererseits meinen eigenen, privaten Bereich. Wobei ich selbst den Blick in die Weite, die Tiefe des Raumes im Open Space als etwas sehr Positives empfinde – und so die Menschen, die vorbeigehen, auch die Geräusche, die Bewegung mitzubekommen. Das ist ja das Leben.


Wie kann man sich einen typischen Arbeitstag von Christian Horner vorstellen? Oder gibt es den gar nicht?
Zum Glück gibt es wenig Routine. Jeder Tag verläuft anders. Manche Projekte sind sehr konzeptionell, andere sehr praktisch. Manchmal diskutiere ich viel, recherchiere, präsentiere, manchmal ist Konzentration und Rückzug angesagt.

Je länger ich diesen Beruf ausübe, umso wichtiger wird der Faktor Kommunikation. Früher habe ich mich stärker zurückgezogen und an einem Problem herumgeschraubt, bis ich geglaubt habe, die Lösung gefunden zu haben. Jetzt bin ich schneller, mache einen Entwurf und gehe damit sofort in die Diskussion.


Sie arbeiten sowohl im Alleingang als auch im Team – was macht den Unterschied aus?
Design ist fast nie eine Einzelleistung (außer man arbeitet künstlerisch), und je komplexer eine Aufgabe, umso mehr Personen sind beteiligt – Konstrukteure, Produktmanager, Modellbauer etc.

Ich finde den Wechsel zwischen Alleingang und Teamarbeit spannend – im Team lernt man den Umgang mit dem Anderen, im Alleingang den Umgang mit sich selbst. Allerdings glaube ich, dass es – auch wenn man im Team arbeitet – oft Einen gibt, der die Idee trägt.


Was mögen Sie an Ihrer Arbeit am liebsten?
Das Unberechenbare. Dass man nicht weiß, wohin eine Überlegung führt.


Wie und wo arbeiten Sie selbst gerne? Haben Sie einen Hauptarbeitsplatz, oder arbeiten Sie an verschiedenen Orten?
Das Problem für einen Kreativen ist, dass die Arbeit praktisch nie aufhört, vor allem wenn man mit Möbeln zu tun hat, die einen immer umgeben. Mit dem Kopf ist man eigentlich immer irgendwie am Thema dran, egal wo man sich befindet.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Der Kopf, der Stift in der Hand. Alles andere ist hilfreich, aber für einen Entwurf nicht essenziell.


Ihr Wunsch an ein Büro?
Tageslicht. Künstlich belichtete Büros finde ich schrecklich.


Was würden Sie sich für Ihre Arbeit oder Ihren Arbeitsplatz wünschen?
Sicher gibt es stereotype Wunschbilder. Büro mit Blick aufs Meer zum Beispiel.


Allerdings glaube ich, dass es gut tut, unter wenig idealen, auch schwierigen Umständen zu arbeiten, gerade wenn man mit dem Thema Büro beschäftigt ist. Es ist gut, in der Realität zu bleiben, auch wenn es da manchmal störende Faktoren gibt.

Vielen Dank für das Gespräch!

  

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

Christian Horner


CUBE_S Spine Layout

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