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Ein Arbeitsplatz im Silicon Valley: Alles inklusive

Start-Up New Working Environments Employer Branding

Frühstück, Mittagessen und Fitnessstudio: Wer bei einem Tech-Startup im Silicon Valley arbeitet, braucht den Arbeitsplatz kaum mehr zu verlassen. Das hoffen auch die Arbeitgeber, denn in der Branche herrscht Fachkräftemängel. Sonderleistungen für Mitarbeiter sind deshalb für viele Menschen auf Arbeitssuche ausschlaggebend, um sich für oder gegen einen Arbeitsplatz zu entscheiden.
 

Pizzastand und Ärzteklinik

Wer eine Tour durch den Facebook-Campus in Menlo Park macht, bekommt auch eine Führung durch das kulinarische Angebot. Vom Pizzastand bis zur Salatbar gibt es hier für jeden Appetit etwas. Zwischendurch trifft man sich bei der Snackbar auf einen Energieriegel. Doch nicht nur Essen bietet der Social Media-Konzern seinen Mitarbeitern an. Die Belegschaft kann ihre schmutzige Kleidung zur Reinigung bringen: „Viele unserer Kollegen haben keine Zeit, das selbst zu erledigen. Oder sie sind einfach so jung und haben nie selbst ihre Wäsche gemacht“, verrät eine Sprecherin den Grund dafür. Am Gelände befindet sich auch ein Fahrradverleih, um umweltfreundlich zu Terminen in der Umgebung zu pendeln. Sogar Arzttermine können in der Klinik am Unternehmensstandort wahrgenommen werden.

Ähnlich wie bei Facebook läuft es auch wenige Meilen entfernt beim Suchmaschinenkonzern Google in Mountain View ab. Mitarbeiter loben hier die gesundheitsbewusste Küche. Im Hauptgebäude hat der Arbeitgeber ein Fitnessstudio errichtet, das jederzeit zugänglich ist – und bei einem Besuch dort zeigt sich, dass das Center wirklich ständig benutzt wird. Ein weiterer Benefit für Google-Arbeitskräfte in der Bay Area: Das Unternehmen lässt Personen, die in San Francisco wohnen, das Büro in der Stadt nutzen, denn die Fahrt von San Francisco ins Valley dauert je nach Verkehr rund eine Stunde.

Wer bei einem Tech-Konzern arbeitet, braucht jedoch nicht in ein öffentliches Verkehrsmittel steigen. Sowohl Google als auch Facebook betreiben Shuttle-Busse, die zwischen der Stadt und den Hauptstandorten südlich davon pendeln. Damit keine Zeit ungenutzt bleibt, sind die Fahrzeuge mit Wlan ausgestattet.
 

Feiern mit Kollegen

Das Visual Bookmarking-Portal Pinterest nennt seine Mitarbeiter „Pinployees“, wie Pressesprecherin Mithya Srinivasan verrät. „Wir veranstalten 'Makeathons', bei denen wir Räume inspiriert von Pinterest-Beiträgen umgestalten oder an Projekten arbeiten, die die Plattform weiterentwickeln“, erzählt sie von den Unternehmensaktivitäten. Das Zusammenkommen abseits der Arbeit scheint hier wichtig zu sein. In „Studio Nights“ bringen sich die Pinployees gegenseitig Neues bei, zuletzt etwa Sushi-Zubereitung.

Doch nicht nur Spaß will Pinterest seinen Mitarbeitern bieten. So stellt der Arbeitgeber Tickets für öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung, finanziert die Mitgliedschaft im Fitnessstudio und handelt Rabatte für Telekom-Provider aus.
 

Mitarbeiter-Awards und Tech-Spielzeuge

Bei der Crowdfunding-Plattform Indiegogo ist Arbeitskultur ein wichtiger Teil des Unternehmenserfolgs, betont Mitgründerin Danae Ringelmann. Die Geschäftsführerin hat sich mit ihren Gründerkollegen bewusst Gedanken darüber gemacht, welche Werte an die Mitarbeiter vermittelt werden sollen. Ein Produkt davon: Der Mitarbeiter-Award, der monatlich an besonders engagierte Personen des in San Francisco ansässigen Startups verliehen wird.

Das Social Media Startup Buffer stattet seine Neuzugänge mit Gadgets aus: Jeder Mitarbeiter erhält den eReader Kindle Paperwhite und das Fitnesstracker-Armband Jawbone Up. E-Books darf jeder auf Firmenkosten erwerben. „Uns ist wichtig, dass Personen in unser Team passen“, betont Mitgründer Leo Widrich. Mitarbeiter werden dazu motiviert, sich laufend fortzubilden und weiterzuentwickeln – deshalb auch die Bücher und der Fitnesstracker als Grundausstattung. Auch Power-Naps sind im Büro in San Francisco erlaubt. Dreimal im Jahr reist die Belegschaft gemeinsam auf Klausur zu Tourismusdestinationen wie Thailand oder Südafrika. „Diese Ausflüge sind die produktivsten Wochen im Jahr“, erklärt der Manager.
 

Hunde statt Kinder

Eine Sonderleistung, die besonders viele Menschen in der San Francisco Bay Area zu schätzen wissen: Hunde sind in vielen Offices erlaubt, was meist schon in der Stellenausschreibung als Benefit gelistet wird. San Francisco ist bekannt dafür, mehr Hunde als Kinder in der Bevölkerung zu haben. Wenig überraschend ist deshalb auch die Tatsache, dass kaum ein Unternehmen Kinderbetreuung als Bonus anbietet.

Neben den spaß-verbundenen Extras heben sich die Tech-Arbeitgeber in den USA jedoch vor allem durch andere Leistungen von der Norm ab. Die meisten bieten Gesundheitsversicherungen, die auch Familienmitglieder inkludiert, bezahlte Karenz sowie flexible Urlaubstage an. Das ist bei vielen traditionellen Branchen in den Vereinigten Staaten kaum der Fall. Im Silicon Valley sind die Sozialleistungen jedoch ein effektives Lockmittel bei Fachkräftemängel.

Bei all den „Employee Perks“, die die Startups und großen Unternehmen hier anbieten, fällt jedoch vor allem eines auf. Sie sind alle darauf ausgerichtet, dass die Mitarbeiter so viel Zeit wie möglich am Arbeitsplatz verbringen. Die zumeist jungen Angestellten, die oft aus dem Ausland kommen oder noch kein persönliches Netzwerk aufgebaut haben, sehen das immerhin eher als Vorteil denn als Zwang.

Autor

Elisabeth Oberndorfer

Entrepreneurial Journalist – Silicon Valley Reporter
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