© Republic of Fritz Hansen

Personalities

Jacob Holm, CEO Republic of Fritz Hansen, Allerød, Dänemark

Interview Design Arbeitswelten

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal befragen wir Jacob Holm, Präsident und CEO bei Fritz Hansen. Im E-Mail Interview erzählte er, warum dänisches Design so beliebt ist, was zufriedene Mitarbeiter brauchen und wie man die Vergangenheit mit der Zukunft verbindet.

1872 vom Tischlermeister Fritz Hansen als Tischlerwerkstatt gegründet, ist die Republic of Fritz Hansen heute weltbekannt. In kreativen Partnerschaften mit Visionären wie Arne Jacobson, Hans J. Wegner und Poul Kjærholm entstanden eine Reihe von zukunftsweisenden, technisch revolutionären und funktionalen Möbelklassikern, die zu Ikonen des Designs avanciert sind. Auch neue Kreationen beweisen die Innovationskraft der Marke: Der Erfolg der vom spanischen Topdesigner Jaime Hayón entworfenen Modelle FAVNTM und RoTM, oder der Serie minusculeTM von Cecilie Manz belegen das Gespür für Formgebung und Materialität.


Fritz Hansen ist berühmt für eine Reihe von Design-Klassikern, Sie arbeiten aber auch viel mit zeitgenössischen Designern. Wie verbindet man die Vergangenheit mit der Zukunft? Wie kann man sich in der modernen Welt vorwärts bewegen, ohne dabei mit der Vergangenheit zu brechen?
Ich würde hier nicht trennen zwischen Klassikern der Vergangenheit und neuem Design für die Zukunft. Wir bei Fritz Hansen legen Wert darauf, sicherzustellen, dass es innerhalb unserer „Design-DNA“ immer einen roten Faden gibt. Für uns ist es wichtig, dass die Dinge, die wir neu designen, auch neben 50 Jahre alten Stücken stehen können – nehmen Sie als Beispiel unsere Kombination aus einem neuen Tisch von Jaime Hayon und einem 55 Jahre alten Arne Jacobson Designstück!


Was mögen Sie an Ihrer Arbeit am liebsten?
Ich arbeite sehr gerne in einem international orientierten Umfeld, und nachdem Fritz Hansen 80% seiner Produktion exportiert, bedeutet das, dass ich viel reise. Gleichzeitig schätze ich die Kombination von Business und Design sehr – es ist ein Privileg, im Bereich Design und Innovation arbeiten zu können.


Sie haben diese Frage bestimmt schon oft gehört, ich stelle sie trotzdem: Wie kommt es Ihrer Ansicht nach, dass dänisches Design auf der ganzen Welt so beliebt ist? Was macht es so anziehend?
Dänisches Design hat auf der ganzen Welt einen besonderen Stellenwert – ich glaube, die Gründe dafür finden sich in einigen grundlegenden Eigenschaften der Dänen. Wir sind dafür bekannt, ein besonders transparentes Land zu sein, und auf dieselbe Weise ist auch unser Design transparent – sowohl was die Konzeption als auch was die Umsetzung betrifft. Deshalb glaube ich, dass klare Linien und ein Blickwinkel, der immer die Funktionalität als Ausgangspunkt nimmt, die wichtigsten Faktoren sind. Zum Zweiten ist es so, dass für international orientierte Menschen, die sich für Design, Kunst und Architektur interessieren, Skandinavien und insbesondere Dänemark als Orte mit ausgeprägtem sozialen Gleichgewicht, einer niedrigen Kriminalitätsrate und einem hohen Lebensstandard sehr positiv konnotiert sind. Dänemark ist als angenehmes Land mit ausgezeichnetem und gesundem Essen bekannt, wir stellen – sowohl drinnen als auch draußen – gewisse ästhetische Ansprüche an unser Leben, unsere Umwelt ist relativ sauber – all diese Dinge zusammen genommen machen Dänemark zu einem ganz besonderen Ort.


Wie kann man sich einen typischen Arbeitstag bei Ihnen vorstellen? Gibt es so etwas überhaupt?
Ich habe eigentlich keine besondere Arbeitsroutine – das Einzige, was sich wiederholt, ist das Reisen. Nachdem Fritz Hansen Niederlassungen in Japan und Singapur sowie in den USA und in Mexiko hat, stehen Geschäftsreisen an der Tagesordnung.


Haben Sie einen Hauptarbeitsplatz? 
Natürlich habe ich einen Arbeitsplatz und ich schätze es wirklich, gemeinsam mit anderen in einem offenen Arbeitsbereich zu sitzen, der ebenso transparent ist wie unser Design! Von meinen Mitarbeitern zu hören, mit welchen täglichen Herausforderungen sie konfrontiert sind, gibt mir viel Inspiration. Außerdem spare ich dadurch sehr viel Zeit, die ich sonst dafür aufwenden müsste, von Büro zu Büro zu gehen um die Neuigkeiten aus der Firma zu erfahren.


Wo arbeiten Sie am liebsten? Und gibt es einen Ort, an dem Sie niemals arbeiten könnten?
Ich kann überall arbeiten, wo es Fritz Hansen Möbel gibt!


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Mein iPhone und mein iPad – ohne die kann ich nicht leben.


Gibt es bestimmte Rituale, die Sie in Ihrem Arbeitsalltag als wichtig betrachten?
Ich bin kein Autist in dem Sinne, dass ich besondere Rituale oder Gewohnheiten pflege – aber ich bin wirklich gerne einer der ersten im Büro und einer der letzten, der geht.


Wir bei Bene glauben, dass Menschen an einem gut designten Arbeitsplatz, der ihre Bedürfnisse erfüllt und unterschiedliche Räume und Plätze für unterschiedliche Aufgaben bietet, besser arbeiten. Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Arbeitsplatz aus?
Ich bin sicher, dass ein gut designtes und funktionales Arbeitsumfeld zu mehr Effizienz, weniger Abwesenheiten, einer höheren Qualität und auch mehr Zufriedenheit in der Arbeit führt. Leider sieht man aber auch immer wieder Büros, die zwar toll eingerichtet sind, in denen es aber an Esprit und Humor fehlt und in denen die Mitarbeiter darauf vergessen, während der Arbeit auch Spaß zu haben. Ich glaube, das ist ein sehr wichtiger Punkt, den man nicht designen kann – darum muss man sich selbst kümmern!


Was wünschen Sie sich in einem Büro am meisten?
Was ich in vielen Arbeitsumfeldern am meisten vermisse, ist Inspiration! Wie kann man von seinen Arbeitnehmern erwarten, dass sie über den Tellerrand schauen und innovativ sind, wenn sie den ganzen Tag nur dasitzen und dieselbe weiße Wand oder dasselbe alte Bild anstarren? Mitarbeiter brauchen eine inspirierende und innovative Umgebung, um ihre Ziele erreichen zu können!


Vielen Dank für das Gespräch!

 

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

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