26.03.2015

Katharina Norden, Three Coins, Wien

© Matthias Brandstetter

Sie sind Anfang- & Endpunkt, Motor & Katalysator, Wunsch & Anspruch. Innovation und Kollaboration sind in den vergangenen Jahrzehnten zu den zentralen Elementen unseres modernen Arbeitslebens geworden. Wir fragen in Gesprächen mit Zeitgenossen, welchen Stellenwert Kreativität besitzt, wie Innovationen entstehen und wie wandelfähig wir selbst und unser tägliches Business sein müssen. Diesmal sprachen wir mit Katharina Norden, Geschäftsführerin des erfolgreichen Wiener Start-Ups Three Coins, das es sich zum Ziel gesetzt hat, innovative Lern-Methoden zu entwickeln, die Finanzkompetenz schulen.


Three Coins ist ein Start-Up, das innovative Methoden und Werkzeuge entwickelt, die den nachhaltigen Umgang mit Geld trainieren sollen. Die Zielgruppe sind vor allem Jugendliche, die oft nur wenig oder nur sehr abstraktes Finanzwissen besitzen. Wie kam es dazu, dass sich Ihr Start-Up dem Thema Finanzbildung zugewandt hat?
Es war mein Wunsch, meine eigenen Ideen für eine nachhaltigere Gesellschaft zu realisieren und das mit einem unternehmerischen, selbstständigen Ansatz zu schaffen – ohne in langfristiger Abhängigkeit von Fördergebern zu sein. Finanzbildung ist ein Schlüssel zu einer fairen, nachhaltigen Gesellschaft und ein wichtiger Hebel für Armutsprävention – davon haben uns verschiedene internationale Studien sowie viele Gespräche mit österreichischen Schuldenberatungen überzeugt. Mein Team und ich haben außerdem bei uns selbst bemerkt, dass es zunehmend schwieriger wird, das eigene Geld unter Kontrolle zu behalten. Vor allem in einer Welt der digitalen Konsum- und Zahlungsmöglichkeiten, in der es nicht mehr reicht einfach ins Geldbörsel zu blicken, ist eine neue Art von Bildung für dieses Thema nötig. Diese Einsicht kombiniert mit der Feststellung der Schuldnerberatungen, dass immer mehr junge Menschen in die Schuldenfalle tappen, hat uns dazu getrieben selbst etwas in dem Bereich zu tun. Die Frage die wir uns stellten war: Was passiert, wenn niemand den nachfolgenden Generationen den Umgang mit Geld vermittelt, was bedeutet das für unsere Gesellschaft, wenn diese Lebenskompetenz nicht erlernt wird?


Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Ihrem Team aus? Oder gibt es keine typischen Arbeitstage?
Mittlerweile umfasst unser Team sieben Personen die teils in Österreich, teils in der Schweiz arbeiten. Unsere typischen Arbeitstage sind sehr unterschiedlich: da kann es schon sein, dass wir von dem Treffen mit dem Vorstand einer Bank direkt ins Jugendzentrum gehen und am Tagesende einen Kreativworkshop für ein neues Projekt machen. Wenn wir als Team zusammenkommen, dann ist das in unseren Büros im Impact HUB Vienna oder im Impact HUB Zürich, den Unternehmerzentren, in denen wir eingemietet sind und die uns durch ihre Jung-unternehmer-Programme immer wieder voran bringen.


„Gamification“ meint das Einbetten von spielerischen Elementen in eigent-lich spielfremde Handlungen und Kontexte – davon verspricht man sich, dass gewisse Inhalte leichter zu erlernen sind und auf spannendere Weise vermittelt werden können. War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie mit Hilfe spielerischer Methoden an das Thema Finanzbildung herangehen wollen? Geld und Spiel werden ansonsten ja nicht unbedingt miteinander in Verbindung gesetzt.
Wir waren der Überzeugung dass es für den Umgang mit Geld nicht reicht, abstrakt über Zahlen und Zinsen zu lernen. Bei dem Umgang mit Geld geht es eben auch um Emotionen, um Werte und Verhaltensweisen. Damit war klar, dass wir ein verhaltensbasiertes Tool brauchen, das Jugendliche auf Augenhöhe und in ihrer Sprache und Medienwelt abholt. Spiele tun das. Es gibt in Zeiten der Smartphones übrigens auch jede Menge Spiele, die Jugendlichen das Geld aus der Tasche ziehen. Das Spiel „CURE Runners“ tut das Gegenteil – es hilft einem dabei, mit den eigenen Ressourcen haushalten zu lernen.

 23.02.2015

Oliver Heiss, Managing Partner bei Brainds, Wien

Brainds

Wer sich hierzulande ernsthaft mit Markenentwicklung und Markenstrategie auseinandersetzt, kommt an den Spezialisten von Brainds nicht vorbei. 1995 von Creativ-Mastermind Peter Deisenberger gegründet und seit 2001 als „Büro 16“ etabliert, hat sich Brainds 2010 nicht nur selbst re-branded, sondern als markentechnische Strategieberatung mit gleichzeitiger Übersetzung in sprechendes Corporate Design neu positioniert. Unternehmen wie ÖBB, Verbund AG, Erste Group, die Stadt Wien oder das Kunsthistorische Museum Wien vertrauen darauf.


Herr Heiss,  Design Thinking ist nicht ganz neu als Methode, trotzdem gerade jetzt gefragter denn je. Was macht DT so interessant?
Oliver Heiss: Design Thinking kommt genau genommen aus dem Engineering-Bereich und wurde bereits in den 1960ern von Prof. Dr. Larry Leifer, Professor für Mechanical Engineering Design an der Stanford University, mehr oder weniger „erfunden“. Was Leifer gemacht hat? Z.B für ein Projekt der NASA in eine Arbeitsgruppe von Technikern einen Psychologen mit hinein genommen. Und schon waren neue Blickwinkel da, die die Fragestellung und Herangehensweise völlig verändert haben.


D.h. Innovation durch Veränderung?
Heiss: Um es mit Larry Leifer zu sagen: „Innovation is rather about asking questions than finding answers “. Design Thinking hilft, die richtigen Fragen für mögliche bzw. notwendige Innovationen zu stellen. Und es geht auch darum, was Produkt-, System- und Service- Innovatoren von Designern lernen können: Nämlich minutiöses Beobachten von Kundenverhalten, das den Menschen in den Mittelpunkt des Innovationsvorhabens stellt und durch wiederholtes Hinterfragen die entscheidenden Aspekte der Problemstellung zu identifizieren hilft.


Es gibt ja mittlerweile eine Reihe von Instituten, die sich mit Design Thinking im klassischen Business-Bereich beschäftigen...
Heiss: Richtig. Leifer selbst ist Gründungsdirektor des Center for Design Research in Stanford (CDR) und des Hasso Plattner Design Thinking Research Programs. Letzteres ist ein eigenes Institut unter der Schirmherrschaft von SAP-Gründer Hasso Plattner, das mit der HPI School of Design Thinking (D-School) vor rund 8 Jahren auch in Potsdam einen Ableger gefunden hat. Man sieht da also schon eine echte Erfolgsgeschichte. Die erste echten „Vermarkter“ der Methode waren aber natürlich IDEO, die kalifornische Innovations- und Produktdesign-Agentur ebenfalls mit Naheverhältnis zu Standford.

 17.12.2014

Andreas Roesler-Schmidt, Flug zeug, Wien

Flug Zeug © Aris Venetikidis

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal befragen wir Andreas Roesler-Schmidt, Gründer von Flug zeug. Im E-Mail-Interview erzählt er von der Inspiration des Materials, der Freude an neuen Funktionalitäten, ruhigen Arbeitsflächen und kreativem Chaos.

2012 gegründet, kreiert das Wiener Unternehmen Flug zeug seither Mode- und Designprodukte mit Airline-Touch. Aus Materialien und Einzelteilen, die ihren Einsatz in Flugzeugen beendet haben, entstehen originelle Accessoires, die das Flair der Luftfahrt in den Modealltag bringen. Gürtel aus Sitzgurtmaterial mit echter Gurtschnalle, iPad-Hüllen aus Schwimmwesten, Taschen und Uhren präsentieren Altes ganz neu.


Woher kommt Ihr Faible für die Luftfahrtindustrie?
Ich bin schon als Kind viel geflogen und vom ersten Moment an hat mich die Luftfahrt fasziniert. Diese Welt der Fliegerei, mit ihren ganz eigenen, typischen Designelementen, aber auch die Emotion, eine Reise anzutreten bzw. in eine andere Welt aufzubrechen, haben mir einfach immer gefallen.


Ihr Kindheitstraum war es, Pilot zu werden. Wie kamen Sie stattdessen auf die Idee, Accessoires aus Flugzeugutensilien herzustellen?
Mit dem Kindheitstraum hat es nicht ganz geklappt, aber der Wunsch, etwas in/mit dieser Branche zu machen, blieb aufrecht. Nach meinen Beschäftigungen als Journalist und PR-Berater war es dann so weit, mir meinen großen Kindheitswunsch zu erfüllen. Inspiriert von Recherchearbeiten für meine Master Thesis auf Luftfahrtmessen, entstanden die ersten Ideen, Accessoires aus Flugzeugteilen zu kreieren.


Welche Herausforderungen gab es am Weg von der Idee zum Produkt?
Am Anfang musste ich noch Materiallieferanten vom Konzept überzeugen - die Luftfahrt ist manchmal konservativ und übervorsichtig. Inzwischen sind wir in der Branche recht bekannt und bekommen ausgemustertes Material aus aller Welt angeboten.
Außerdem mussten wir viel Erfahrung für die Produktion mit den Materialien sammeln, schließlich unterscheidet es sich doch deutlich von in Schneidereien gewohnten Stoffen.

 14.11.2014

Thomas Fundneider, Markus Peschl, TheLivingCore und Universität Wien

Thomas Fundneider, Markus Peschl

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal befragen Désirée Schellerer und Angelika Molk die Wissens- und Innovationsarchitekten Thomas Fundneider und Markus Peschl. Im Interview erzählen Sie von Räumen, die Innovation ermöglichen und erklären die Angst vor dem Neuen. Außerdem zeigen sie, was ein Büro zu einer Oase in der Wildnis macht.

DI Thomas Fundneider, MBA
ist Geschäftsführer von theLivingCore und Experte für Innovation und Strategie. Seine reiche Erfahrung beim Aufbau von Innovationskulturen in Organisationen nutzt er, um nachhaltigen Impact bei den Kunden zu realisieren. Zudem lehrt er an mehreren europäischen Universitäten.

Univ.Prof. Dr. DI Markus F. Peschl
ist Professor für Wissenschaftstheorie und Kognitionswissenschaften an der Universität Wien. Sein Fokus in der Forschung liegt im interdisziplinären Bereich der Entstehung von Wissen in Kognition, Wissenschaft und in Organisationen, Wissensmanagement, Enabling Spaces und der (radikalen) Innovation.


Diesen Monat beschäftigen wir uns in unserem Magazin mit dem „Neuen“. Einerseits ist das Neue sehr positiv besetzt, steht für Fortschritt, Wandel und Verbesserung. Andererseits ist damit immer auch Skepsis verbunden. Wie sehen Sie das, vor allem vor dem Hintergrund Ihrer Forschungsarbeit?
Markus Peschl: Es ist eine komische Sache mit dem Neuen. Einerseits versetzt es uns in Freude und Staunen, aber zugleich löst es eine bestimmte Grundangst aus, weil man plötzlich mit etwas konfrontiert ist, das in keine bekannte Kategorie hineinpasst. Dann kommt man oft an diesen Punkt, an dem man sich entscheiden muss: Gehe ich diesem Neuen nach, oder lasse ich das lieber sein. Die Innovatoren, die Entrepreneurs oder eher künstlerischen Menschen wollen dem dann auf die Spur kommen. Vom anfänglichen Staunen führt der Weg dann weiter zum Hinterfragen. So kommt man dann auch einem Verstehen näher, aber auch der Einsicht, dass gewisse Dinge offen bleiben müssen, nicht beantwortet werden können. Und genau da liegen dann die Potenziale für ein kreatives Umgehen mit diesen Einsichten und damit für mögliche Innovationen.


Gibt es einen Unterschied zwischen einer Innovation und etwas Neuem? Und wenn ja, wie würden Sie diesen definieren?
MP: Innovation ist es dann, wenn das Neue umgesetzt wird zu etwas, das Erfolg und Wirkung zeigt. Das Neue, das erfolgreich in seiner Umwelt wirkt, ist Innovation.

 24.10.2014

Jacob Holm, CEO Republic of Fritz Hansen, Allerød, Dänemark

© Republic of Fritz Hansen

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal befragen wir Jacob Holm, Präsident und CEO bei Fritz Hansen. Im E-Mail Interview erzählte er, warum dänisches Design so beliebt ist, was zufriedene Mitarbeiter brauchen und wie man die Vergangenheit mit der Zukunft verbindet.

1872 vom Tischlermeister Fritz Hansen als Tischlerwerkstatt gegründet, ist die Republic of Fritz Hansen heute weltbekannt. In kreativen Partnerschaften mit Visionären wie Arne Jacobson, Hans J. Wegner und Poul Kjærholm entstanden eine Reihe von zukunftsweisenden, technisch revolutionären und funktionalen Möbelklassikern, die zu Ikonen des Designs avanciert sind. Auch neue Kreationen beweisen die Innovationskraft der Marke: Der Erfolg der vom spanischen Topdesigner Jaime Hayón entworfenen Modelle FAVNTM und RoTM, oder der Serie minusculeTM von Cecilie Manz belegen das Gespür für Formgebung und Materialität.


Fritz Hansen ist berühmt für eine Reihe von Design-Klassikern, Sie arbeiten aber auch viel mit zeitgenössischen Designern. Wie verbindet man die Vergangenheit mit der Zukunft? Wie kann man sich in der modernen Welt vorwärts bewegen, ohne dabei mit der Vergangenheit zu brechen?
Ich würde hier nicht trennen zwischen Klassikern der Vergangenheit und neuem Design für die Zukunft. Wir bei Fritz Hansen legen Wert darauf, sicherzustellen, dass es innerhalb unserer „Design-DNA“ immer einen roten Faden gibt. Für uns ist es wichtig, dass die Dinge, die wir neu designen, auch neben 50 Jahre alten Stücken stehen können – nehmen Sie als Beispiel unsere Kombination aus einem neuen Tisch von Jaime Hayon und einem 55 Jahre alten Arne Jacobson Designstück!


Was mögen Sie an Ihrer Arbeit am liebsten?
Ich arbeite sehr gerne in einem international orientierten Umfeld, und nachdem Fritz Hansen 80% seiner Produktion exportiert, bedeutet das, dass ich viel reise. Gleichzeitig schätze ich die Kombination von Business und Design sehr – es ist ein Privileg, im Bereich Design und Innovation arbeiten zu können.

 24.09.2014

Ulli Ehrlich, Sportalm, Kitzbühel

2quadr.at/Fotografen

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal unterhielten wir uns mit Ulli Ehrlich. Die in Kitzbühel lebende Chefdesignerin und designierte Firmenchefin des Familienunternehmens Sportalm sprach mit Marlon Schuhfleck über Inspirationsquellen, tägliche Herausforderungen und die entspannende Wirkung der Farbe Weiß.

Bereits seit den 90er-Jahren verleiht Ulli Ehrlich den Sportalm-Kollektionen ihren unverwechselbaren Charakter. Das breite Spektrum ihrer Kreationen reicht von Sportkleidung über schicke Alltagsmode bis hin zu verspielten Trachtenentwürfen. Dabei versteht sie es stets aufs Neue, die regionalen Wurzeln des Familienbetriebs in einen internationalen, modernen Kontext zu setzen. Und der Erfolg gibt ihr Recht: Mittlerweile zählt Sportalm zu einem der erfolgreichsten Unternehmen in der österreichischen Modebranche.


Traditionsverbunden, funktional und regional; aber zugleich stets modern, chic und international – das Spektrum von Sportalm lotet Grenzen aus. Frau Ehrlich, wie kam es zu dieser ganz speziellen Firmenpositionierung?
Die Tracht war schon immer im Portfolio von Sportalm. Mit der Übernahme der Firma durch Franz Kneissl wurde die Produktpalette um Skimode erweitert und wir haben dann vor rund 10 Jahren den Sprung in die Mode gewagt, weil wir glauben, dass unser alpiner Lifestyle nicht nur in den Bergen, sondern überall reüssieren kann. Mittlerweile hat sich daraus auch eine hochmodische Fashion-Kollektion entwickelt, die wir weltweit verkaufen können.


Wie kann man sich den Alltag einer Kreativ-Designerin bei Sportalm vorstellen? Oder gibt es sowas wie einen Alltag bei Ihrer Arbeit nicht?
Natürlich gibt es Alltag in Form von Büroarbeit und Meetings, aber definitiv ist bei uns jeder Tag spannend, weil immer an einer Kollektion gearbeitet wird, eine Messe oder ein Shooting vorbereitet und somit immer etwas Neues zu tun ist.

 10.07.2014

Marino Formenti, Dirigent und Pianist, Wien

Marino Formenti credit Los Angeles Times

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal telefonierten wir mit Marino Formenti. Der in Wien lebende italienische Pianist und Dirigent (geboren 1965) sprach mit Désirée Schellerer und Angelika Molk über die Bedeutung der Pause in der Musik, rastloses Schaffen und Zuckerbrot und Peitsche.

Marino Formenti zählt mit seiner außergewöhnlichen Kombination von Intellekt und Emotionalität zu den interessantesten Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit. Von der Los Angeles Times als „Glenn Gould for the 21st Century“ gepriesen, hat sich Formenti im Bereich der zeitgenössischen Musik einen Namen gemacht, ebenso wie mit seiner Suche nach einer Verbindung von Alt und Neu. Formentis Vorliebe für neue, unerwartete Zusammenhänge schlägt sich auch in unterschiedlichen Projekten nieder, die häufig mit der Konzertform experimentieren (Missa, Piano Trips, Nothing is Real, The Party, Piano Integral, Kurtág’s Ghosts, Sieben Letzte Worte). Demnächst erscheint der Dokumentarfilm „Schubert und ICH“, in dem Formenti mit fünf musikalischen Laien in privatem Rahmen Lieder von Franz Schubert einstudiert.


Herr Formenti, die Sommerausgabe unseres Magazins hat die „Pause“ zum Thema. In der Musik bekommt die Pause mitunter große Bedeutung, man denke nur an John Cage. Welchen Stellenwert hat die Pause in Ihrem Schaffen?
Die Pause ist vielleicht das Allerwichtigste in der Musik. Die Stille wohnt der Musik inne, ähnlich wie sie dem Leben innewohnt: Man braucht Momente, in denen man zu sich kommt. Das ist allerdings im heutigen Berufsleben manchmal schwierig, weil es hektischer geworden ist.


Ist das Leben auch für Künstler hektischer geworden?
Auch ein klassischer Künstler ist heute viel mehr auf Reisen als noch vor zwei, drei Generationen. Man kann das eigentlich nur mit Routine meistern – doch Routine ist völlig uninteressant, als würde man ständig das Gleiche spielen. Schöner ist es, immer neue Wege zu suchen. Das kann sehr ermüdend sein. Ich will mich aber nicht beklagen, es ist ein wunderschönes Leben.

 13.06.2014

Susie Wolff, Ermatingen und Oxford

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal unterhielten wir uns mit Susie Wolff, Testfahrerin für das Williams Martini Racing Team.  Sie sprach mit uns über ihren Weg zum Erfolg, die Rolle von Teamarbeit in der Formel 1 und den täglichen Adrenalinstoß auf der Rennbahn.

Bereits in jungen Jahren entdeckte die in Schottland geborene Susie Wolff ihre Liebe zum Motorsport.  Nach 16 Jahren Rennerfahrung debütierte sie 2006 in der DTM, der Deutschen-Tourenwagen-Masters, wo sie professionelle Rennen für Mercedes Benz fuhr. 2012 wechselte die schnellste Frau der Welt in die Formel 1, wo sie seither als Testfahrerin für das Williams Martini Racing Team unterwegs ist. Wir nahmen Susie Wolffs Artikel in der Publikation „Glück Macht Erfolg“ zum Anlass, sie zum Interview zu bitten.


Frau Wolff, wie kann man sich einen typischen Arbeitstag in Ihrem Leben vorstellen? Oder gibt es so etwas nicht? 
Für mich ist jeder Tag anders, je nach Jahreszeit. Das passt mir ganz gut, da ich nicht jemand bin, der Routine mag. Sobald die Formel 1 Saison startet, sind wir etwa fünf Wochen unterwegs, da die ersten vier Rennen auswärts stattfinden. In der Mitte der Saison wird es etwas einfacher, weil die meisten Rennen in Europa sind, aber danach gibt es wieder viele im Ausland.

Im Winter konzentriere ich mich mehr auf das Fitnesstraining und die Arbeit im Simulator. Während der Saison bin ich häufiger unterwegs und mache auch PR und Marketing für das Team.


Würden Sie Ihr Auto als Ihren Arbeitsplatz bezeichnen? Welche Orte gehören zu Ihrem Arbeitsleben dazu?
Nachdem es in der Formel 1 nicht viele Testfahrten gibt, um Kosten zu sparen, habe ich nur sehr wenig Zeit auf der Bahn. In dieser Saison hatte ich einen Testtag in Barcelona und werde noch zwei Trainingssessions beim britischen und deutschen GP machen, daher würde ich sagen, dass wohl eher der Simulator in der Williams Formel 1 Factory mein Arbeitsplatz ist.

 27.05.2014

Karin Krobath, IDENTITÄTER, Wien

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal sprechen wir mit Dr. Karin Krobath über Employer Branding, Mitarbeiter als Markenbotschafter und das Zauberlehrlingsphänomen.

Als jahrelange Kommunikationsfrontfrau in der Finanzwelt kennt Dr. Karin Krobath das Spannungsfeld, in dem Führungskräfte und Unternehmen stehen. Seit zehn Jahren kombiniert sie Marke & Organisationsentwicklung für große Namen und kleine Flaggschiffe und publiziert laufend zum Thema. 2004 hat sie die Agentur IDENTITÄTER mitgegründet und ist außerdem Partnerin von wortwelt®.


IDENTITÄTER ist Österreichs erste Agentur für Employer Branding und Internal Branding. Was kann man sich darunter vorstellen?
Das ist ganz einfach: Wir entwickeln Mitarbeiter zu Markenbotschaftern. Die Idee dahinter ist, dass Markenversprechen in erster Linie durch Menschen eingelöst werden. Das heißt, es macht einen großen Unterschied, ob ich die Verantwortung für meine Marke bei den Kommunikations- und Marketing-Kollegen sehe oder bei all meinen Mitarbeitenden. Mit diesem Gedanken sind dann plötzlich nicht 3, 10 oder 25 Menschen verantwortlich, sondern je nach Unternehmensgröße 400, 2500 oder 10.000.


Employer Branding hat sich in den letzten Jahren zu einem wahren Buzzword entwickelt. Warum ist das Bewusstsein für diese Art von Arbeitgebermarke gerade jetzt so wichtig geworden?
Der Arbeitsmarkt in Österreich kippt 2015. Es gehen erstmals mehr Menschen in Pension als neue ins Arbeitsleben eintreten. Jetzt schon ist es in einigen Branchen und Berufen sehr schwer, gute Arbeitskräfte zu bekommen. In dieser „Knappheitssituation“ setzen sich Unternehmen nun strukturiert mit ihrer Attraktivität am Arbeitsmarkt auseinander und positionieren sich bewusst auch als Arbeitgeber.

News  06.05.2014

Ein Whiteboard für Fortgeschrittene: Jakob Leitner im Interview

IDEA WALL

we-inspire ist ein Spin-off des Media Interaction Lab der Fachhochschule Oberösterreich und wurde 2013 gegründet. Bene und we-inspire entwickeln und vertreiben gemeinsam die Bene IDEA WALL, eine große interaktive Wand, die durch das smarte Co-Creation Studio Technologiepaket von we-inspire für kreative, mediengestützte Teamarbeit perfekt geeignet ist. Das angebotene System kombiniert Möbelkomponenten, IT-Hardware und Software zu einem einzigartigen Gesamtpaket.  Wir sprachen mit Jakob Leitner von we-inspire über Anwendungsmöglichkeiten und Innovationskraft der IDEA WALL.


Herr Leitner, können Sie uns die Grundidee der IDEA WALL in wenigen Worten erklären?
Die IDEA WALL ist eine interaktive Wand, die auf Nahdistanzprojektoren basiert. An der Wand können bis zu 7 Personen gleichzeitig digital zeichnen, präsentieren, brainstormen und mit verschiedensten Software-Anwendungen interagieren. Die IDEA WALL ist das Herzstück einer Reihe von IT-Tools, die kollaboratives Arbeiten mit analogen und digitalen Inhalten erleichtern und verbessern. Zusätzlich zur interaktiven Wand bietet das Gesamtsystem zum Beispiel auch die nahtlose Integration von traditionellem Papier sowie persönlicher Geräte wie Laptops oder Smartphones an. Durch diese Kombination verschiedener Technologien und passender Raumkonzepte werden verschiedenste Arbeitsweisen unterstützt. Diese Multifunktionalität und Erweiterbarkeit des Systems und der Raumkonzepte wollen wir auch in Zukunft aktiv vorantreiben und sicherstellen, dass bestehenden und neuen Services und Technologien wie z.B. verschiedenste Cloud-Diensten leicht integriert werden können. Das Ziel soll sein, dass die digitale Zusammenarbeit so einfach und natürlich wie möglich funktioniert.


Wie kam die Idee zustande?
Wir haben we-inspire zwar erst im Sommer 2013 gegründet, blicken jedoch bereits auf fast 10 Jahre Forschung und Entwicklung im Bereich interaktiver Systeme, Möbel und Räume zurück.