Foto: Kollektiv Fischka @ Vienna Design Week 2014

Personalities

Sofia Podreka und Katrin Radanitsch, dottings, Wien

Design Nachhaltigkeit Interview

Sie sind Anfang- & Endpunkt, Motor & Katalysator, Wunsch & Anspruch. Innovation und Kollaboration sind in den vergangenen Jahrzehnten zu den zentralen Elementen unseres modernen Arbeitslebens geworden. Wir fragen in Gesprächen mit Zeitgenossen, welchen Stellenwert Kreativität besitzt, wie Innovationen entstehen und wie wandelfähig wir selbst und unser tägliches Business sein müssen. Diesmal sprachen wir mit Sofia Podreka und Katrin Radanitsch, Gründerinnen des erfolgreichen Wiener Designbüros dottings, das mit der Initiative GOODGOODs nachhaltige Designprodukte aus geschützten Werkstätten zu fairen Preisen auf den Markt bringt.

dottings, das sind Sofia Podreka und Katrin Radanitsch. Beide studierten Industrial Design an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und an der Denmark Design Skole in Kopenhagen. Im Jahr 2006 gründeten sie in Wien ihr Büro für „klassisches“ Industriedesign in den Bereichen Produkt, Licht, Möbel und öffentlicher Raum.


Industrial Design verbinden Sie mit dem Anspruch, einen möglichst einfachen, klaren Zugang zu den Dingen zu suchen und Entwürfe mit intelligenten, ehrlichen Lösungen für Ihre Auftraggeber zu schaffen. Wie kam es dazu, dass Sie sich mit GOODGOODs dem Thema „nachhaltiges Design aus sozial nachhaltigen Betrieben“ zugewandt haben?
In den geschützten Werkstätten Österreichs wird sehr gute Handarbeit geleistet. Dieses Potenzial haben wir entdeckt. Durch gutes Produktdesign sollen die Erzeugnisse jetzt in einem Designkontext präsentiert werden. Dabei gehen wir auf die speziellen Bedürfnisse einer jeden Werkstätte ein. Wir sind froh, an so einem sinnvollen Projekt arbeiten zu können!

Das Attribut „nachhaltig“ wird in Wirtschaft und Politik inzwischen geradezu inflationär verwendet. Tatsächlich versuchen immer mehr Unternehmen, sich durch nachhaltiges Handeln einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, indem sie unternehmerischen Erfolg mit der Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte verbinden. Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit?
Das stimmt! Nachhaltigkeit ist für uns, wenn ein Produkt eine positive Spur hinterlässt. Konsum kann nicht vermieden werden – aber wir können so konsumieren, dass unsere Mitmenschen und die Umwelt dadurch nicht beeinträchtigt werden. Im Fall von GOODGOODs können wir uns mit gutem Gewissen mit dem Begriff schmücken – aus sozialer und ökologischer Sicht. Die GOODGOODs bringen schon in der Produktion ihren Schaffern Anerkennung, Stolz und Freude. Später dann den Anwendern im Gebrauch. Selbstverständlich versuchen wir möglichst ökologische Materialien zu verwenden - das ist ja zum Glück schon Standard geworden und wir produzieren lokal in Österreich!


Worin liegt die Essenz Ihrer Initiative GOODGOODs? Wie funktioniert sie?
GOODGOODs sind sinnvolle Produkte für Leben und Haushalt, produziert in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und entworfen von österreichischen Designern. Die Leistung von GOODGOODs ist, Designer mit Werkstätten zu vernetzen, Entwürfe zu begleiten und die Machbarkeit zu prüfen. Unser Team erarbeitet gemeinsam mit den geschützten Werkstätten die ersten Prototypen und organisiert die Produktion. Das beginnt bei der Materialbeschaffung und endet bei der Produktfotografie und Vermarktung. GOOGDGOODs ist auch eine Vertriebsplattform für die fertigen Entwürfe. Die große Herausforderung dabei ist, angemessene Preise zu ermöglichen. Materialkosten, Entlohnung der Mitarbeiter, Vertriebskosten – Handarbeit  aus Österreich ist nicht vergleichbar mit Billigware von weit her. Qualitativ hochwertige, sinnvolle, handgefertigte Produkte mit hohem Designanspruch zu fairen Preisen - das ist die Intention von GOODGOODS. Dabei legen wir größten Wert darauf, dass Mitleid kein Kaufkriterium ist, sondern eben die Produkte durch Qualität und Design überzeugen.


Unter dem Label GOODGOODs gibt es Bürsten, Geschirrtücher, Schachteln, Taschen und vieles mehr – Nutzbringendes für Leben und Haushalt. Worin sehen Sie „die Stärken“ dieser Produkte? Wo kann man sie erwerben und wie gut kommen sie bei den Leuten an?
Unsere Produkte sind von bester Qualität und werden mit viel Liebe und Sorgfalt in Österreich hergestellt. Neben ihrem Nutzen sind die GOODGOODs auch optisch ansprechend und von langer Haltbarkeit. `Qualität vor Quantität`, und zu wissen wo die Produkte herkommen sind gute Argumente für ein GOODGOOD. Es gibt einen eignen Onlineshop (goodgoods.at), immer wieder PopUps und Handelspartner – wir haben schon einige Anfragen von Geschäften und arbeiten gerade an der Distribution. GOODGOODs kommen sehr gut an – sie werden mit gutem Gewissen gekauft. Wir haben schon einige Stammkunden.


Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus? Oder gibt es gar keine „typischen“ Arbeitstage?
Es gibt keine typischen Arbeitstage mehr bei uns – die gab es früher, bevor wir Kinder hatten! Im Moment sind wir hin und hergerissen zwischen unseren Babies... den beruflichen und den echten. Alle gedeihen gut - der Organisationsaufwand ist gestiegen, aber wir legen starken Fokus auf das Wesentliche.


Studien zufolge entsteht Innovation nicht im Alleingang, sondern in der Zusammenarbeit und im Austausch mit anderen. Welchen Stellenwert hat das Arbeiten im Team für Sie?
Alleine hätten wir dottings und auch GOODGOODs nie gemacht. Der Gedankenaustausch im Team funktioniert wie gutes Pingpong Spiel. Am Ende steht die zündende Idee. Man hat immer jemanden zum Austausch und ein Korrektiv. Man gibt sich nicht zu schnell zufrieden mit einem Ergebnis, schon gar nicht mit dem Vorschlag anderer und gemeinsam macht es auch einfach mehr Spaß!


Wie kann, nach Ihrer Erfahrung, Innovation sonst noch entstehen?
Ein Projekt braucht immer seine Zeit! Unter Zeitdruck entsteht oft nichts Gutes. Es ist ein entweder/oder, gut oder schnell... Eine Idee muss sich verfestigen können. Man braucht Zeit, um zu prüfen, um auch noch einmal die Richtung zu ändern! Innovation ist ein Prozess, den man durch gute Recherche und das Herstellen neuer Zusammenhänge steuern kann. Manchmal entsteht Innovation aber auch einfach aus einer Lust heraus.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Unser Team, genügend Zeit, Grips, Skizzenbuch und Smartphone.


Welche Pläne schmieden Sie zurzeit für dottings? Woran arbeiten Sie gerade, welche nächsten Ziele haben Sie sich gesteckt?
Unsere Projekte sind derzeit vielfältig, ein Küchengerät, Möbel, Schmuck und der der öffentliche Raum. Wir haben heuer den Wettbewerb für neue Anzeigetafeln an Wiens Haltestellen gewonnen, die realisiert werden sollen.
Und Ziele? Spannende Projekte für dottings und GOODGOODs, unser gutes Team und weiterhin der gute Kontakt zu unseren Kunden.
 

Sie schreiben: Cleveres Produktdesign muss immer mehr können als einfach nur gut auszusehen. Was vor allem sollte es können? Worauf kommt es an? Und was würden Sie gerne einmal gestalten?
Nur gut auszusehen – das ist zu oberflächlich. Es geht um Charakter, den Nutzen, den Prozess der Herstellung, Verwendung und Recycling. Immer abgestimmt auf die DNA unserer Kunden. Lust hätten wir auf ein neues Konzept für ein Boot!


Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Gute Familie, gute Arbeit und ab und zu eine gute Pause!

Foto: Kollektiv Fischka @ Vienna Design Week 2014

Autor

Désirée Schellerer

Public Relations Manager

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