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Tamtam um´s Team oder: Gemeinsam mehr erreichen

Team Teamarbeit Teambuilding

Komplexe Aufgaben erfordern gelungenes Teamwork. Gut eingespielt oder frisch zusammengestellt – ein gutes Team ist zu Leistungen fähig, die ein Einzelner nicht erbringen könnte. Doch was macht ein gutes Team aus? Wie funktioniert die Zusammenarbeit am besten, welche Faktoren wirken positiv auf den Teamerfolg? Lesen Sie hier über scheinbare Selbstverständlichkeiten und beachtenswerte Aspekte.

Bereits vor dem Eintreten in den Gelben Raum, wie der Meetingroom 2 genannt wurde, erkannte Florian durch die Glaswand, dass die Stimmung gut war. Vier der sechs Teammitglieder waren bereits versammelt und bereiteten ihre Unterlagen ebenso gut gelaunt wie gewissenhaft vor, während Doris, die Teamleiterin, die Schritte bis zum nächsten Milestone auf dem Whiteboard skizzierte. Sie war eine ausgezeichnete Teamleiterin, die es sowohl verstand, das Team für das gemeinsame Projekt zu begeistern, als auch Verantwortlichkeiten und Fristen klar zu regeln. Florian blickte zuversichtlich einem weiteren konstruktiven Meeting entgegen.
 

Ist Teamwork "in"?

Wer die aktuelle Diskussion um Teamwork verfolgt, begegnet reichlich widersprüchlichen Sichtweisen. Auf der einen Seite wird Teamwork euphorisch als das Instrument für Kooperation, Produktivität und wirtschaftlichen Erfolg im Wissenszeitalter gehandelt, auf der anderen Seite herrscht Ernüchterung. Aus der eigenverantwortlich handelnden Gruppe von Fachleuten, die gemeinsam auf ein Ziel hin arbeitet, sei vielerorts ein chaotischer Haufen geworden, der von Führungsschwäche, Plan- und Verantwortungslosigkeit zeuge.

Die Vorgeschichte: Die Komplexität von Aufgaben ist während der letzten Jahrzehnte in vielen Bereichen deutlich gestiegen, während der dafür angesetzte Zeitaufwand gesunken ist. Kooperation wurde notwendig, Teamwork zur idealen Methode erklärt, die der traditionellen Zusammenarbeit im Rahmen von Prozessabläufen überlegen sei. Jedoch sei Teamwork in der Praxis immer mehr zum scheinbaren(!) Selbstläufer geworden – mit der fehlenden Strukturiertheit sei die Effektivität verloren gegangen, so die Kritiker.
 

Pros und Cons

Gelungenes Teamwork bietet zweifellos zahlreiche Vorteile, die weit über bloße Arbeitsteilung hinausgehen: Wissen und Erfahrung unterschiedlicher Mitarbeiter werden besser genutzt, verknüpft, kombiniert. Der Informationsfluss wird verbessert. Durch den vielfältigen Input motivierter Teammitglieder können Kreativität und Innovationskraft deutlich gesteigert werden. Dass sich gute Ideen häufig im Gespräch entwickeln, ist bekannt, ebenso, dass man gemeinsam zu besseren Lösungen kommt. Außerdem schweißt das gemeinsame Ziel zusammen, die Identifikation mit den gemeinsam erarbeiteten Ergebnissen und dem Unternehmen steigt. Und noch etwas: Bereits die bloße Anwesenheit von anderen (noch ganz ohne Zusammenarbeit) führt dazu, dass Personen bei einfachen Aufgaben schneller und effektiver arbeiten – "Soziale Erleichterung" nennt die Psychologie dieses Phänomen und liefert unterschiedliche Erklärungen dafür. Und wenn diese Personen dann noch zusammenarbeiten, steht hervorragenden Ergebnissen nichts mehr im Weg – oder wie es TEAM-Fans ausdrücken: "Together Everyone Achieves More".

Das wäre der Optimalfall. Natürlich kann die Arbeit im Team auch negative Seiten haben – plakativ ausgedrückt mit der bekannten "Ausformulierung" von TEAM als "Toll, Ein Anderer Macht’s". Selbst wenn es keine bewussten Mitarbeitsverweigerer gäbe, griffe jenes Phänomen, das in der Sozialpsychologie "Soziales Faulenzen" genannt wird: Arbeitet eine Gruppe zusammen, ist jedoch die individuelle Leistung des Einzelnen nicht erkennbar (Beispiele: Ruderer in gemeinsamem Boot), sinkt die physiologische Anspannung. Dadurch kommt es bei einfachen Aufgaben zu einem Leistungsabfall. Aber – und das ist die gute Nachricht – bei komplexen Aufgaben verhält es sich genau umgekehrt: Die durch die Anonymität entstehende Entspannung führt zu einer Leistungssteigerung.
 

Das vielfältige Team

Die Zusammenstellung des Teams ist mitentscheidend für den Erfolg. In der Praxis richtet sich diese häufig nach der Hierarchie oder der Verfügbarkeit von Personen. Jedoch liefert die Theorie einige Tipps, wie es besser gehen könnte. Nicht alle davon sind unumstritten.

Beispiel Vielfalt der Persönlichkeiten: Oft wird dazu geraten, möglichst unterschiedliche Personen einzusetzen, nicht nur aus verschiedenen Abteilungen, sondern auch hinsichtlich des kulturellen Backgrounds und des Geschlechts oder (seltener beachtet, aber oft genauso wichtig) des Alters. So bringen die Teammitglieder unterschiedliche Sichtweisen ein und liefern erfrischend vielfältige Ideen. Zusätzlich ist darauf zu achten, dass das Team einen Mix aus extrovertierten und introvertierten Personen bildet – denn, bewusst berücksichtigt, bietet beides Vorteile.

Dieser Ansatz hat viel für sich, vor allem wenn es um Kreativität geht. Jedoch muss sich ein derartiges Team erst "zusammenraufen". Man benötigt viel Zeit, um einander kennenzulernen, man weiß nicht gleich, wo die Stärken und Schwächen der anderen liegen, wodurch Potenziale eventuell nicht vollständig genutzt werden. Wie fundiert sind die Aussagen der einzelnen Personen, welche basieren auf Fakten, welche auf Vermutungen? In der Praxis zeigt sich zuweilen, dass Personen mit einem ähnlichen Background dazu tendieren, auch abseits des Arbeitsortes vermehrt miteinander zu interagieren – mit positiven Auswirkungen auf Vertrauen und Teamzusammenhalt. In einem vertrauten Team fallen viele Unsicherheiten weg – man kennt Stärken, Schwächen und Eigenarten und kann von Beginn an darauf eingehen bzw. aufbauen. Auch in der Kommunikation kann es gewohnte Abläufe oder Tools geben, die nicht extra erläutert werden müssen, wenn alle Teammitglieder damit bereits Erfahrung haben. Im Idealfall existiert bereits eine Vertrauensbasis.

Aber vielleicht lassen sich beide Ansätze miteinander kombinieren? Ein vertrautes, vielfältiges Team hätte gute Chancen auf Erfolg.
 

Die Superpower

Da wir von unterschiedlichen Stärken der Teammitglieder sprachen: Keith Yamashita, Gründer von SYPartners, einem Unternehmen, das Leadership-Teams in Zeiten wichtiger Umbrüche unterstützt, sieht die Nutzung der individuellen Stärken als ein wesentliches Element für erfolgreiches Teamwork an. Einer seiner Tipps: Finde deine "Superpower", dein echtes Talent und verwende deine Zeit vorwiegend darauf, genau diese Stärke zu nutzen. Auch bei SYPartners wird dieser Ansatz intensiv genutzt. Je nachdem, um welche Aufgabe es geht bzw. wie die Arbeit gerade läuft, werden Personen eingesetzt, deren spezielles Talent genau hier gebraucht wird. Beispiele sind: Kreatives Denken, Motivation, Vereinfachung, systemisches Denken oder Frieden stiften. Wenn jeder seine Stärke voll ausspielt, wenn sie gebraucht wird, kann das Team Großes vollbringen.
 

Rollen und Perspektiven

Dieser Ansatz erinnert an die Theorie, dass Menschen aufgrund ihres Charakters und Verhaltens bei einer Zusammenarbeit – bewusst oder unbewusst – bestimmte Rollen übernehmen: Da gibt es Informationssucher, Wegbereiter, Umsetzer, Perfektionisten, Mutmacher. Eine gute Mischung aus unterschiedlichen Rollen wäre für die Praxis angeraten. Die meisten guten Teams haben zumindest einen analytischen Denker an Bord. Natürlich gibt es auch Rollen, die aufgrund ihrer Destruktivität eher hinderlich sind.

Im Teamwork, besonders in einer eingespielten Gruppe, ist es wichtig, ab und zu den Blickwinkel bewusst zu ändern, da man sonst Gefahr läuft "sich zu verrennen" – insbesondere wenn es überzeugende bzw. beherrschende Persönlichkeiten in der Gruppe gibt. Das Betrachten eines Projekts aus unterschiedlichen Perspektiven sollte daher unbedingt (!) Teil des Teamworks sein.
 

Abgrenzung und Wettkampf

Noch eine Frage tut sich auf: Soll man Berufliches von Privatem trennen? Dies wird häufig geraten, um Streitigkeiten zu vermeiden. Andererseits stärken gemeinsame Unternehmungen, sei es nur das gemeinsame Essen, das Vertrauen. Im Prinzip laufen auch die zahlreichen Teambuilding-Seminare darauf hinaus. Oder geht es dabei nur um eine Schein-Privatheit? Anderes Beispiel: Hat ein Teammitglied gerade eine private Krise – wie geht man im Team damit um? Kann sein, dass der Kollege sich jetzt erst recht in die Arbeit hineinsteigert – falls er jedoch nicht zu diesem "Typ" zählt, wird er wohl weniger produktiv sein. Hier wäre es ratsam, solche temporären Veränderungen zu akzeptieren und im Team flexibel zu reagieren – beispielsweise durch eine Umordnung von Aufgaben oder Kapazitäten. Eventuell muss der Zeitplan auch adaptiert werden. Jedenfalls ist Unterstützung angesagt, kein "Du musst das jetzt aber trotzdem schaffen". Denn das hätte nicht nur wenig Aussicht auf Erfolg, sondern würde das Arbeitsklima zerstören – auch über das Projekt hinaus.

Heikel ist das Thema Competition. Während manche der Meinung sind, es solle unter den Teammitgliedern ein gesunder Wettkampf gefördert werden, sind andere der gegenteiligen Ansicht: Ein Team ist ein Team, alle arbeiten gemeinsam und nicht gegeneinander. Performanceerhebungen und einzelne Belohnungen wirken nicht motivierend, sondern bringen das Team auseinander, weil jeder dann nur mehr auf seinen Vorteil achtet.
 

Streitpunkt Virtualität

An dieser Frage scheiden sich die Geister ebenso: Sind Face-to-face-Teams besser oder virtuell verknüpfte? Arbeitet man über diverse internetbasierte Teamwork-, Online-Meeting- und Task-Management-Tools, Chat-Programme oder Videokonferenzen zusammen oder doch lieber persönlich von Angesicht zu Angesicht? Kommt man online oder am gemeinsamen Tisch schneller zum Punkt? Wie entwickeln sich Ideen besser? Keine Frage: Möchte man ein vielfältiges Team mit unterschiedlichen Backgrounds, hat es aber nicht vor Ort, ist die digitale Zusammenarbeit häufig praktikabler. Für das Kennenlernen, den Teamzusammenhalt und das Vertrauen ist jedoch der Face-to-face-Kontakt unabdingbar.
 

Regeln, Teamleitung, Phasen

Eine klare schriftliche Auftragsformulierung und klare Regeln sind das Um und Auf für erfolgreiches Teamwork. Ist das Team an der Definition der Regeln beteiligt, umso besser – "beteiligt" ist dabei das Schlüsselwort. Kein Team kann den Teamleiter überstimmen – so viel Hierarchie muss es auch in einem Team geben. Die einmal aufgestellten Regeln sind keine vagen Richtlinien, sondern müssen tatsächlich ernst genommen werden. Der individuelle Interpretationsspielraum liegt exakt bei 0. Nur in absoluten Ausnahmefällen dürfen diese Regeln im Nachhinein noch angepasst werden.

Eine der zentralen Regeln – und daran scheitert so manches Projekt –, ist die klare Zuteilung von Verantwortungen innerhalb des Teams. Jeder muss exakt wissen, was er bis wann zu tun hat, und dass er allein für diese Aufgabe verantwortlich ist. Probleme in der Teamarbeit resultieren häufig in einer fehlenden Kompetenzabgrenzung. Auch wenn Teammitglieder gleichrangig sind, heißt das nicht, dass sie für jede Entscheidung gleich qualifiziert wären. Plakativ ausgedrückt: Was technisch umsetzbar ist, entscheidet nicht der Marketingexperte, sondern der Techniker. Was nicht bedeutet, dass sie nicht gemeinsam zu einer innovativen Lösung kommen könnten. Für bestimmte Aufgaben braucht es auch innerhalb des Teams eine Hierarchie. Arbeiten mehrere Personen in einem Teilbereich zusammen, muss klar sein, wer im Zweifelsfall die Entscheidungen trifft und die Verantwortung für die spezifischen Ergebnisse trägt und wer "nur" aktiv mitarbeitet.

Ohne guten Teamleiter geht es nicht – sonst herrschen bald Chaos und Unproduktivität. Er oder sie gibt die Richtung vor, setzt Rahmenbedingungen, ist verantwortlich für eine strukturierte Planung und Aufgabenverteilung, übernimmt die Gesamtverantwortung und fungiert als Moderator/in. Teamleiter brauchen ein Gespür für Stimmungen in der Gruppe und greifen ein, wenn es notwendig ist. Dies erfordert viel Aufmerksamkeit, ansonsten schleichen sich Konflikte heimlich ein.

Damit in Zusammenhang stehen bestimmte Phasen, die ein Team durchläuft. Ob sie nun nach Bruce Tuckman die Namen Forming, Storming, Norming, Performing und Transforming tragen oder ob von Orientierungsphase, Ordnungsphase und Co. die Rede ist, ist im Wesentlichen egal. Inhaltlich muss man sich darauf einstellen und jeder Phase (bzw. den Entwicklungen darin) genügend Raum geben – dieser kann je nach Team und Aufgabe recht unterschiedlich ausfallen. In der Literatur wird die Phase der ersten Konflikte meist als wichtig angesehen. Werden Konflikte hier unter den Teppich gekehrt, kommen sie später wieder und können das ganze Team zu Fall bringen.
 

Informelle Kommunikation

Studien zeigen, dass informelle Kommunikation ein wesentlicher Faktor für gelungenes Teamwork ist. Diese kann in der Kaffepause, auf gemeinsamen Events oder bei anderen Gelegenheiten stattfinden. So wichtig formelle Meetings, Deadlines und intensive Zusammenarbeit auch sind – viele Ideen entstehen in informellen Meetings, Informationen werden ausgetauscht, Hintergründe besprochen, Vertrautheit wird geschaffen. In einem atmosphärisch entspannten Rahmen entfaltet sich nicht nur Kreativität, sondern auch Produktivität.
 

Räumliche Voraussetzungen

Somit ist klar: Teamwork benötigt ein förderliches Umfeld – auch räumlich gesehen. Ideal ist es, wenn unterschiedliche Umgebungen zur Verfügung stehen, die zur Kollaboration einladen. So kann man sich wahlweise in den Besprechungsraum mit Medientechnik zurückziehen, um ungestört zu planen und Unterlagen auszubreiten, oder sich zum spontanen Meeting und Informationsaustausch in der Mittelzone treffen. Eine gewisse Abschirmung ist förderlich für ungestörte Gespräche, jedoch ein 50-Personen-Konferenzraum atmosphärisch wohl nicht die beste Wahl. Kleinere Einheiten, inspirierend und funktional gestaltet, eignen sich häufig besser.

Da Atmosphäre und Motivation mitentscheidend für den Erfolg sind – nicht nur bei größeren Projekten, sondern auch in der täglichen Zusammenarbeit –, sollten die zur Verfügung stehenden Räume und Zonen möglichst attraktiv gestaltet sein. Kleinigkeiten wie eine ausreichende Anzahl an Steckerleisten oder Whiteboards erweisen sich häufig als nützlich. Sollte man an einem Punkt angelangt sein, an dem man nicht weiterkommt, kann ein Wechsel der Umgebung weiterhelfen. Dies gilt für ein Projektteam ebenso wie die Einzelarbeit. Auch für nicht offiziell als Teamwork deklarierte Aufgaben lohnt es sich, solche Zonen und Räume zur Verfügung zu haben. Denn Kommunikation und Interaktion – als wesentliche Bestandteile der modernen Arbeitswelt – werden nicht zuletzt durch die räumliche Infrastruktur gefördert.

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