Cisco Systems

Adresse: City Plaza, Rotebühlplatz 21 – 25, 70178 Stuttgart, Deutschland

Branche: IT, Telekommunikation

Jahr: 2009

Architekt: Aukett + Heese, Frankfurt a.M.

Mitte der Neunziger Jahre entstand die Vision vom papierlosen Büro. In den meisten Unternehmen jedoch stellte sich diese Form des Arbeitens als hohles Wunschbild des Internet-Booms heraus. Statt zu verschwinden, wurden die Dokumentberge aus Zellulose mehr und mehr. Nicht so bei CISCO Systems. Der internationale Konzern, dessen Deutschland-Tochter laut bundesweitem Wettbewerb "Deutschlands Beste Arbeitgeber 2009" zu den besten Firmen des Landes gehört, hat sich auf die Entwicklung von Software- und Hardware-Produkten im Netzwerkbereich spezialisiert. Das digitale Tätigkeitsfeld des Unternehmens macht sich auch im Alltag seiner Mitarbeiter bemerkbar: Der Großteil des Staffs ist mobil, führt seinen Job auf einem kleinen Notebook aus und ist mit dem digitalen Arbeitspensum bestens vertraut. Von Papier keine Spur.

Anfang 2009 wurde beschlossen, die bisherige Niederlassung in Stuttgart aufzugeben und in ein moderneres, offenes Bürohaus umzuziehen. Der Standortwechsel sollte effizient genutzt werden. "Wir wollten die Situation zum Anlass nehmen, den Mitarbeitern von CISCO einen neuen Bürotypus vorzustellen, von dem zwar oft gesprochen, der aber noch viel zu selten in die Tat umgesetzt wird", sagt Stephan Kerkel, Projektleiter im Frankfurter Architekturbüro Aukett + Heese, das für Sanierung und Umbau der rund zehn Jahre alten Immobilie verantwortlich zeichnet. Die Rede ist vom so genannten nonterritorialen Büro.
 

Bunte Vielfalt im Open Office

Die Idee dahinter: Statt fixer Arbeitsplätze gibt es innerhalb eines gekennzeichneten Open-Space-Bereichs flexible Working-Units unterschiedlicher Qualität, die von den Mitarbeitern je nach Tagesverfassung und Tätigkeitsfeld in Besitz genommen werden können. Die Palette reicht vom zurückgezogenen, konzentrierten Arbeiten in der Einzelkapsel über informelle Besprechungsmöglichkeiten im Gangbereich bis hin zur klassischen Großraumstruktur mit akustisch abgeschlossenem Konferenzraum. Auffällig an dieser gemeinsam erarbeiteten Lösung ist, dass der Kommunikations- und Touch-Down-Bereich rund zwei Drittel der Gesamtfläche einnimmt, während die klassischen Back-Offices auf ein Minimum reduziert sind.

Die heterogene Gestaltung bietet nicht nur Vielfalt, sondern auch die Möglichkeit der Wahl. "Erstens ist die Arbeit nicht jeden Tag gleich und zweitens hat man auch als Person nicht jeden Tag die gleiche Befindlichkeit", erklärt der Architekt, "mal ist einem nach Gesellschaft zumute, mal zur stillen Abgeschiedenheit ohne Lärm und ohne Menschen rundherum. Diese Diversität sollte sich in der Architektur und in der Möblierung eines Büros nach Möglichkeit widerspiegeln."

Während im offenen Bürobereich Tische, Stellwände und Stauraum-Möbel zum Einsatz kamen, sind Lounge und Think-Tank-Zonen mit Coffice Sitzmöbeln und High_Com Stehtischen ausgestattet. Die Konferenzräume, in denen teilweise internationale Meetings abgehalten werden, sind durch Acoustic Pearls von den Allgemeinflächen abgeschottet und bestückt mit dem eleganten Managementprogramm AL_Group. Die etwas kühlere Atmosphäre, die hier herrscht, begünstigt die Konzentration in den ohnehin schon sprachbunten Räumen auf ihre Weise – nämlich durch Zurückhaltung. Sitzmöbel und Stehtischkonstellationen, die mal hier stehen und mal dort, runden das Einrichtungskonzept im Back-Office-Bereich ab und ermöglichen, dass die Kommunikation untereinander auch in einem informellen Rahmen zwischen Tür und Angel, zwischen hier und jetzt stattfinden kann.
 

Wahrnehmung aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Brusthohe Stauraummöbel zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen, die teilweise sogar mit integrierten Blumentöpfen ausgestattet sind, sorgen dafür, dass der sitzende Mitarbeiter raumpsychologisch geschützt ist, während der Stehende und Gehende über die 1.700 Quadratmeter große Büroimmobilie stets den Überblick bewahrt. Der leichte Farbwechsel im textilen Bodenbelag – von hellem Braungrau zu einem etwas dunkleren – folgt diesem Schema und zieht zwischen Erschließung und Ruhezone eine klare Zäsur. "Die Unterscheidung in der Raumwahrnehmung zwischen dem kommunikativen Stehen und dem meist konzentrierten Sitzen war von Anfang an ein wichtiger Aspekt in der Planung", so Kerkel, "schließlich geht es darum, dass die Mitarbeiter nicht nur in den eigens dafür definierten Besprechungszimmern, sondern auch im Back-Office in Kontakt treten können." Die räumlichen Möglichkeiten zum Gespräch sind nahezu unbegrenzt.

Aufgelockert wird das Büro schließlich durch ein paar amorph geformte Zellen, die wie bunte Raumskulpturen in der Arbeitslandschaft stehen. Die so genannten Amöben, wie die Architekten sie nennen, setzen nicht nur farbige Akzente, sondern dienen auch der Orientierung im Raum. Vor allem aber kennzeichnen sie jene Orte, an denen sich die Kollegenschaft zwischendurch in die Einsamkeit zurückziehen oder sich dem gesellschaftlichen Spiel hingeben kann.

Klar und kräftig ist die Farbgestaltung der einzelnen Inseln und der gesamten Innenarchitektur. Dem korrespondiert die Farbgebung der Möbel spielend - dank des breiten Bene-Farbspektrums. Vielleicht ist es Zufall, vielleicht ist es ein synergetischer Effekt zwischen den Firmen, dass die starke Farbigkeit, die hier gewählt wurde, die Corporate-Design-Farben von CISCO aufgreift und dadurch auch seine Unternehmens-kultur widerspiegelt. Wer hier arbeitet, so lautet die inspirierende Message, ist ein wichtiges Pixel in einem großen, bunten, kommunikativen Netzwerkbild. Freizeitaspekte und Power-Napping dürfen dabei nicht zu kurz kommen: Die gelbe Amöbe birgt Teeküche und Bar, in der grünen Amöbe versteckt sich ein Fußballtisch, in der hellblauen Amöbe wiederum stehen Relaxräume mit Massagestuhl und Chaiselongue bereit.
 

Effizienz durch räumliche Flexibilität

Die CISCO-Niederlassung in Stuttgart ist ausgelegt auf 100 bis 130 Mitarbeiter. Nachdem der Großteil der Belegschaft jedoch im Außendienst tätig ist, arbeiten im Schnitt nie mehr als 30, 40 Mitarbeiter vor Ort. Das schlägt sich in der Anzahl der Arbeitsplätze nieder und ermöglicht, die wertvollen und üblicherweise viel zu knapp bemessenen Flächenressourcen für ein luxuriöses und differenziertes Raumangebot zu nutzen. Das nonterritoriale Büro ist somit eine effiziente Lösung für alle Beteiligten, für den Arbeitgeber wie auch für den Arbeitnehmer: Der eine profitiert durch ein entsprechend kleineres Büro, der andere durch die sinnvolle Ver-anlagung des eingesparten Budgets.

"Mit dem realisierten Konzept, bei dessen Gestaltung die CISCO-Mitarbeiter aus Stuttgart mitwirken konnten, sind wir sehr glücklich. Die Gestaltung und Ausstattung unserer Räume mit intelligenter CISCO-Technologie und modernem Mobiliar realisiert unsere eigene Vision der "Future of Work". Die Mitarbeiter halten sich gerne im Büro auf, da es den Rahmen bietet für konzentriertes Arbeiten, effektive Meetings aber auch für das entspannende Zusammen-treffen während der Pausenzeiten. Auch unsere Kunden und Partner schätzen das Office in großem Maße. Bereits in den ersten drei Monaten hat sich die Anzahl der Besucher verdoppelt. Auch dies ist ein Beitrag zur okönomischen und ökologischen Arbeitsweise, erreichen wir doch damit gleichzeitig eine große Anzahl von Interessenten." Peter Rothfuß, Regional Sales Manager & Office Leader Cisco Stuttgart

In der Tat ist die Organisation von Raum vielleicht das am wenigsten beachtete – und wirksamste – Werkzeug, einen kulturellen Wandel herbeizuführen, Innovationsprojekte zu beschleunigen und den Lernprozess einer Organisation zu fördern.

Tom Peters, US-amerikanischer Unternehmensberater

Wojciech Czaja
 

Karte

comments powered by Disqus