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10 JAHRE PARCS – Designer-Interview – Tom Lloyd & Luke Pearson

Die Markteinführung von PARCS war 2009. Seitdem sind zehn Jahre vergangen: Wie würden Sie den Einfluss von PARCS auf Büros beschreiben?

Tom Lloyd: Der Start von PARCS im Jahr 2009 fiel mit dem Aufkommen von „kollaborativem Arbeiten“ in modernen Büroumgebungen zusammen. Bis dahin bot keine der zwei Hauptarten von Arbeitsplätzen – Schreibtisch und formeller Besprechungsraum – Raum für kreative und informelle Interaktionen. PARCS war wohl die erste Möbellinie, die auf aktive Weise informelle Meetings abseits des Schreibtischs ermöglichte. 2009 verkörperten die Toguna-, Causeway- und die Wing-Serie eine recht drastische Abkehr vom Status Quo. Heute ist der Markt gesättigt von derartigen Typologien. Das zu verstehen hilft dabei, die Wirkung und den Einfluss zu verdeutlichen, den PARCS im letzten
Jahrzehnt auf Arbeitsplätze hatte. PARCS kann als wahre Marktinnovation gesehen werden.       

Luke Pearson: Die Wirkung war sichtlich enorm. Zunächst sehen wir den Einfluss anhand der zahlreichen ähnlichen Produkte, die PARCS hervorgebracht hat und die in vielerlei Hinsicht den Erfolg der Linie belegen. Kulturell und wirtschaftlich noch interessanter ist für das Geschäft, wie PARCS innerhalb von Organisationen geholfen hat, dahingehend ein Vertrauen zu unterstützen und zu schaffen, dass der Schreibtisch für Wissens- und Kreativarbeit nicht immer der beste Ort ist. Jene Zeit wirkt wirklich so weit entfernt in Bezug auf unsere jetzige visuelle und funktionelle Auffassung von Büros. PARCS war in vielerlei Hinsicht ein Katalysator, einerseits, und ein sehr erfolgreiches Handelsprodukt, andererseits. Es war neu, dass eine Linie mit unterschiedlichen Produkten ein Umfeld mit ergänzenden Funktionen bot.

                      
Wird in den PARCS-Zonen so gearbeitet, wie Sie es sich vorgestellt haben?

TL: Die PARCS-Linie sollte eine echte Wahl in Bezug auf Raum und Erfahrung ermöglichen, daher gaben wir nicht vor, wie und wo gearbeitet werden sollte. Wir wollten nicht im Vorhinein annehmen zu wissen, was für eine bestimmte Meetingart oder -dauer angenehm wäre. Es war also nie unsere Intention festzulegen, wie die PARCS-Linie zu verwenden ist. Vielmehr beabsichtigten wir, eine andere Art von Nutzung zu ermöglichen, eine andere Art von Interaktion und Kommunikation.  

LP: Ich denke, ja, es wird größtenteils so gearbeitet. Toguna war vielleicht in dem Sinne ein überraschender Erfolg, dass wir so viele verkauft haben und es sich in vielerlei Hinsicht um eine recht ungewöhnliche Idee handelt. Allerdings entspricht beim Design von etwas noch nie Dagewesenem die Funktion nie genau der geplanten. Es wäre arrogant, davon auszugehen – Fortschritt wird so oft von Aspekten vorangetrieben, die wir nicht vollständig definieren. Für einen Designer ist dies der Weg, einen Einblick zu bekommen und sich vorzustellen, was als Nächstes kommen könnte.

  
Was macht PARCS besonders?

TL: PARCS brachte sowohl Inspiration als auch Energie an den Arbeitsplatz, der zuvor von einer strengen Disziplin und einer maschinenhaften Ästhetik dominiert war. Heutzutage zeigt sich eine völlig andere visuelle Landschaft im modernen Bürodesign, die zu großen Teilen auf die kulturellen Änderungen vor zehn Jahren zurückzuführen ist.

LP: Ich denke es ist ihre bescheidene Einfachheit. Wir hielten die Linie absichtlich einfach, sodass sie auf ästhetischer Ebene andere Umgebungen nicht dominiert und langlebig ist.


Wie hat sich die Arbeitsumgebung in den letzten zehn Jahren verändert? 

TM: Einer der Hauptfaktoren und Katalysatoren für Veränderung in den letzten 10 Jahren war technologischer Natur. Die Möglichkeit, seinen Schreibtisch mit den Werkzeugen für Produktivität (Laptop) und Kommunikation (Smartphone) verlassen und weiterhin mit und zwischen Teams kommunizieren zu können, steht im Zentrum des Wandels des letzten Jahrzehnts.
Das ermöglichte es Organisationen außerdem, sich von Einzelarbeitsplätzen an festgelegten Orten abzuwenden und eine Kultur ohne zugewiesene Arbeitsplätze anzunehmen, durch die verschiedene Arbeitsumgebungen mit Kollegen geteilt werden können. Das ist ein bedeutsamer Kulturwandel hinsichtlich der Art, wie Organisationen ihre Arbeitsplätze planen und wie Menschen dort zu agieren haben.         

LP: Die Veränderungen der letzten 10 Jahre waren enorm. Vielleicht waren es die bisher schnellsten. Das Vertrauen in Technologie sowie „mobile“ Information haben den zuvor starken Einfluss des stationären Arbeitsplatzes auf das Bürodesign weiter verringert. Der Einfluss ist noch nicht verschwunden, doch der Arbeitsplatz ist heute ausgeglichener, wenn es um die Balance zwischen Kultur und Produkt geht. Außerdem müssen wir anerkennen, dass am Arbeitsplatz nun eine unglaubliche demografische Mischung zu sehen ist. Darunter sind jene Menschen, die ihre Karriere mit dem Festnetz und ohne Internet begonnen haben, und jene, die keine Welt ohne Internet und Smartphones kennen. Die Personalkultur hat sich womöglich am meisten verändert. Unsere physischen Interaktionen haben aufgrund des Wandels der Technologie und der Arbeitsstile wortwörtlich die traditionellen Mauern eingerissen.
 

Bitte beschreiben Sie PARCS mit drei Worten.

TL: Sauerstoff für das Büro.

LP: Einfach. Bescheiden. Ermöglichend.


Was ist Ihr Lieblingsprodukt von PARCS?

TL: Mein persönlicher Favorit ist die Toguna. Die Geschichte des Produkts gründet auf persönlichen Erfahrungen mit den Dogon aus Mali in Westafrika, in deren Geschichte sich die ursprüngliche Toguna als Schutz für die Dorfältesten entwickelt hat. Durch ihre sowohl dynamische als auch angenehme Nutzungsweise ist sie ein ausgezeichnetes Aushängeschild der PARCS-Linie. 

LP: Für mich ist es das American Diner, weil ich denke, dass es für die Branche ein unglaublicher Maßstab geworden ist.


Welche Entwicklungen beobachten Sie heute und welchen Einfluss hat PARCS heutzutage? 

TL: Die Idee des kollaborativen Arbeitens als Herzstück der Wissensökonomie wird bleiben. PARCS spielt nach wie vor eine wesentliche Rolle bei der Bereitstellung von hochqualitativen Räumen und Orten, an denen Menschen in informellen, dynamischen Umgebungen interagieren können. Es existieren heute drei neue Thematiken, die es vor 10 Jahren nicht gab. Konzentration. Der Aufstieg von Bench-Lösungen, die hohe Arbeitsplatzdichten ermöglichen, führte zum unerwünschten Nebeneffekt, dass die Konzentrationsfähigkeit während der Arbeit beeinträchtigt wird. Das wird neue Lösungen und Veränderungen am Arbeitsplatz stimulieren, um das richtige Gleichgewicht zwischen Kollaboration und Konzentration zu erzielen. Wohlbefinden. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Menschen, denen es körperlich und emotional an nichts mangelt, mit größerer Wahrscheinlichkeit eine produktive, gesunde und stimulierende Arbeitsweise annehmen. Das kann für Organisationen nur gut sein. Daher gehen das Bedürfnis und der Wunsch, Menschen großartige Arbeitsumgebungen zu bieten, mit den profit- und erfolgsbezogenen Bedürfnissen und Wünschen der Organisationen einher. Die Umwelt. Wir können unsere Augen nicht mehr vor der absoluten Notwendigkeit verschließen, als Menschheit den negativen Einfluss unserer derzeitigen Gewohnheiten auf die Umwelt zu verringern. Dabei handelt es sich um eine sowohl persönliche als auch berufliche Verantwortung.    

LP: Heute sprechen wir eher über anpassungsfähige Räume als über eine Anpassung der Menschen. Wir haben mehr und mehr Möglichkeiten für eine Feinabstimmung unserer Arbeitsweise durch eine sorgfältige Produktauswahl. Allerdings sind Menschen in ihrem Wesen, körperlich und emotional gleich. Ich denke, dass manche innerhalb der PARCS-Linie definierten Grundbedürfnisse auch heute, 10 Jahre nach ihrer Einführung, noch recht gut passen. Vielleicht liegt es an unserer Einbeziehung der grundlegenden emotionalen und haltungsbezogenen Bedürfnisse, dass PARCS heute noch sehr relevant ist.

    
Was kommt als Nächstes? Welche Veränderungen erwarten Sie in den nächsten 10 Jahren in Bezug auf Arbeitsumgebungen?

TL: Die größte Thematik sehen wir in der Sharing Economy. Heute teilen wir unsere Leben und Lebensweisen über die Likes auf Instagram, Airbnb, Uber oder We Work mit den Menschen in unserem Umfeld. Dadurch entstehen neue Formen von Unternehmen, Konsum, Räumen und Orten sowie neue Arten alltäglicher Lebensweisen. Durch eine Bewegung weg vom Eigentums- und hin zu einem Abonnementmodell des Konsums erhalten wir vielleicht neue Möglichkeiten, unseren Einfluss auf den Planeten zu reduzieren, indem wir weniger und nur das konsumieren, was wir wirklich brauchen. 

LP: Ich stelle mir mehr Mobilität vor, mehr Wahlmöglichkeiten für Konsumenten und smartere Produkte. Ich denke nicht, dass Technologie in allem stecken wird. Vielmehr erwarte ich, dass wir erkennen werden, dass Produkte Menschen in ihren Bedürfnissen unterstützen sollten und eher anpassungsfähig als vorschreibend sein sollten. Schließlich möchte niemand gesagt oder vorgeschrieben bekommen, was er zu tun hat.

 

Interview im Bene Headoffice

Weitere Informationen

PARCS Causeway



PARCS Toguna Circle small


PARCS Wing Chairs


PARCS Wing Chair


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PARCS Pop-Up Hocker & Wing Chair



PARCS Toguna


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