Architektur & Design

50 Jahre und kein bisschen leise – i saloni Milano 2011

Design Trends Inspiration Event

Anfänglich sollte der „Salone Internazionale del Mobile“ nur dazu dienen, mehr italienische Möbel ins Ausland zu verkaufen. Was sich daraus in fünf Jahrzehnten entwickelt hat, kann sich sehen lassen – die bedeutendste Möbelmesse weltweit.Zu feiern gab es dieses Jahr noch mehr große Jubiläen: 150 Jahre Italien und 30 Jahre Memphis Design fanden hier eine ideale Bühne. Dynamisch, quirlig und voller Ideen – so zeigt sich ein strahlendes Mailand 2011 und begrüßt rund 300.000 Besucher, die sich in das inspirierende Gewirr aus Möbeldesign, Kunst der Inszenierung und italienischem Lifestyle stürzen.
 

Jetzt wird alles softer,…

Wie amorph ineinander fließend führt ein Trend zum anderen. Und auf einmal ist, fast unmerklich, doch alles irgendwie anders: Alles wird softer. Das ist nicht neu und hat sich die letzten Jahre schon sukzessive angekündigt, aber nun ist es eindeutig und unübersehbar.

Die knalligen harten Farbakzente vergangener Jahre sind deutlich seltener zu sehen und natürlichen Farbtönen gewichen. Gelb ist wieder da in vielen Schattierungen, vor allem aber als weiches, sehr natürliches Senfgelb. Blau ist omnipräsent – in allen Schattierungen von Königsblau über Cyan hin zu Taubengrau. Das Apfelgrün der letzten Jahre bleibt, wird aber gerne kombiniert mit Oliv- und Grasgrün. Die gesamte Palette der Grauschattierungen wird wärmer, erdiger, und im Bereich Holz wird Ökologie großgeschrieben. Tropenhölzer sind in Mailand 2011 kein Thema mehr.
 

…auch die Formen.

Design muss nicht mehr minimalistisch, geschweige denn puritanisch sein. Weiche, organische
Linien prägen die neuen Entwürfe der Designer. Jamie Hayon entwarf für Fritz Hansen ein neues Sofa, das das Zeug zum neuen Klassiker hat. Ein wenig erinnert Favn durchaus an das legendäre "Ei", das Fauteuil von Arne Jacobsen. Das Sofa ist wie eine Schale, in die man sich hineinkuscheln kann. Der Name Favn bedeutet auf Dänisch soviel wie "sei umarmt" und entspricht ganz der generellen Strömung zu weiche Formen in weichen Farbabstufungen.

Bestrickend fließend auch das neue Sitzmöbel von Patricia Urquiola für Moroso, genannt Beknit. Ein dreidimensionales, schlauchartiges Flechtgewebe bildet die Sitzfläche. Es besteht aus einem unempfindlichen Material, das auch für Outdoor geeignet ist.

Die in Mailand lebende Spanierin ist zweifellos eine der aktivsten und bedeutendsten zeitgenössischen Designerinnen. Etliche Hersteller präsentierten Urquiolas neueste Entwürfe, darunter Andreu World. Für das spanische Unternehmen hat sie die Stuhl-Familie Nub entworfen.

Alias is back – Vom Gründer Renato Stauffacher aus dem Firmenkonglomerat Poltrona Frau zurückgekauft, erstrahlt die Firma in neuem Glanz. Loggia, ein archetypisches Bücherregal mit abgerundeten Kantendetails, stammt vom jungen Architekten Jakob Timpe. Jedes Bogenmodul seines Regals besteht aus zwei Wandstücken und einem Boden aus MDF, die fest miteinander verleimt sind. Dies und die Möglichkeit, einzelne Bauteile im Verbund zu kombinieren, verleihen dem Regal große Stabilität.

Deutsches Design in Mailand

Rund 30 deutsche Hersteller haben es heuer auf das gigantische Messeareal in Rho geschafft. "Design Deutschland" gab einen Überblick über aktuelle Tendenzen, um zugleich den Nachwuchs zu fördern. Man traf unter anderem auf Stefan Diez und seinen "Chassis"-Stuhl.

Der Münchner Konstantin Grcic brachte sein erstes Produkt für Vitra auf den Markt. Paragliding lieferte die Inspiration zum Sessel Waver, die stoffbespannte Sitzschale hängt mit Gurten an einem drehbaren Stahlrahmen. Für den Südtiroler Produzenten Plank entwarf Grcic mit Avus eine eigenwillige Neuinterpretation des klassischen Clubchairs. Der thermoplastische Unterbau ist mit Polyurethan-Schaum ausgesteift, an der eingesetzten Sitzschale wird die Lederpolsterung mittels Reißverschluss befestigt und lässt sich zum Reinigen somit abnehmen.
 

Bene va Milano

…das zu behaupten wäre freilich etwas vermessen, aber stolz sind wir schon, dass wir heuer bereits zum zweiten Mal im Österreich-Pavillon in der Zona Tortona ausstellen durften.
Neben österreichischen Produzenten und Designern wie Neue Wiener Werkstätten, Lobmeyr, Walking Chair u.v.m. präsentierte Bene das Möbelkonzept PARCS. In den letzten drei Jahren konnte Bene vier italienische Händler für eine Zusammenarbeit gewinnen, ist somit zwar noch ein Frischling, aber zumindest bereits präsent am italienischen Markt.
 

61 Tische für 150 Jahre Italien

Anlässlich des 150. Geburtstags der italienischen Einigung entwarf Gaetano Pesce für Cassina die Kollektion Sessantuno. Sie stellen die politische Karte zur Zeit des Risorgimento dar und erinnern an das Jahr 1861 und die Zeit davor. 61 verschiedene Tische, die, würden sie zusammengestellt, die charakteristische Form des italienischen Stiefel ergeben. Insgesamt wäre die Installation aller Tische 25 Meter lang, aber vorerst sind sie getrennt. Fünf Tische einer Sonderedition werden bis zum Sommer versteigert, alle übrigen Tische über weltweit verteilte Cassina-Händler verkauft. Sie tragen italienisches Design in die Welt hinaus. Und wer weiß, irgendwann finden sie vielleicht im Rahmen einer Ausstellung doch wieder zusammen…
 

Happy Birthday Memphis Milan

Untrennbar mit der Geschichte Italiens und Mailands verbunden ist Memphis Design. Die 1981 gegründete italienische Möbel-Design-Gruppe entstand durch die Initiative von Ettore Sottsass (1917 Innsbruck – 2007 Mailand) und einer Gruppe junger Architekten und Designer aus Mailand. Memphis Design brachte eine neue Ausdrucksfreiheit, verwendete völlig neue Formen, Materialien und Muster und schaffte die Transformation einer "Kollektion von Designobjekten" zu einer "kulturellen Bewegung" mit dem politischen Ziel, Designobjekte jedermann zugänglich zu machen. Das 30. Jubiläum von Memphis Design feierte man mit der exklusiven Kollektion The Red Brick Sculpture Show des britischen Designers Richard Woods in der Post Design Galerie.
 

Fiat Cinquecento

Wer, wenn nicht Lapo Elkann, Fiat-Enkel und Designer, darf den italienischen Klassiker als "Möbelstück" entfremden. Der legendäre Kleinwagen Fiat 500 prägt seit jeher das Straßenbild Italiens – und in Zukunft auch Wohnlandschaften. Zur Fiat 500 Design Collection gehört darüber hinaus noch der Tisch Picnic. Die Kollektion wurde jetzt vorgestellt.

Italienischer geht es nicht mehr… oder doch? Wir sind gespannt auf nächstes Jahr.

Jakob Timpe für Alias "Loggia"


Konstantin Grcic für Plank "Avus"


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