Artikel von: Lilli Hollein

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Der persönliche Raum: Johanna Rachinger zum Thema Stauraum

Ein glücklicher Wesenszug, denn als Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek braucht es ausgeprägten Ordnungssinn: 7,5 Millionen Bücher und Objekte umfasst die wachsende Sammlung, die auf mehr als 50.000m² archiviert, konserviert und zur Verfügung gestellt wird.

Optimale Raumausnutzung - denn Raum ist immer teuer - erreicht man mit Rollregal-Magazinen, ideale klimatische Bedingungen herrschen bei etwa 18-20°C und 40-50% relativer Luftfeuchtigkeit. "Die Idee der modernen Magazinsbibliothek mit der Trennung der Aufbewahrung der Bücher von der Benützung in Lesesälen ist im 19. Jahrhundert entstanden. Die Bücher sind dabei ganz pragmatisch nach "Numerus currens" geordnet. Gefunden werden sie über Kataloge, die damit zentrale Bedeutung für BibliothekarInnen und BenützerInnen erlangen."

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Der persönliche Raum: Laurids Ortner zum Thema expandierender Raum

Die Kunstszene der 60er Jahre in Wien war prägend, nicht nur für die kulturelle Entwicklung Österreichs, sondern auch von internationaler Bedeutung. In der Architektur wurde Neuland betreten, von dem aus man gerne auch ein wenig auf anderes neues Terrain schielte, das zu dieser Zeit zum ersten Mal betreten wurde, der Mond. Sci-Fi-Fantasien bestimmten die Ästhetik und brachten wieder so etwas wie Zukunftsgedanken, die weit jenseits der Gegenwart lagen, in die Architektur ein.

Laurids Ortner, Manfred Ortner und Günther Zamp Kelp dachten als Haus-Rucker-Co vor allem auch über gedankliche Räume nach.
"Der Mind-Expander, den wir als Haus-Rucker-Co Ende der 60-iger Jahre herstellten, war ein eher unförmiges Gerät. Eine Sitzschale für zwei Personen mit herunterklappbarer Haube. Die Basis dieser Haube bildete eine Plexiglaskuppel, über der sich ein luftgetragener Folienballon wölbte. Verschiedene Musterteile aus blauen und roten lichtreflektierenden Folien waren so auf die beiden Ebenen von Plexiglas und Folienhülle geklebt, dass sich für die zwei Personen beim Schauen ein überlappendes Muster ergab, das je nach Fokussierung vor und zurück sprang. In einer Zeit, in der das umfassende Experimentieren mit heißen halluzinogenen Drogen erst begann, wollten wir Apparate zur 'kalten' Bewusstseinserweiterung schaffen. Ein Pendant zur damals beginnenden Eroberung des Outer-Space: die Erschließung des Inner-Space der persönlichen Wahrnehmung durch technische Mittel."

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Der persönliche Raum: Max Hollein zum Thema Ausstellungsraum

Die Frage, ob ein Raum mit starker Eigensprachlichkeit ebenso zulässig für die Präsentation von Kunst ist wie der zurückhaltende White Cube, und was der Kontext von Kunstwerk und Raum ergibt, wird nach wie vor in Kunstkreisen unterschiedlich aufgefasst. Vorbei scheint jedenfalls die Zeit opulenter Museumsbauten nach dem Vorbild von Frank Gehrys Guggenheim Bilbao zu sein.

Max Hollein, 35-jähriger Leiter der Schirn Kunsthalle Frankfurt und Direktor des Städelmuseums und des Liebieghauses, gilt als wichtiger Protagonist einer neuen Generation in der Kunst- und Museumslandschaft.

Mit dem Programm der Schirn Kunsthalle erregte er internationales Aufsehen. Ausstellungen von "Shopping", in der etwa ein gesamter Supermarkt in den Museumsräumen gezeigt wurde, "Frequenzen", die sich experimenteller Gegenwartskunst widmete über Matisse Scherenschnitte bis hin zu einer Neubewertung der "Nazarener", einer religiös motivierten Künstlergruppe Anfang des 19. Jahrhunderts, bilden einen bewusst breiten Bogen von Themen.

Mit drei verschiedenen Häusern und ebenso verschiedenen Schwerpunkten deckt Max Hollein nun als Leiter in Personalunion eine kunsthistorische Bandbreite von Alten Meistern bis zu jüngsten Tendenzen der Gegenwartskunst ab.

Tags: Räume, Kunst,

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Der persönliche Raum: Paulus Manker zum Thema Bühnenraum

Sein Temperament hat wohl schon öfters dazu geführt, dass jemand fluchtartig den Raum verlassen hat, in dem er sich gemeinsam mit Regisseur und Schauspieler Paulus Manker befand. Dennoch ist es nicht so, dass die von ihm konzipierte "Alma – a show biz ans end" deshalb als parallel-biografisches Stück in verschiedensten Räumen des Aufführungsortes gleichzeitig gespielt wird. Denn gerade da folgt das Publikum gerne gerade ihm in jene Zimmer, in denen er, Oskar Kokoschka verkörpernd, den Raum bespielt.

Manker ist ein an den Bühnen Europas hochgeschätzter Darsteller, in den letzten Jahren hat er sich weitgehend neuen Raumlösungen im Theater verschrieben. Weg von der Guckkastenbühne, hin zu zeitgemäßen Raumlösungen, wie er es mit den Produktionen "Der Vater" (1995)im Theater an der Wien, "F@lco - A Cyber Show" (2000) im Ronacher und eben "Alma" (1996–2005) bewiesen hat.

Geradezu manisch ist er auf der Suche nach Aufführungsorten für dieses Stück, das nicht für ein Theater im herkömmlichen Sinn geschrieben ist, und hat in Wien, Venedig, Lissabon und Los Angeles nach intensiver Recherche jedes mal wieder unvergleichliche Bauwerke gefunden.

Tags: Kunst, Räume,

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Der persönliche Raum: Barbara Imhof zum Thema Weltraumarchitektur

Ihre Planung beschäftigt sich mit den Bedingungen, die die Architektur schaffen kann und soll, wenn heute Menschen von hier nach dort reisen - und mit der nach wie vor utopischen Vorstellung davon, wie es aussehen könnte, wenn ein paar Menschen "hier" wegziehen und ihre Zelte auf dem Mond, dem Mars oder einem anderen Planeten aufschlagen.

Nach dem Studium der Architektur hat Imhof ihre Kenntnisse mit einem Master of Space Studies an der International Space University in Strassbourg erweitert. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Forschern aus verschiedensten Wissensgebieten setzte sie bei Projekten, unter anderem mit der NASA, fort und führt heute gemeinsam mit der ebenfalls auf Weltraum spezialisierten Designerin Susmita Mohanty das Architekturstudio "Liquifer" in Wien.

Der persönliche Raum: Gustav Schörghofer SJ zum Thema spiritueller Raum

Eine andere Qualität von spirituellem Raum beschreibt er wie eben jemand, der die Liebe zu den Menschen und zu Gott zum Beruf gemacht hat: "Ein spiritueller Raum ist zum einen nicht materiell, es ist ein Raum, der nicht unbedingt mit Architektur zu tun hat sondern mit Menschen und Atmosphäre. Ein Raum in dem ein guter Wind weht, der das Zusammenleben der Menschen fruchtbar sein lässt, der Träume gelingen lässt und offen ist für andere, wo ein Fremder freundlich aufgenommen wird. Ich hätte Schwierigkeiten einen Raum als spirituell zu sehen, wo Menschen aggressiv sind."

Aber auch der sich zwischen tatsächlichen Wänden und Mauern manifestierende Raum hat spirituelle Qualität. Ein Kirchenraum, ein Industriebau, ein Museum: Gustav Schörghofer schätzt die Fähigkeit solcher Räume, einen aufzurichten.
"Ein solches Gebäude empfängt dich, setzt dich in eine Würde, nicht: du bist klein und rund um dich ist es gewaltig, wie das etwa die nationalsozialistische Architektur ausgedrückt hat, sondern die Majestät betonend, die jeder einzelne hat."

Der persönliche Raum: Ioan Holender zum Thema Raumakustik/Klangraum

Ioan Holender, Direktor der Wiener Staatsoper, geboren 1935 in Timisoara, Rumänien, leitet das Haus bereits seit 1988.
Eine lange Amtszeit und ein wesentlicher Abschnitt in einer bewegten Lebensgeschichte, die den Maschinenbaustudenten aus politischen Gründen zum Abbruch des Studiums zwang und im Jahr 1959 von Timisoara (Temesvar) nach Österreich führte, wo er Gesang studierte und anschließend als Sänger engagiert war. Die Mitarbeit in einer Künstleragentur legte den Grundstein zu seiner heutigen Position, in der er weiterhin ein großes Gespür für die Auswahl der Künstler und junger Talente beweist.

Die Qualität einer Aufführung liegt nicht allein in der Hand der Künstler, auch die räumlichen Voraussetzungen, vor allem die Akustik, leistet einen großen Beitrag zur Wirkung.

Vom "Mystifizieren der Akustik" spricht Holender und berichtet gleichzeitig begeistert von einem Besuch in Epidaurus, er schätzt den Palau de la Música in Barcelona ebenso wie den Großen Saal des Wiener Musikvereins, das Amsterdamer Concertgebouw für ihre individuelle, ausgezeichnete Akustik.

Die Misstöne kommen für ihn aus einer anderen Ecke: "Die Konzertsäle und Opernhäuser haben ihre Charakteristik beibehalten, mehr als die Orchester, die zunehmend einer Klangglobalisierung anheimfallen. Bei den amerikanischen Orchestern etwa gibt es Perfektion aber keine Individualität."

Der persönliche Raum: Martin Bergmann/EOOS zum Thema ‘Poetischer Raum’

Insofern verwundert es wenig, wenn ein baumlanger, kräftiger Osttiroler wie Martin Bergmann davon spricht, dass Orte durch das Zelebrieren und die Durchführung von Ritualen poetisch aufgeladen werden und somit Räume durch eine steigende und sinkende Poesiekurve beschrieben werden können.

Die Stoffe, aus denen EOOS die nicht messbare Qualität von Poesie schaffen wollen, sind oft ebenso wenig greifbar.

Licht, mit dem man laut Bergmann arbeiten kann wie mit Wänden und dem Nebel, den EOOS für die a1 lounge auf der Wiener Mariahilferstraße eingesetzt haben, wo eine sequenziell von Nebelschwaden belebte Fassade das Gefühl von Transzendenz vermittelt.

Ein weiterer Faktor für die Poetisierung des Raumes ist die Transformation: "Verschiedene Aggregatszustände für verschiedene Bedürfnisse, ein Raum, der sich adäquat verändert, Räume sollten eine Qualität wie die Tag- und Nacht-Seite eines Objektes haben. Räume sind wie Werkzeuge, die der Mensch verwenden kann, um seine Bedürfnisse zu realisieren."

Der persönliche Raum: Claus J. Raidl zum Thema Verhandlungsraum

Lange Tische in Rechtsanwaltskanzleien illustrieren die Distanz zwischen zwei Parteien, das Hinterzimmer des italienischen Restaurants in Chicago lässt ahnen, dass da noch mehr im Verborgenen ruht, und Ken Adams´ Entwurf für die Kulisse des War Room in Stanley Kubricks Film "Dr. Strangelove" hat sich in den Köpfen der Menschen als Bild für einen Raum, in dem Entscheidungen fallen, die die ganze Welt betreffen, derartig festgesetzt, dass Ronald Reagan nachgesagt wurde, er wäre unmittelbar nach Amtsantritt auf der Suche nach diesem – nur als Kulisse existenten – Raum gewesen.

Claus J. Raidl braucht keine großen Inszenierungen für Verhandlungen, er ist auch so einer der erfolgreichsten Manager Österreichs.

Mit dem steirisch-schwedischen Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm, seit 10 Jahren börsennotiert und seit 2003 vollprivatisiert, wurde aus dem ehemaligen ÖIAG-Betrieb ein hochprofitables Vorzeigeunternehmen geschaffen.

Der persönliche Raum: Hermann Maier über Freiraum

... und das erste, was ihm zum Thema Raum in den Sinn kommt, sind die melancholischen Lieder des Berliner Duos "Zweiraumwohnung", die mit ihren Latino- und Bossa-Nova-Rhythmen und deutschen Texten ein immer größeres Publikum bezaubern.

Das Schi-Ass Hermann Maier ist Österreichs liebstes Phänomen. Er steht immer wieder auf, sei es nach einem Motorradunfall oder einem schweren Sturz, er siegt immer wieder und er raunzt nie, ohne dabei irgendwie verschroben-esoterische Denkschulen zu bemühen.

Er gehört zu den wenigen Menschen, die totgesagt wurden, deren Leistung aber dennoch zu Lebzeiten ehrlich bewundert und gewürdigt wird, sogar in Österreich. Wie könnte es auch anders sein: Triple-Weltmeister, Doppel-Olympiasieger, 4-facher Gesamtweltcup-Sieger und 50-facher Weltcup-Sieger. So sieht die Bilanz des "Herminator" aus, den der "Sturzraum" und der "Zielraum" weit weniger zu Gefühlsäußerungen bewegen als der Freiraum.

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